Schoa-Überlebenden

»Ich verstehe, dass Einzelne verbittert sind«

»Ich verstehe, dass Einzelne verbittert sind«

Noach Flug über den Protest von Schoa-Überlebenden in Israel

Sie haben am vergangenen Sonntag an der Demonstration (vgl. Seite 4) in Jerusalem teilgenommen. Dort hieß es, die Regierung habe die in Israel lebenden Schoa-Überlebenden vergessen. Teilen Sie diese Auffassung?
flug: Nein, aber die Regierung hat Fehler gemacht. Vor ein paar Monaten gab es Berichte über die wirtschaftliche Lage ehemaliger Verfolgter, die unter der Armutsgrenze leben. Hauptsächlich sind es Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, die vor ein paar Jahren nach Israel gekommen sind. Sie erhalten zwar staatliche Unterstützung, aber sehr wenig. Daraufhin hat der Premierminister erklärt, er werde alles tun, damit diese Menschen ihr Lebensende in Würde verbringen können. So kam es zu dem Vorschlag, ab 2008 einen Zuschuss von etwa 15 Euro zu zahlen, der im Jahr 2011 erhöht werden sollte. Das sei viel zu wenig, hieß es. Außerdem würden 2011 schon viele der Betroffenen nicht mehr leben. Das hat die Aufregung verursacht.

Deutsche Medien berichteten, es sei das erste Mal, dass Israel Zahlungen an Holocaust-Opfer in Aussicht stelle.
flug: Das ist falsch. Israel zahlt an Überlebende des Holocaust jedes Jahr über 400 Millionen Dollar. Richtig ist, dass es etwa 10.000 Überlebende gibt, die sozusagen durch das Netz fallen, weil sie die Voraussetzungen für Entschädigungszahlungen nicht erfüllen. Sie waren zum Beispiel weniger als 18 Monate in einem Ghetto oder weniger als sechs Monate in einem KZ, oder sie liegen über einer bestimmten Einkommenshöchstgrenze.

Dass Demonstranten gestreifte Kleidung und den gelben Stern trugen, verursachte in Israel Kritik. Wie stehen Sie dazu?
flug: Es haben sich etwa 3.000 Menschen beteiligt. Ich habe nur einen in der Kleidung eines KZ-Häftlings und nur etwa 20 mit einem gelben Stern gesehen. Ich persönlich bin der Meinung, dass man diese Symbole nicht benutzen sollte, auch nicht für die Durchsetzung politischer Forderungen. Aber ich verstehe, dass Einzelne verbittert sind.

Wird es für diese eine Regelung geben?
flug: Die Idee mit dem 15 Euro ist schon vom Tisch. Wir treffen uns jetzt mit ranghohen Beamten verschiedener Ministerien und beraten über Finanzhilfen. Ich hoffe, dass wir in der nächsten Woche eine Einigung erzielen können.

Mit dem Vorsitzenden der Dachorganisation der Holocaust-Überlebenden in Israel sprach Detlef David Kauschke.

Washington D.C.

Trump: Netanjahu will, dass USA im Iran involviert bleiben

Unterschiedliche Interessen Israels und der USA sind im Iran-Krieg mehrfach zutage getreten. Kurz vor seinem Treffen mit Netanjahu deutet Trump an, dass die Differenzen nicht überwunden sind

 28.07.2026

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026