Wehrmachtsveteranen

Geschlossene Front

von Harald Neuber

Das Treffen hat lange Tradition. Jahr für Jahr kommen zu Pfingsten an einem Kriegerdenkmal nahe dem bayerischen Mittenwald mehr als tausend ehemalige und aktive Soldaten zusammen. Gemeinsam ehren sie ihre im Zweiten Weltkrieg „gefallenen und vermißten Kameraden“. Sie seien „Opfer von Krieg und Gewalt“ geworden. Ausgerichtet wird der Feldgottesdienst vom „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“, der Bundeswehr und der Kirche. In diesem Jahr jedoch mußte das Treffen um eine Woche vorgezogen werden. Nachdem Historiker und Opferverbände wiederholt zum Protest gegen die Veranstaltung aufgerufen hatten, fürchtete der Tourismusverband um das Image des beliebten Urlaubsortes. Mehr als 300 Menschen demonstrierten gegen das Treffen. „Wir empfinden es als unerträglich, wenn einerseits öffentlich die Tradition der Gebirgsjäger gefeiert wird, andererseits namentlich bekannte und vermut‐ lich an Mordtaten beteiligte ehemaligen Soldaten noch Mitglieder des Traditionsvereins sind“, heißt es in einem offenen Brief an die Mittenwalder Gemeinde. Gemeint sind Mitglieder wie Alois Eisl. Im Oktober 1943 hatte eine nach ihm benannte „Kampfgruppe“ in der Region Epirus im Nordwesten Griechenlands das Dorf Akmotopos als „Sühnemaßnahme“ zerstört. Das geht aus einem dokumentierten Bericht an das Generalkommando der Wehrmacht hervor. Manfred Benkel, Bundeswehr‐Oberst a. D. und Präsident des „Kameradenkreises“, ficht dies jedoch nicht an. Hinter dem Protest stünden „Linksextremisten und mit ihnen verbündete Gruppen“, sagt er und führt als Beleg die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN‐BdA) an.
Doch so klar verlaufen die Fronten nicht. Ein zentraler Bestandteil der Gegenveranstaltung war in den letzten Jahren ein Hearing mit Zeitzeugen der nationalsozialistischen Besatzungsregime. Zur Brisanz des Themas hat beigetragen, daß sowohl „Kameradenkreis“ wie auch Bundeswehr deren Zeugnisse in die linksextremistische Schublade stecken. So zum Beispiel die Aussagen von Christina Dimou. Im Jahr 2003 berichtete die heute 76jährige Frau, wie deutsche Wehrmachtssoldaten im August 1943 ihr Dorf Kommeno im Norden Griechenlands überfielen. Die Deutschen trieben 317 Männer, Frauen und Kinder auf dem Dorfplatz zusammen und erschossen sie. Die Täter gehörten ausschließlich der 12. Gebirgsjägerdivision aus Mittenwald an. Daß diese Vorgehensweise gegen „Banden“ und „Aufständische“ entgegen den Beteuerungen des Kameradenkreises und hochrangigen Bundeswehrangehörigen jährlich verteidigt wird, deckte ein Team des ARD‐Politmagazins „Kontraste“ im vergangenen Jahr auf. Auf die Frage nach Erschießungen von Frauen und Kindern, entgegnete ein Wehrmachts‐Veteran: „Auch die Frauen waren Partisanen und die Kinder, die Kinder dazu.“ Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, ebenfalls Mitglied im „Kameradenkreis“ zeigte sich in seiner Ansprache im selben Jahr „besonders stolz auf ihre Leistungen in Vergangenheit und Gegenwart“.
Im vergangenen Jahr führte der öffentliche Druck gegen diese „geschlossene Front“ dazu, daß die Kameradschaft des Polizei‐Gebirgsjägerregiments 18 aus dem „Kameradenkreis“ ausgeschlossen wurde. Die Gruppe war maßgeblich an der Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Athen in die deutschen Vernichtungslager beteiligt. Doch der Ausschluß scheint nur ein taktischer Rückzug gewesen zu sein. In der Woche vor dem diesjährigen „Feldgottesdienst“ am Hohen Brendten fand auch im nahen Grainau ein Treffen von Wehrmachts‐Veteranen statt. Dabei wurden erneut auch Kränze an einer Gedenktafel für das Polizei‐Gebirgsjägerregiments 18 niedergelegt. Dazu spielte eine Kapelle die Melodie des „Guten Kameraden“.

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