Mark Aizikovitch

Gastspiel

Gastspiel

Repräsentant
Mark Aizikovitch
als Filmdarsteller

Sie singen russische Lieder, trinken Wodka. Die Stimmung bei den russischen Party‐Gästen auf der Einweihungsparty in einer Berliner Plattenbauwohnung ist gut, vor allem bei einem Herrn mit Bart und längerem Haar. Mark Aizikovitch hat bei dem neuen Kinofilm »Du bist nicht allein« von Bernd Böhling, in dessen Hauptrollen Katharina Thalbach und Axel Prahl agieren, einen kleinen Auftritt. »Na ja«, sagt der 61‐jährige Künstler und Repräsentant der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, drei Tage sei die Einweihungsparty‐Szene gedreht worden – aber eine große Bedeutung habe das nicht für ihn. Da gebe es Wich‐
tigeres: Konzerte.
Seine ersten Auftritte hatte Mark Aizikovitch in seinem Elternhaus in Poltawa in der Ukraine. Vater, Mutter und vier Geschwister hätten viel musiziert – überwiegend jüdische, jiddische, russische und ukrainische Lieder. Mit sechs Jahren bekam er Akkordeon‐Unterricht und stand von diesem Augenblick an jeden Feiertag auf der Bühne. Nach der Schule sollte er nach dem Willen des Vaters Medizin studieren. Aber Mark Aizikovitch entschied sich für die Musik und die Schauspielerei. Deshalb begann er ein Studium am Konservatorium für Kunst in Charkow.
Im Radio, Fernsehen und Theater trat er unter anderem mit seiner Musikgruppe »Festival« auf. Er habe einen Hit nach dem anderen gelandet. Er heiratete, wurde Vater von zwei Söhnen, hatte weiteren Erfolg, konnte ins Ausland reisen und sich ein gutes Leben leisten.
Auf einem Zwischenstopp, unterwegs von London nach Moskau, traf er in Berlin einen Freund, der ihn überredete, in Deutschland zu bleiben. Aizikovitch ließ den Fahrschein verfallen, aber fuhr dann doch in seine Heimat zurück. Später beschlossen er und seine Frau, mit den Söhnen Russland zu verlassen. »Ich beschreibe das als Zufall«, sagt Aizikovitch.
Zufall war es auch, dass er wieder in seinem Beruf als Interpret jüdischer, hebräischer und russischer Lieder Arbeit fand. »Ich besuchte ein Konzert, bei dem jüdische Lieder gesungen wurden und stellte mich dem Manager vor.« Daraufhin erhielt er wieder Engagements. Im Hackeschen Hoftheater stand er bis zu dessen Schließung auf der Bühne, auch mit einem Soloprogramm. Ferner bietet er Workshops für Kinder an und berät Künstler. Es gefalle ihm, so unterschiedliche Sachen zu machen. Ein Theaterstück von ihm soll demnächst in Sibirien aufgeführt werden. Und der nächste Vertrag für eine Rolle in »Hänsel und Gretel« ist schon unterschrieben.
Eine Bühne wird der derzeitige Repräsentant und Mitglied des Präsidiums der Jüdischen Gemeinde zu Berlin endgültig verlassen: Er will nicht für die Wahl des neuen Gemeindeparlaments im November kandidieren. Dieses Kapitel sei für ihn abgeschlossen, er sei kein Politiker. »Ich möchte lieber meine Zeit mit Singen verbringen.« Christine Schmitt

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