Sukkot

Hauptstadt der Hütten

von Christine Schmitt

Vielfalt ist angesagt: Zum Sukkotfest, das am Montagabend begann, wurden in der Stadt – ob in Charlottenburg‐Wilmersdorf, Mitte oder Kreuzberg – Laubhütten aus fester Konstruktion, mit Drahtgestell oder einfachen Holzbalken aufgebaut. Unter anderem in der Heinz‐Galinski‐Schule an der Waldschulallee, der Synagoge Fraenkelufer, der Jeschiwa „Beis Zion“ in der Brunnenstraße und in Gärten oder Innenhöfen verschiedener Privathäuser oder Mietwohnungen.
„Sieben Tage sollt ihr in Hütten wohnen“, heißt es in der Tora. Die Tradition besagt, dass die Hütten auch festlich ge‐
schmückt sein sollen. Diesem Brauch folgend, trafen sich am Sonntag die Kinder der Talmud‐Tora‐Schule, um mit ihrer Leiterin Bella Bairamov die Sukka der Synagoge Joachimstaler Straße mit Früchten und Selbstgebasteltem zu verzieren. 150 Gäste finden hier Platz. „Sie soll allen Menschen offen stehen, die keine Möglichkeit haben, selbst eine Sukka zu bauen“, sagt Rabbiner Yitshak Ehrenberg.
Rabbinerin Gesa Ederberg hat sich mit ihrem Mann Nils und den drei Kindern eine eigene Sukka gebaut – auf dem Hof, direkt vor dem Küchenfenster. Am Sonntagmittag legten sie letzte Hand an, dann ging’s am Nachmittag in die Synagoge Oranienburger Straße, um die dortige Hütte gemeinsam mit den Betern zu schmücken.
„Jede Gemeindesynagoge hat eine Sukka“, erläutert die Leiterin der Kultusabteilung, Judith Lan, „außerdem der Kindergarten, die beiden Schulen der Gemeinde, das Seniorenzentrum und das Gemeindehaus Fasanenstraße“.
Auch das Bleibergs hat sich für die Feiertage gerüstet. Chefin Manuela Hoffmann‐Bleiberg freut sich auf Gäste in der kleinen Sukka an der Nürnberger Straße.
Auf dem Hof des Jüdischen Bildungszentrums in der Münsterschen Straße ist die Sukka mit etwa 200 Plätzen während des Festes geöffnet. „Alle sind herzlich eingeladen, mit uns zu feiern und die Mizwot des Festes zu erfüllen“, betont Rabbiner Yehuda Teichtal. Zudem wird Chabad Lubawitsch an Chol Hamoed, den Zwi‐
schenfeiertagen, mit einer „mobilen Sukka“ unter anderem am Brandenburger Tor und am Wittenbergplatz unterwegs sein.
Die älteste Sukka Berlins steht wohl vor der Synagoge Rykestraße. Das sei schon eine antiquarische Konstruktion, die be‐
reits musealen Wert haben dürfte, vermutet Judith Lan. Relativ neu ist die Sukka der erst vor zweieinhalb Jahre gegründeten Sefardischen Synagoge. Sie steht im Innenhof eines Wohnhauses an der Passauer Straße, der mit insgesamt drei Sukkot wohl der Hof mit den meisten Laubhütten in Berlin sein dürfte.
Genaue Angaben, wie viele Hütten es in diesem Jahr in der Stadt gibt, existieren nicht. „Ich schätze, wir haben hier in Berlin etwas 100 bis 200 Laubhütten“, meint Rabbiner Ehrenberg. „Das ist auf jeden Fall mehr als in jeder anderen deutschen Ge‐
meinde. Ein gutes Zeichen für ein lebendiges Judentum.“

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