Zentralwohlfahrtsstelle der Juden

Gefeiertes Engagement

von Miryam Gümbel

Dass der Holocaust nicht das Ende der vielfachen, fruchtbaren Beziehungen zwischen jüdischem und nichtjüdischem Leben in unserem Land bedeutet, zeigten die zahlreichen Eröffnungen neuer Gemeindezentren, hatte Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch bei der Eröffnung des Bochumer Zentrums betont.
Diesen Satz und ihre Grundhaltung »Wir sind hier. In der Mitte der Gesellschaft. Und wir werden uns diesen Platz nie wieder streitig machen lassen.«, zitierte jetzt in München Abraham Lehrer. Der Vorsitzende der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) und in Frankfurt war gemeinsam mit seinem Vorstand in das Münchner Jüdische Zentrum am Jakobsplatz gekommen, um Charlotte Knobloch noch nachträglich zum Geburtstag zu gratulieren und ihr für ihr Engagement in der ZWST zu danken.
Auf Grund ihres ausgelasteten Terminkalenders hatte sie im Dezember nicht mehr für einen Sitz im Vorstand der ZWST kandidiert, dem sie sieben Jahre lang angehört hatte. »Wir werden Sie vermissen«, sagte Lehrer. »Ihre ruhige Art, Ihre Sachkunde, Ihren Rat.«
Mit dem Dank für ihre regelmäßige Teilnahme an den Sitzungen und die kompetente Leitung der Fürsorgefachkommission verband er einen Wunsch für die Zukunft: »Ich hoffe, Sie bleiben unserer, aber ebenso Ihrer Zentralwohlfahrtsstelle weiterhin verbunden. Wir brauchen Ihre Unterstützung und Ihre Fürsprache auch in Zukunft.«
In seiner Rede ging Lehrer auf die Einstellung Charlotte Knoblochs ein, die jüdische wie nichtjüdische Menschen immer wieder verblüfft und Bewunderung abringt: Ihr Bekenntnis zu ihrer Heimatstadt München und zu Deutschland. Für Lehrer ist der Lebenslauf Knoblochs beispielhaft für die Entwicklung und die Bedeutung jüdischen Lebens in diesem Land.
»Als nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs der Zentralrat der Juden in Deutschland und die ZWST neu gegründet wurden, übernahmen natürlicherweise Überlebende der Schoa die Führungspositionen.« Mit Blick auf Charlotte Knobloch sagte er: »Wer hätte damals dem deutschen Judentum eine Zukunft vorausgesagt, die es möglich machen würde, dass es jemals in den Medien heißen würde, dies sei die letzte Präsidentin des Zentralrats, die den Holocaust überlebte? Wer hätte jemals erwartet, dass sich der Präsident des Zentralrats der Juden zu Deutschland bekennen würde?«
Die Jubilarin ehrte der Vorstand nun mit einem festlichen Mittagessen im koscheren Münchner Gemeinderestaurant. Als Geburtstagsgeschenk überreichte ihr ZWST‐Direktor Beni Bloch eine Urkunde über in ihrem Namen gepflanzte Bäume in Israel. Musikalisch umrahmt wurde das kleine Fest von dem Klarinettisten Roman Kuperschmidt.
1974 in Russland geboren, spielt er seit seinem siebenten Lebensjahr Klarinette und gab bereits im Alter von 12 Jahren sein erstes Solo‐Konzert mit der Russischen Staatsphilharmonie Kazan. Heute lebt er in Frankfurt am Main, wo er an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst 2006 sein Aufbaustudium mit Auszeichnung absolvierte. Internationale Anerkennung erhielt er 1995, als er mit dem Grand‐Prix des renommierten internationalen Klarinettenwettbewerbs Moskau ausgezeichnet wurde. Sein Repertoire umfasst die wichtigsten Werke der Klassik für Klarinette. Sein besonderes Interesse gilt aber auch der Modernen Musik sowie dem Klesmer, den er mit seinem Kuperschmidt‐Ensemble pflegt. Der Auftritt des Zuwanderers war zugleich auch eine Hommage an den Einsatz Knoblochs für die Juden aus der ehemaligen Sowjetunion.
Eine besondere Freude war es für Charlotte Knobloch, dass als »Überraschungsgast« zu der nachgeholten Geburtstagsfeier auch Günther Beckstein gekommen war. Als bayerischer Innenminister war er fünf Jahre zuvor bei der entsprechenden Feier der ZWST in Frankfurt mit dabei gewesen. Dass er sich jetzt auch als Ministerpräsident des Freistaates die Zeit dafür nahm und Charlotte Knobloch mit seinem Kommen und einem riesigen Blumenstrauß überraschte, beeindruckte und freute alle. Der besondere Dank Lehrers galt dem Einsatz Becksteins beim Zuwanderungsgesetz.
Beckstein selbst dankte Charlotte Knobloch für ihr Engagement. Er hob ihre Haltung und Einstellung zu einem aufgeklärten Patriotismus hervor, der notwendig sei, um immun zu sein gegen einen überzogenen Nationalismus.
Dass sich Charlotte Knobloch nicht nur für das Judentum in Deutschland einsetzt, wurde in einem Brief deutlich, den Beni Bloch vorlas, bevor er ihn der fast mit Tränen der Rührung kämpfenden Präsidentin überreichte. »Ihre tiefe Liebe und Hingabe zum Staat Israel und ihr Engagement für die Jüdische Gemeinschaft in Deutschland sind sehr beeindruckend«, hatte Israel Staatspräsident Ehud Olmert in einem Glückwunschbrief an Knobloch geschrieben.
»Unsere Väter«, so Lehrer zum Ende seiner Rede, »haben den Segen ›Sche‹Koach‹ eingeführt, zu Deutsch ›es soll Dir Kraft geben‹. Für Sie, liebe Frau Knobloch soll es so geschehen, Kraft und Gesundheit soll sie begleiten.« Nach einem herzlichen Masal Tow, L‹Chajm und Ad Mea We‹esrim wurde dann das Essen serviert.

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