Topographie des Terrors

Erinnerung, die schwebt

von Alice Lanzke

Schrilles, metallisches Kreischen und lau‐tes Hämmern dröhnt über das Gelände an der Wilhelmstraße/Ecke Niederkirchnerstraße – die unverkennbare Geräuschkulisse von Bauarbeiten. Im Zentrum des Lärms thront ein grauer, viereckiger Klotz, über den sich ein gelber Kran in den Himmel streckt: Noch wirkt der Rohbau aus Stahl und Beton wenig luftig, doch bereits im kommenden Jahr soll die »Topographie des Terrors« im sogenannten »schwebenden Pavillon« ihre Räume beziehen.
Dann werden Glasfassaden die vier Wände des Baus bestimmen und dem Pavillon so einen offenen Charakter verleihen. »Von jedem Punkt des Gebäudes aus kann man das gesamte Gelände sehen«, erklärt Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topographie des Terrors. »Diese Transparenz war eine der Aufgaben, die den Architekten gestellt wurden.«
Trotz der Bauarbeiten kämpfen sich je‐
de Menge mit Fotoapparaten und Reiseführern ausgestattete Schaulustige über die aufgeweichten Wege der Open‐Air‐Ausstellung, mit 500.000 Besuchern pro Jahr ist die Topographie einer der am
meisten besuchten Erinnerungsorte Berlins. Entstanden ist die Dokumentation 1987, zur 750‐Jahr‐Feier der Stadt – an dem Ort, an dem sich während des Dritten Reichs die Zentralen der Gestapo, der SS und des Reichssicherheitshauptamts be‐
fanden. Bereits seit Anfang der 1990er‐Jahre gab es Pläne, ein ordentliches Haus für die Topographie zu bauen. »Es gab Zeiten, in denen ich dachte, das wird nichts mehr«, erinnert sich Stiftungsdirektor Na‐
chama und denkt dabei besonders an das Jahr 2004: Damals wurde der bereits be‐
gonnene Bau des Schweizer Architekten Peter Zumthor wegen der explodierenden Kosten wieder abgerissen und ein neuer Wettbewerb ausgerufen. »Das hat schon wehgetan«, so Nachama. Wenn er nun die Baustelle besichtige, mache sich vor allem Erleichterung breit – und sogar Euphorie, wenn er daran denke, wie das Gebäude einmal funktionieren könnte. »Ich habe immer gehofft, dass wir einen Bau bekommen, der einen Kontrast zu der grauen,
tristen und martialischen Nazi‐Architektur der Umgebung bildet. Dass diese Pläne aufgehen, erfüllt mich mit Freude.«
Freuen dürfte Andreas Nachama auch, dass sowohl der Kosten‐ als auch der Zeitplan eingehalten werden: Der 19 Millionen Euro teure Bau, der gemeinsam von Bund und Land Berlin finanziert wird, soll im Mai 2010 eröffnet werden – pünktlich zum 65. Jahr der Befreiung. Neben dem Ausstellungsbetrieb wird der Pavillon auch Platz für die 20.000 Bände umfassende Bibliothek der Topographie sowie mehrere Seminarräume bieten. Schon jetzt be‐
käme die Stiftung häufig Anfragen für Seminare, erklärt Nachama: »Das wird für uns eine Schwerpunktverlagerung. Wir haben ja bislang keine Erfahrungen mit dem Seminarbetrieb und müssen uns in‐
haltlich etwas einfallen lassen – eine spannende Aufgabe.«
Dazu passt, dass Nachama die Topographie nicht als Museum verstanden sehen will. »Ein Museum wäre es, wenn man hier Original‐Objekte sehen könnte. Uns geht es um die Dokumentation.« Zur Verdeutlichung erzählt der Stiftungsdirektor eine Geschichte aus seiner Zeit beim Martin‐Gropius‐Bau: »1980 habe ich dort meine erste Ausstellung über Preußen geplant und natürlich als Erstes geschaut, wie an‐
dere Museen so etwas machen.« Dort hätten die Leute ehrfurchtsvoll vor den Glas‐kästen mit fein ziselierten Waffen gestanden. »Ich habe die Exponate dagegen in Bodenvitrinen gesteckt, damit die Besucher sich bücken müssen: Sie sollten nicht die feine Arbeit bewundern, sondern se‐
hen, dass das Tötungsinstrumente waren.« Genauso ginge es ihm bei der Topographie um Inhalte: Die Ausrichtung des Themas erfordere eine streng dokumentarische Darstellung.
Mit dieser Zielsetzung erfüllt die Topo‐graphie das Interesse der Besucher: Diese wollten wissen, wo das Epizentrum des Bösen gewesen sei und was für Menschen es ausgemacht hätten, so Nachama. Sein Wunsch? »Die Leute sollen hier mitnehmen, dass man Demokratie nicht einfach hat, sondern sie jeden Tag neu erwirken muss.« Im neuen Informationszentrum soll das noch deutlicher werden – Anfang Mai wird Richtfest gefeiert.
Und seit diesem Dienstag ist die Ausstellung »Topographie des Terrors« wieder für Besucher zugänglich. Sie war am 18. Februar im Zuge der Neugestaltung des Ausstellungsgrabens entlang der Niederkirchnerstraße abgebaut worden und wird nun an anderer Stelle auf dem Gelände präsentiert.
www.topographie.de

Grossbritannien

Der Mops, die rechte Pfote und der Hitlergruß

Jüdischer Verband kritisiert BBC: Sender zeigt Film über verurteilten Schotten und dessen umstrittenen Hund Buddha

 05.08.2019

Pferdesport

Israelin Dani G. Waldman siegt vor Ludger Beerbaum

Bei der dritten Auflage des Fünf‐Sterne‐Reitturniers in Berlin gewinnt die für Israel startende Amerikanerin 

 27.07.2019

Milton Glaser

Er liebt New York

Der US‐Designer feierte seinen 90. Geburtstag

von Christina Horsten  26.06.2019