Podiumsdiskussion

Gefühlt oder geschehen?

„Wenn die Medien nicht so ausführlich und immer wieder über den Konflikt berichten hätten, dann wäre die jüdische Schülerin S. noch an unserer Schule“, meint die Direktorin der Lina‐Morgenstern‐Schule, Mira Lammers, bei einer Podiumsdiskussion am vergangenen Montag. Die „tageszeitung“ (taz) hatte dazu ein‐
geladen, nachdem die Berichterstattung in die Kritik geraten war.
Anlass waren antisemitische Pöbeleien an einer Kreuzberger Schule. S. war dort im Herbst vergangenen Jahres von einer arabischstämmigen Mitschülerin und einer Gruppe Jugendlicher mehrfach beschimpft und auch körperlich angegriffen worden. Zeitweise konnte sie nur noch unter Polizeischutz zum Unterricht gehen. Mittlerweile ist sie zur Jüdischen Oberschule gewechselt.
Kurz darauf hatte Schulleiterin Lammers in einem taz‐Interview gesagt, dass es sich um eine „Eifersuchtsgeschichte“ zwischen einem jüdischen und muslimischen Mädchen handelte und dieses von den Medien hochgespielt worden sei. Lammers hatte zudem der Jüdische Gemeinde vorgehalten, die Schülerin vereinnahmt zu haben. Daraufhin habe die Gemeinde der taz „eine Form von versteckten Antisemitismus“ vorgeworfen, erläutert die Redakteurin und Moderatorin Edith Kresta.
„Die Medien müssen über antisemitische Vorfälle berichten“, betont Barbara Witting, Direktorin der Jüdischen Oberschule, die neben Levi Salomon von der Jüdischen Gemeinde und dem Pädagogen und Extremismusexperten Michael Rump‐Räuber mit Mira Lammers diskutierte. Es sei verharmlosend, zu behaupten, dass es sich nicht um antisemitische Angriffe gehandelt habe, so Witting. „Die Bevölkerung muss – auch von den Medien – erfahren, dass das keine Einzelfälle sind“, meint die Direktorin.
S. hätte an der Lina‐Morgenstern Schule bleiben können, kontert Lammers. Die Schule, die eine jüdische Namensgeberin hat, hätte alles versucht, den Konflikt zu lösen. „Wir haben daran gearbeitet und viel dafür getan.“
„Antisemitismus und Rechtsextremis‐
mus sind in der Mitte der Gesellschaft tief verwurzelt“, sagt Michael Rump‐Räuber. Dazu kämen noch die Ressentiments bei muslimischen Jugendlichen. Die Dunkelziffer antisemitischer Vorfälle sei hoch. Pädagogen müssten daher sofort reagieren und konsequent Gegenmaßnahmen ergreifen. „Wir müssen ein Klima der Toleranz schaffen.“ Chris Meyer

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