Nachum Presman

Fünf Minuten mit Rabbiner Nachum Presman über den Bau der Potsdamer Synagoge

Herr Rabbiner Presman, braucht Potsdam tatsächlich eine Synagoge?
Zweifellos. Hier an der Havel leben etwa 1.000 Juden. Wenn diese Menschen Juden bleiben wollen und auch ihre Kinder in der Tradition stehen sollen, dann brauchen wir die Synagoge.

Wie soll denn das Nutzungskonzept aussehen?
Machen wir es doch nicht so kompliziert! Die Synagoge soll natürlich ein Gemeindezentrum beherbergen, soziale Arbeit leisten und Kultur anbieten. Das wesentliche Konzept bekommen wir aus der Tora. Wir sind zuallererst eine Religionsgemeinde.

Andere Strömungen – zum Beispiel die Reformer – sind gleichfalls eingeladen?
Alle Juden sind hier herzlich willkommen, warum sollten wir Unterschiede machen? Bei der Gestaltung des religiösen Lebens brauchen wir dann schon eine klare Linie und keinen Salat.

In Potsdam gibt es zur Zeit drei bis vier jüdische Gruppierungen, die eher neben‐ statt miteinander agieren.
Es gibt Probleme und Verletzungen, aber man muss schon genauer hinschauen, was die Menschen bewegt. Wer sagt denn, dass jüdische Religion und Kultur nicht zusammenpassen?

Aber wie bekommt man sie näher zusammen?
Ich würde mich sehr freuen, wenn wir im künftigen Gemeindezentrum auch Einrichtungen wie das Kulturzentrum KIBUZ integrieren können. Ich denke, wir gehören räumlich zusammen. Schwieriger ist es mit der Gesetzestreuen Landesgemeinde, zumindest solange sie sich als einzig wahre Gemeinde im Land verstanden wissen will. Das schafft Probleme und ist ganz sicher nicht im Sinne der Tora. Wenn die Gesetzestreue Gemeinde zu verstehen beginnt, dass wir nur gemeinsam etwas erreichen können, dann, glaube ich, gibt es wieder Hoffnung.

Seit 13 Jahren arbeiten Sie als einziger Rabbiner in Brandenburg, betreuen insgesamt sieben Gemeinden. Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Unterstützung durch das Land?
Eine schwierige Frage. Auf der einen Seite ist der politische Wille, jüdisches Leben in Brandenburg zu fördern, spürbar – besonders hier in Potsdam. Andererseits beziehe ich seit acht Jahren kein Gehalt über das Land. Ich kenne keinen anderen Fall, in dem sich ein Landesrabbiner quasi auf eigene Faust ernährt. Es wäre schon schön, mal wieder morgens aufzuwachen, ohne gleich über die nächste Fundraising‐Aktion nachzudenken.

Wie entwickeln sich die Gemeinden generell im Land Brandenburg?
Mit ihren relativ kleinen Mitgliederzahlen haben sie natürlich einen schweren Stand. Aber viele der Menschen wollen mehr über ihr Judentum lernen, und wir müssen alles für eine verbesserte jüdische Bildung und Erziehung tun. Das ist der Schlüssel zum Überleben.

Mit dem Rabbiner von Brandenburg sprach Olaf Glöckner. Foto: Marco Limberg

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