Vorfall

„Es war ein großer Schock“

„Es war ein großer Schock“

Isaak Behar über den antisemitischen Vorfall in der Polizeischule

Herr Behar, am 27. Februar wurden Sie Zeuge eines antisemitschen Vorfalls in der Polizeischule Ruhleben. Wie stellt sich das Geschehene jetzt für Sie dar?
behar: Dieser ganze Vorfall hat mehrere Facetten: Wie ist das an die Öffentlichkeit geraten, was ist wirklich geschehen? Und: Steht dieser Vorfall in einem Kontext mit einem zunehmenden Antisemitismus?

Tut er das?
behar: Ja, ich denke schon. Ich bin ja kein Träumer zu glauben, es gebe keinen Antisemitismus in Deutschland mehr. Im Gegenteil, er wird lauter und gesellschaftsfähiger.

Die Polizeischüler sollen gesagt haben, dass sie „nicht dauernd an den Holocaust erinnert werden“ wollen. Wie haben Sie auf die Äußerungen reagiert?
behar: Es war ein großer Schock für mich und auch für den Lehrer. Es hat mich psychisch unheimlich angegriffen, dass mir als Holocaust‐Überlebender jemand solche Aussagen offen ins Gesicht schleudert.

Welche Reaktionen gab es bei den Schülern und dem Lehrer?
behar: Hinter dieser Frage steht eigentlich, ob denn der Lehrer nicht eingegriffen habe. Aber da tut man ihm Unrecht. Er ist ein ausgezeichneter Lehrer und sein eigener Hintergrund lässt keine antisemitische Haltung zu. Das weiß ich.

Was geschah danach?
behar: Wir haben uns eineinhalb Stunden lang mit den Polizeianwärtern auseinandergesetzt. Wir wollten eine Diskussion. Die jungen Menschen sollen alles aussprechen dürfen. Wir wollen in einen Dialog treten. Wenn die Schüler andere Ansichten haben, dann sollen sie die bitte äußern. Das funktioniert normalerweise fantastisch. Zeitweise entwickelt sich jedoch ein „falscher Kameradschaftsgeist“. Das heißt, dass einige nicht ihren Mund aufmachen mögen, auch wenn sie anderer Meinung sind. Ich weiß, dass es Schüler in dieser Gruppe gab, die diese Meinung nicht teilten. Ich habe Beweise dafür.

Welche?
behar: Das möchte ich nicht sagen. Der Polizeipräsident Dieter Glietsch und ich sind übereingekommen, die Ermittlungen durch zusätzliche Äußerungen nicht zu behindern.

Sind Sie mit der Aufklärung dieses Vorfall seitens der Polizeischule zufrieden?
behar: Ich wünschte mir, dass überall, wo Antisemitismus wahrnehmbar wird, so reagiert wird. Der Polizeipräsident hat öffentlich versichert, dass wenn sich die Vorwürfe bestätigen sollten, diese Schüler für den Polizeidienst nicht geeignet sind.

Sie sind seit über 18 Jahren als Zeitzeuge in der Polizeischule im Einsatz. Machen Sie weiter?
behar: Was soll mich hindern? Der Vorfall zeigt doch, wie wichtig diese Aufklärungsarbeit ist. Bis Februar 2008 bin ich ausgebucht. Ich berichte mit dem gleichen Format ja auch in Schulen und bei der Bundeswehr. Die Polizei will, dass ihre Schüler mir, einem Holocaust‐Überlebenden, gegenüber sitzen. Das Schicksal einer einzigen Person ist doch leichter nachvollziehbarer als die Geschichtsdaten. Und das sollte genutzt werden, so lange es Überlebende noch direkt vermitteln können.

Mit dem Gemeindeältesten sprach
Christine Schmitt.

Bundeswehr

Hitlergruß in Kaserne

Rechtsextremismus ist in der Truppe verbreitet

von Stefan Laurin  07.02.2019

Reinhard Schramm

Kirchenglocken mit Hakenkreuzen

In Thüringen stellen sich evangelische Gemeinden nicht ihrer Verantwortung

von Reinhard Schramm  07.02.2019

Mini-Machane

»Das war wirklich unglaublich«

1300 Kinder und Jugendliche erlebten einen ganz besonderen Schabbat

von Eugen El  07.02.2019