ILandD2008

Die Mischung macht’s

von Jonathan Scheiner

Hartnäckig hält sich das Klischee, in Israel werde nur Klesmer gespielt. Doch davon kann keine Rede sein. Tel Aviv ist eine junge Stadt mit einer pulsierenden Musikszene wie nirgendwo sonst auf der Welt. Viele der Bands jedoch, zu deren Musik die Clubgänger von Freitagabend bis Sonntagmorgen durchtanzen, sind hierzulande kaum bekannt. Das liegt vor allem am Hebräischen, aber auch an der Entfernung.
Israelische Musik in Deutschland bekannter zu machen, hat sich die Initiative »interkult unterwegs« aus Berlin-Prenzlauer Berg auf die Fahnen geschrieben und kurzerhand das Projekt »ILanD2008« gestartet. Erste Planungen gab es bereits im vergangenen Frühjahr, doch den passenden Anlass hat Israels 60. Geburtstag geliefert. Bald war die Idee geboren, Bands nicht nur für ein einmaliges Konzert zu engagieren, sondern etwas Neuartiges zu versuchen: Israelische sollten mit deutschen Bands gemeinsam auf der Bühne stehen. Und weil die aufwendigen und teuren Probenarbeiten ja auch finanziert werden müssen, beschlossen die Veranstalter kurzerhand, die Bands auf Tour zu schicken. »Die Künstler machen das Ganze sowieso nicht für Geld, sondern weil sie an die Idee glauben«, sagt die künstlerische Leiterin des Projekts, Claudia Frenzel. So suchte man nach verschiedenen Locations, in denen die Bands auftreten können. Köln lag nahe, weil die Domstadt allein drei Partnergemeinden in Israel hat. Eher zufällig hat sich Brandenburg/Havel ergeben, weil die »17 Hippies« aus Berlin im dortigen Pauli-Kloster ein Konzert geplant hatten. Das werden sie jetzt in Verbindung mit der israelischen Balkansurf-Band Boom Pam geben.
Ähnlich verrückt sind die anderen deutsch-israelischen Mischungen: Die Leipziger Band »Ulman« tritt gemeinsam mit »HaBanot Nechama« auf, drei Frauen, die in Israel als Shooting-Stars gelten. 2007 wurde ihr Debütalbum nach nur sechs Wochen mit Platin ausgezeichnet. Und das Künstlerkollektiv mit dem Namen »M.A.R.S. Allstars« trifft auf Yossi Fine und Mook E, der spätestens seit den vergangenen Berliner Jüdischen Kulturtagen auch in Deutschland bekannt ist. Gespielt wird zunächst bei getrennten Konzerten in Cottbus, Brandenburg, Köln und Leipzig. Der große Showdown findet dann in Berlin beim gemein- samen Abschlusskonzert statt.
Doch damit nicht genug. Während der Planungen für das Projekt »ILanD2008« kam von Dan Golan von der israelischen Botschaft in Berlin der Wink, dass ein weiteres Musikprojekt am Start sei. Angestoßen hatte es der Filmemacher Aaron Koenig. Sein Hobby: israelische Musik. Ver- geblich versuchte Koenig, den Plattenproduzenten Georg Lindt vom Label Lieblingsplatte/Fly Fast davon zu überzeugen, eine Sammlung mit zeitgenössischen Sounds aus Israel herauszubringen. Selbst ein Hörmarathon im vergangenen Herbst brachte kein Verhandlungsergebnis. »Wenn du keine Stars mit im Boot hast«, gab George Lindt zu bedenken, »dann verkaufst du gerade einmal 300 Alben, aber die große Masse an Menschen erreichst du nicht.« Als dann aber eine Zusammenarbeit mit »interkult unterwegs« in Aussicht stand und dann auch noch die Bundeszentrale für politische Bildung Interesse und Geld beisteuerte, fing das CD-Projekt an, flügge zu werden. »Bis zuletzt war es unendlich mühsam, die Rechte für die Titel und die Bilder im Booklet zu bekommen, weil die Kommunikation in Israel nun mal viel langsamer ist als hierzulande«, sagt Lindt.
Aber die Mühe hat sich gelohnt. Shabbat Night Fever – Groove Sounds From Israel ist ein sensationelles Album, weil die israelischen Bands eine unvergleichliche Mischung aus Soul, Reggae, Hip-Hop und Funk spielen. Das Album bietet 20 Titel und ein 100-seitiges Booklet mit Fotos, Texten und Biografien. »Die Szene in Israel ist frei von Schubladen. Die Musiker lassen alles an Einflüssen zu, egal ob das politisch korrekt, marktgerecht oder cool ist«, sagt Georg Lindt. Mehr Werbung für diese Musik (und auch für Israel) könnte man gar nicht machen.

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