Orna Marhöfer

Fünf Minuten mit Orna Marhöfer über 20 Jahre Gemeindearbeit und ihre veränderten Anforderungen

Frau Marhöfer, seit dem 1. Juli gehören sie 20 Jahre dem Vorstand der Jüdischen Ge-
meinde Mannheim an. Was hat sich in dieser Zeit verändert?
Entscheidend war natürlich der Umzug der Gemeinde in die Mannheimer Innenstadt, dem heutigen Rabbiner-Grünewald-Platz. Mit dem neuen Gemeindezentrum ging auch ein Umdenken einher: Es wurde ein Haus der Begegnung, ein offenes Haus. Wir pflegen die Außenkontakte stärker als zu-
vor. Die zweite große Veränderung brachte der Zuzug der neuen Mitglieder aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, die in das Gemeindeleben integriert werden mussten und Veränderungen in das Leben gebracht haben.

Wie hat die Zuwanderung die Gemeindearbeit geprägt?
Es sind neue Arbeitsfelder hinzugekommen. Wir brauchten eine soziale Beratung, wir mussten unseren neuen Mitgliedern helfen, sich ins Altagsleben zu integrieren. Das war früher weniger Gegenstand von Gemeindearbeit. Jetzt wurde es notwendig, jüdische Religion zu vermitteln, Kindern jüdische Traditionen näherzubringen. Überhaupt Kinder an jüdisches Leben heranzuführen, das ist auch ein Auftrag, den ich für mich sehr stark empfunden habe.

Wie haben Sie das bewältigt?
Bei uns erfolgte der Zuzug nach und nach, so konnten wir uns den Menschen intensiver zuwenden und sie allmählich in das Gemeindeleben integrieren. Wir waren nicht damit konfrontiert, gleich Hunderte von Menschen auffangen zu müssen. Derzeit stammen 45 Prozent von Mitgliedern aus den Ländern der GUS.

Was motiviert Sie zu Ihrem Engagement für die Gemeinde?
Mit zunehmendem Alter merke ich immer stärker die innere Verpflichtung, sich zu engagieren. Mir ist klar geworden, dass die jüdische Gemeinschaft vor dem Hintergrund der Schoa nicht auf allzu viele Kräfte zurückgreifen kann, die bereit sind, sich einzubringen und auch die Möglichkeiten dazu haben. Als Diplom-Sozialpädagogin habe ich diesen Freiraum. Es ist viel Arbeit, aber für mich ist es auch eine tiefe Befriedigung zu sehen, wie sich jüdisches Leben in diesen 20 Jahren wieder entwickelt hat, wie jüdisches Leben vielfältiger wird, wie es Beachtung und Zuwendung findet.

Wie gut ist die jüdische Gemeinde in Mannheim verwurzelt?
Sie ist hier sehr gut verwurzelt, sehr integriert, sehr anerkannt und wird gut ins städtische Geschehen einbezogen. Wir könnten uns noch sehr viel stärker einbringen, wenn wir entsprechende personelle Kapazitäten dafür hätten. Wir könnten auch gesellschaftspolitisch noch mehr bewirken.
Wie professionell muss ein solches Amt geführt werden?
Ich werde zornig, wenn ich mitbekomme, dass man dieses Amt sehr leichtfertig sehen kann. Man trägt eine hohe Verantwortung gegenüber den Gemeindemitgliedern und auch nach außen. Man muss auch Kenntnisse in Verwaltungsfragen mitbringen.

Gibt es Dinge, die sie anders machen würden oder auf die sie besonders stolz sind?
In einer solchen Arbeit muss man sich entwickeln. Die Erfahrungen machen einen reicher und kompetenter. Stolz bin ich darauf, dass es uns gelungen ist, viele junge Leute an die Gemeinde zu binden, die in ihr aufgewachsen sind und heute zum Beispiel bei der Jugendarbeit mitwirken. Und zum Zwei-
ten glaube ich, dass in der Gemeinde eine sehr gute familiäre Atmosphäre herrscht.

Mit der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Mannheim sprach Heide Sobotka.

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

USA

Müssen US-Unis Informationen über jüdische Mitarbeiter herausgeben?

Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

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