konzert

Ganz königlich

Mit begeistertem Applaus empfing das Publikum im Hubert‐Burda‐Saal des Jüdischen Zentrums am Jakobs‐ platz den Pianisten Oleg Maisenberg noch bevor er den ersten Ton auf dem Konzertflügel angeschlagen hatte. »Rojal« heißt dieses Instrument auf Russisch – und königlich war dann auch die Musik, die der Meister darauf zum Klingen brachte. Der jubelnde Empfang galt einem Künstler, der viel Sympathie ausstrahlt und in seinem Gebiet zu den ganz großen zeitgenössischen Pianisten zählt. Oleg Maisenberg wurde 1945 in Odessa geboren. Er absolvierte die Zentrale Musikschule Kishinev und das Gnessin‐Institut in Moskau. Mit zwei preisgekrönten Auftritten 1967 in Wien begann sein Ruhm im Westen. Bis 1981 spielte er mit allen bedeutenden sowjetischen Orchestern. Seitdem konzertiert er auch mit dem Israel Philharmonic Orchestra, dem Philadelphia Orchestra, dem London Symphony Orchestra, den Wiener Symphonikern und Berliner Philharmonikern. Seine Diskografie umfasst Werke von Schubert, Schumann, Liszt, Rachmaninow, Skrjabin, Strawinsky, Berg, Schönberg und Milhaud. Nach einer Professur in Stuttgart unterrichtet Oleg Maisenberg seit 1998 an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.

Interpretation Bei dem Konzertabend in München trug er die »Jahreszeiten« von Peter Iljitsch Tschaikowski (1840–1893) und »Bilder einer Ausstellung« von Modest Petrowitsch Mussorgski (1839–1881) vor. Dabei riss Maisenberg das Publikum mit durch den kraftvollen Vortrag der musikalischen Interpretation und zeigte ihm zugleich einfühlsam die Nuancen und die Vielseitigkeit der Kompositionen auf. Wenn für Mussorgski Kunst ein Mittel zur Kommunikation mit Menschen und nicht ein Ziel in sich selbst war, so eröffnete Maisenberg mit dieser Musik auch einen emotionalen Dialog mit den Besuchern dieses Gala‐Abends. »Ich stoße beim Spielen in andere Sphären vor und lasse mich überraschen – das macht mich glücklich«, hat der Pianist einmal gesagt. Doch nicht nur ihn, denn er hat sein Publikum in diese unendlichen Sphären mitgenommen. Das Publikum war gemischt aus russisch‐ und deutschsprachigen, jüdischen und nichtjüdischen Musik‐Begeisterten. Einig aber waren sich alle, dass sie einen besonderen Abend erlebten. Es war der vierte in der Reihe »Das Judentum in der Musik … was und wie es wirklich ist«. Dabei werden von jüdischen und nichtjüdischen Künstlern Werke jüdischer und nichtjüdischer Komponisten gespielt. Der Name der Reihe geht auf eine Idee von Michael Wolffsohn zurück, im Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München zuständig für Kultur. Für den Historiker ist die Konzertreihe eine klangvoll ins Ohr gehende Antwort auf despektierliche und antisemitische Äußerungen und Einschätzungen des Umkreises von Richard Wagner und zu dessen unsäglichem Text über »Das Judentum in der Musik«. Deshalb setze Wolfsohn den Satz »… was und wie es wirklich ist« hinzu. Der Historiker erklart: Jüdisch bezieht sich in dieser Reihe auf die Musiker oder die Komponisten oder die musikalisch‐inhaltlichen Bezüge oder auch alles zusammen. Das bedeutet ebenso »diaspora‐jüdisch« wie »israelisch‐jüdisch«. Die hervorragenden Interpreten dieser Konzertreihe unterstreichen die Qualität jüdischer Musiker auf eindrucksvolle Weise. Dass es möglich geworden ist, hochkarätige Interpreten in den Hubert‐Burda‐Saal einladen zu können, hat mehrere Hintergründe. Einer davon ist, dass sich die Akustik dieses großen Veranstaltungsraumes ideal für Kammermusik eignet. Ein weiterer ist das Engagement eines großzügigen Mäzens. Die‐ ser und seine Gattin, die das Projekt voll mitträgt, möchten im Hintergrund bleiben. »Er ist ein Freund der jüdischen Gemeinschaft«, erklärt Wolffsohn. Er wollte der IKG eine Freude bereiten – und hat ihr zunächst für den Hubert‐Burda‐Saal einen Flügel geschenkt.

Konzert Doch der Musikliebhaber hatte noch eine weitere Idee: Mit einer Musikreihe im Hubert‐Burda‐Saal der IKG wollte er vielen Juden und Nichtjuden eine Freude bereiten. Ein weiterer Effekt: Meisterkonzerte würden es der IKG ermöglichen, die üblichen Münchener Eintrittspreise zu verlangen und zu bekommen. Auf diese Weise wäre der Grundstein für selbst finanzierte und -finanzierbare Meisterkonzerte gelegt. Und noch ein wichtiges Ziel ist durch das Engagement des Sponsors erreicht worden: Wolffsohn beigeisterte ihn von der Idee, die Meisterkonzerte zu einem »Brückenerlebnis« zu machen zwischen den IKG-»Veteranen« und den musikbegeisterten und -kundigen »Russen«. So könne mancher Meisterkonzerte in München erleben, die er in der Philharmonie oder im Herkulessaal nicht bezahlen kann.

Ziel »Integration durch Kultur«, dieses auch von Präsidentin Charlotte Knobloch begeistert aufgenommene Ziel wollte ich ohnehin in meinem Amt fördern«, freut sich Wolffsohn. »Deshalb habe ich sehr schnell die Zusammenarbeit nicht nur mit der Kulturabteilung, sondern auch mit der Sozialabteilung der IKG gesucht und in Olga Albrandt eine hervorragende, kompetente und engagierte Partnerin gefunden.« In der neuen Heimat sollten die »Russen« eine Verbindung zur alten Heimat durch die Musik und die Musiker finden. Auch die Künstler waren vom IKG‐Publikum begeistert. Wolffsohn zitiert David Geringas. Nach seinem Konzert meinte dieser: »Kammermusik in München? Am liebsten nur noch im Hubert‐Burde‐Saal der IKG. Das Publikum ist großartig und der Saal auch.«

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