Krisenregion

Grundkurs Nahostkonflikt

von Ralf Balke

Eines sind Debatten in Deutschland zum Thema Israel und Nahostkonflikt garantiert nie: langweilig. Nur allzu gerne fahren die Kontrahenten schwere verbale Geschütze auf, beschwören die Geschichte und entwickeln einen ausgiebigen Hang zu Analogien. Bloß mit dem Faktenwissen hapert es öfters. „Insofern kann man in öffentlichen Diskussionen zur Nahostproblematik mehr über die Befindlichkeiten der Deutschen erfahren, mehr über den Umgang mit dem Nationalsozialismus als über die Situation in Israel, in den palästinensischen Gebieten und im Rest des Nahen Osten“, schreibt Richard Chaim Schneider, ARD‐Korrespondent in Tel Aviv. Gerne gibt man ihm recht.
Ein wenig Basiskenntnisse können da nicht schaden, dachte sich Schneider. Die möchte er mit seinem neuen Buch vermitteln. Anders als die meisten Nahost‐Einführungen liefert Schneider keine einfache Chronologie der Ereignisse oder eine ohne Vorwissen für den Laien kaum verständliche wissenschaftliche Abhandlung. Seine Herangehensweise besteht darin, bestimmte zentrale Themen herauszupi‐cken und sie in den historischen Kontext einzuweben. Als Fernsehmann versteht er es, selbst komplexe Zusammenhänge sprachlich griffig zu vermitteln, ohne dabei zu simplifizieren oder auf die üblichen Klischees zurückzugreifen.
Beispielsweise erklärt er auf wenigen Seiten die Bedeutung der Kriege am Golf für Israel oder das Verhältnis zwischen der EU und dem jüdischen Staat. „Die Europäer gehen inzwischen immer häufiger dazu über, Israel als das Kernübel für all die Bedrohungen durch Al‐Kaida und andere fundamentalistische Terrorgruppen zu betrachten, auch wenn das faktisch und historisch nicht stimmt“, schreibt er.
Bemerkenswert ist auch das Kapitel über die israelischen Araber. Auf wenigen Seiten schafft es der ARD‐Journalist, deren politische, soziale und wirtschaftliche Situation auf den Punkt zu bringen. Schneider nennt die wichtigsten politischen Ak‐teure aus dem Kreis der größten Minorität Israels, weist hin auf die Diskriminierungen, denen sie oft ausgesetzt sind, und erklärt auch, warum israelische Araber dennoch nicht wirklich unter einer palästinensischen Herrschaft nach dem Muster der Autonomiebehörde leben wollen.
Der klare Blick auf die Konfliktsituationen, ihre Ursachen und Auswirkungen ist es denn auch, was das Buch so lesenswert macht. Selbst wenn man die Einschätzungen des Autors nicht immer teilen mag, so ist es doch ein idealer Einstieg für jeden, der sich in kurzer Zeit einen Überblick über die Region verschaffen möchte.

richard c. schneider:
wer hat schuld? wer hat recht? was man über den nahostkonflikt wissen muss
Ullstein Berlin 2007, 208 S., 18 €

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