Flugsicherheit

Gefahr am Himmel

von Wladimir Struminski

Nur knapp entgingen im vergangenen Monat 337 Fluggäste und Mannschaftsmitglieder von EL AL und Iberia beim Anflug auf den Ben‐Gurion‐Flughafen dem Tod. Das belegt der jetzt vorgelegte Bericht ei‐
ner Untersuchungskommission zu einem Beinahezusammenstoß zwischen einer
EL AL‐Boeing und einem Airbus der spanischen Luftfahrtgesellschaft. Trotz seines trockenen Stils liest sich das Dokument wie die Vorlage für einen Hollywood‐Film: Am Nachmittag des 8. Februar überflog die spanische A‐321 die israelische Küste und ging zum Landeanflug über. Die spanischen Piloten glaubten, gleich nach einem Flieger der Air France landen zu dürfen. Irrtum: Zwischen den beiden europäischen Maschinen düste nämlich auch die EL AL Richtung Heimatflughafen. Dessen aber waren sich die Spanier wegen mangelhafter Kommunikation mit dem israelischen Tower nicht bewusst. Erst als das an Bord installierte Warnsystem schrillte, merkte der Iberia‐Kapitän, dass er sich auf Kollisionskurs befand. Die israelischen Fluglotsen reagierten auf die nahende Ka‐
tastrophe erst gar nicht und dann falsch: Sie wiesen den Iberia‐Flieger an, scharf rechts abzudrehen – direkt in den Zusam‐
menstoß. Glücklicherweise missachtete der Pilot den Befehl und riss das Steuer links herum. Ihrerseits scherten die Israelis nach rechts aus. Wie die anschließende Auswertung zeigte, waren die beiden Flugzeuge zu diesem Zeitpunkt nur noch 1.300 Meter beziehungsweise zwanzig Flugsekunden voneinander entfernt.
Der Beinahezusammenstoß war nicht der erste, vor dem Israel wie durch ein Wunder bewahrt wurde. Vor vier Jahren kollidierte eine landende türkische Ma‐
schine nahezu mit einem startenden
EL AL‐Jet. Und nur wenige Tage nach dem Iberia‐Vorfall wären zwei Maschinen der israelischen Arkia auf der Inlandsstrecke Tel Aviv‐Eilat um ein Haar zusammengestoßen: Einer der Piloten hatte eine An‐
weisung der Flugkontrolle missverstanden und stieg um eintausend Fuß nach oben. Dort aber kam ihm der Kollege entgegen. Die beiden Maschinen kamen auf 500 Me‐
ter aneinander heran.
Solche gefährlichen Vorfälle werden nur dann publik, wenn die Medien zufällig davon erfahren. Wie schlimm die Lage wirklich ist, lässt sich jedoch aus dem Un‐
tersuchungsbericht zu dem jüngsten Beinahezusammenstoß der Iberia‐ und EL AL‐Maschinen erahnen: Die nur mit Not verhinderte Tragödie, so Untersuchungsleiter Jitzchak Ras, »ist kein einmaliger oder außergewöhnlicher Vorfall.« Und die Lage wird immer schlimmer. »Es findet«, so der Ras‐Bericht »ein anhaltender Prozess statt, der den Luftverkehr einengt und dessen Sicherheit gefährdet«.
Die ewige Ausrede für die gravierenden Sicherheitsmängel ist die Landesverteidigung. Ein Großteil des Himmels über Is‐
rael wird von der Luftwaffe für Übungsflüge beansprucht. So bleiben für den Zi‐
vilverkehr nur schmale Luftkorridore übrig, in denen sich die Flieger dicht an dicht drängen. Daran lässt sich wenig ändern. Bleibt die Zivilluftfahrtbehörde, die der Gefahr entgegenwirken müsste. Doch dort beginnt die Schlamperei bereits beim Personal. Zwar übernimmt die Zivilluftfahrt ihre Fluglotsen von der Armee, wo sie reichhaltige Erfahrungen gesammelt haben. Allerdings ist der Vorteil zugleich ein Nachteil: Militärische Denkmuster lassen sich nicht ohne Weiteres auf Zivilisten übertragen. Vor allem ausländische Piloten kommen mit den Kommissgepflogenheiten nicht zurecht. Die fürs Leben ohne Uniform erforderliche Umschulung fehlt. Zudem schieben israelische Lotsen zwölfstündige Schichten: für die Konzentrationsfähigkeit reines Gift. Und die technologische Ausstattung der Flugsicherung ist veraltet. Deshalb fliegen zu viele Maschinen auf Sicht statt elektronisch geleitet zu werden. Und Lotsen und israelische Piloten, auch sie Zöglinge der Luftwaffe, funken schon mal Hebräisch miteinander und bleiben damit von ausländischen Cockpitbesatzungen unverstanden.
Jetzt will Verkehrsminister Schaul Mo‐
fas die Mängel beheben. »Wenn wir nicht aktiv werden, kommt es zu einer Katastrophe«, warnte er und berief eine Kommission zur Prüfung der Luftraumsicherheit in Israel. Fachleute wissen seit Langem, was getan werden muss. Der Vorsitzende der neuen Kommission und Ex‐Befehlshaber der Luftwaffe, Amos Lapidot, hat bereits vor 16 Jahren ausführliche Empfehlungen zur Verbesserung der Sicherheit im Luftverkehr vorgelegt. Verwirklicht wurden die guten Ratschläge bisher nicht.
Die jüngsten Enthüllungen bedeuten aber noch lange nicht, dass sich die Israelis den Reisespaß verderben lassen. »Bei uns hat nicht ein einziger Kunde etwas über die Flugsicherung gesagt«, zuckt die Jerusalemer Reiseagentin Schoschana die Schultern. Der Computerfachmann Uri hat seinen Pessach‐Urlaub in den USA ge‐
bucht und sieht die Sache halb fatalistisch, halb gelassen: »Verzichte ich aufs Autofahren, weil so viele Irre auf der Straße unterwegs sind? Nein. Verzichte ich auf einen Besuch im Café, weil ein Terrorist es in die Luft jagen könnte? Nein. Warum soll ich also aufs Fliegen verzichten. Israel ist eben ein gefährliches Land.«

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