Lion Ziper

»Es dreht einen schon richtig um«

Es ist schon ein dicker Brocken, so ohne Familie in Israel zu leben. Nach einem Jahr hätte ich wirklich gedacht, dass ich die drei Jahre nicht durchhalte, das ist schon sehr hart. Es sind auch einige weggegangen, die das nicht ausgehalten haben. Ich weiß selber nicht, wie ich es geschafft habe. Aber die Betreuer hier in meiner Schule Mir Haemek in der Nähe von Afula haben mir sehr geholfen, waren immer ansprechbar, wenn ich Probleme hatte.
Auf die Idee, drei Jahre mit der Kinder- und Jugendalijah nach Israel zu gehen und dort mein Abitur zu machen, bin ich durch ein Wanderlager der Zionistischen Jugendorganisation Deutschlands gekommen. Ein Vertreter von der Suchnut hat uns das Projekt vorgestellt. Das hat mich interessiert, sodass ich gleich mit meinen Eltern darüber gesprochen habe. Vorher musste ich dann noch einen Mathetest machen und ein psychologisches Gespräch führen. Dabei ging es wohl darum, zu schauen, ob man psychologisch für ein solches Projekt geeignet ist. Es ist ja schon etwas, mit 15 allein ins Ausland zu gehen, weit weg von der Familie.
Ich komme aus einer ganz normalen jüdisch-traditionellen Familie in Frankfurt. Wir halten die Feiertage, sind aber nicht besonders religiös oder zionistisch orientiert. Israel war für mich kein Neuland. Wir fuhren einmal im Jahr zur Familie nach Herzlija, meine Tante und mein Onkel und meine Großeltern, die vor einem Jahr verstorben sind, leben und lebten dort. Ich bin jetzt im Internat und am Wochenende bei Onkel und Tante.
In meiner Klasse habe ich Mitschüler aus Russland, der Ukraine, aus der Schweiz, aus Peru und aus Deutschland. Untereinander haben wir uns erst einmal englisch unterhalten. Das hat meine Sprachkenntnisse enorm verbessert. Im ersten halben Jahr haben wir nur Mathe und Hebräisch gehabt. In Hebräisch bin ich dadurch auch sehr gut geworden, auf der Straße fragt man mich höchstens wegen meines Akzents, woher ich komme.
Ich bin in den zweieinhalb Jahren viel selbstständiger geworden. Ich habe gelernt, wie ich mit Menschen zurecht- komme. Ich gehe anders auf sie zu und ein. Ich sehe viele Dinge anders. Wenn man drei Jahre allein im Ausland lebt, lernt man die Mentalität dieses Landes sehr genau kennen. Man trifft ja zusätzlich durch die multikulturelle Zusammensetzung unter den Schülern noch auf viele andere und viele unterschiedliche Charaktere. Das dreht einen schon richtig um. Man muss schon offen für ein solches Projekt sein, es ist der reinste Kulturflash.

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026