Paul Spiegel

»Ein würdiger Präsident«

»Noch unter Trauer überblicken wir ein Leben, das für jene vielen steht, die aus ihrer deutschen Heimat vertrieben wurden, und für jene wenigen, die als Überlebende in das Land ihrer Geburt zurückgekehrt sind. Sie alle haben dafür einen Preis gezahlt, auch Paul Spiegel sel. A. Er verlor seine Heimat in einem Alter, in dem das heranwachsende Kind den Begriff Heimat noch nicht kennt oder gar rational erfassen kann, wohl aber dessen gefühlsmäßigen Anteil, den Erwachsene Urvertrauen nennen. Dieses Urvertrauen war beschädigt und blieb es, eine niemals ganz verheilte Wunde, die sich hinter einem scheinbar normalen Verhalten verbarg. Und hier steht Paul Spiegel für jene deutschen Juden, deren Rückkehr in ihr Geburtsland nicht wirklich Rückkehr in die Heimat ihrer Kindheit bedeutete, selbst wenn nach außen hin die Zeit diese Wunde geheilt zu haben schien. Solche Sicht war und blieb verständliches Wunschdenken vieler Nichtjuden, die so etwas wie deutsch-jüdische Normalität herbeisehnen, ja sie zu Lebzeiten verwirklicht sehen wollen. Die Wirklichkeit anerkennen heißt aber, zu erkennen, deutsch-jüdische Normalität läßt sich weder her-
beireden noch herbeizwingen. (...)
Mit seinem ausgleichenden Wesen, seiner versöhnlichen Haltung hat er bei allen Erfordernissen des politischen Alltags nach gelegentlicher Härte den Zentralrat der Juden in Deutschland umsichtig und klug geführt. Er war – trotz der von nichtjüdischer Seite überdefinierten Rolle dieses Amtes – ein würdiger Präsident und ein geachteter Vertreter der Juden in Deutschland. Und wie sein Vorgänger im Amt, Ignatz Bubis sel. A., suchte auch er im ynderen – ob Christ, Jude oder Moslem – stets den Nächsten und nicht den Fremden zu sehen.

Interview

Ron Prosor: Linker Antisemitismus wird »salonfähig«

Der neue israelische Botschafter warnt vor Judenhass aus dem linken Spektrum

 27.01.2023

Einspruch

Ein würdeloser Fonds

Igor Matviyets ärgert sich über den beschämenden Umgang von Bund und Ländern mit jüdischen Zuwanderern

von Igor Matviyets  26.01.2023

Nahost

Israels Präsident zu Holocaust-Gedenktag im EU-Parlament

Isaac Herzog will die Herausforderungen ansprechen, mit denen Israel konfrontiert ist

 25.01.2023

Debatte

CDU prüft Parteiausschluss von Hans-Georg Maaßen

Seit Jahren eckt Hans-Georg Maaßen immer wieder mit umstrittenen Äußerungen vom rechten Rand an - auch innerhalb seiner Partei. Nun fordern mehrere CDU-Politiker seinen Austritt. Eine erzkonservative Gruppierung verteidigt ihn. Auch Maaßen nimmt Stellung

 24.01.2023

Margot Friedländer

»Authentische und entschlossene Stimme«

Die Schoa-Überlebende wurde mit einer Skulptur und dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt

 23.01.2023

Parteien

»Gebrauch von Sprache aus dem Milieu der Antisemiten und Verschwörungsideologen zutiefst verstörend und unerträglich«

Die CDU distanziert sich in klaren Worten von ihrem umstrittenen Mitglied Hans-Georg Maaßen

 22.01.2023

Zauberei

Angst vor weiblicher Macht

Auch im Judentum wurden Frauen als Hexen geächtet und verfolgt

von Rabbiner Mendel Itkin  19.01.2023

Terror

Hamas zeigt Video von israelischer Geisel

Avera Mengistu wird seit dem Jahr 2014 gefangen gehalten

 17.01.2023

Wissenschaft

Wie nahe kommt Komet C/2022 E3 der Erde?

Als er zuletzt in Erdnähe kam, lebten in Europa noch Neandertaler. Der Komet C/2022 E3 soll am 1. Februar seinen erdnächsten Punkt erreichen. Beobachtbar ist er mitunter schon früher - wenn man weiß wo

 15.01.2023