Anti-Israelismus

»Deutschland muss die Konferenz boykottieren«

Herr Graumann, die USA, Kanada und Italien wollen die Anti‐Rassismuskonferenz der UNO in Genf boykottieren. Begründung: Es handele sich dabei um eine antiisraelische Propagandaveranstaltung. Überlässt man so nicht den Feinden des jüdischen Staates kampflos die Bühne?
graumann: Ganz im Gegenteil – man zeigt Flagge, Courage und Konsequenz.

Deutschland hält bisher an einer Teilnahme fest. Ist das mit der viel beschworenen Israel‐Solidarität vereinbar?
graumann: Deutschland muss boykottieren und darf nicht teilnehmen. Das Ganze ist und bleibt eine verlogene Propaganda‐Show für fanatische Israel‐Hasser. Ein Festival der Lüge, das von einem gewissenlosen Kartell der brutalsten Menschenrechtsverletzer dominiert wird. Deutschland kann daher nicht nur leise wegbleiben, sondern muss ein starkes Zeichen der Missbilligung setzen.

Was kann man tun, damit sich die Bundesregierung eines anderen besinnt?
graumann: Wir können nur appellieren und argumentieren. Denn die vielfach beteuerte Solidarität mit Israel darf nicht nur gepredigt, sie muss auch tatsächlich praktiziert werden. Es ist für Deutschland aber auch eine Frage des politischen Anstands und der Selbstachtung, an einem solchen Spektakel von Doppelmoral und Heuchelei nicht teilzunehmen. Diese Hasskampagne darf keinen Hauch Legitimität bekommen.

Und wenn Deutschland dennoch bei seiner Haltung bleibt?
graumann: Das ist leider nicht auszuschließen. Man möchte verhandeln, um Schlimmeres zu verhindern. Aber schauen wir uns doch einmal an, wer in Genf federführend ist: Staaten wie Libyen, Pakistan, Kuba und Iran – ein Horrorkabinett von Regimen. Vor allem, wenn es um Menschenrechte und ihre Achtung geht. Dass diese Weltmeister in Sachen Brutalität und Unmenschlichkeit sich zu Richtern über Israel aufschwingen, ist ein Skandal und eine Farce.

Man hat den Eindruck, dass die Israelfeindschaft nach dem Gasakrieg zugenommen hat. Wie kann dem begegnet werden?
graumann: Die Israelfeindschaft an sich ist nicht größer geworden. Bei denen, die auf diesem Gebiet Vorreiter sind, ist der Hass ohnehin schon gewaltig. Wir können nur mit Aufklärung und Information dagegen arbeiten und versuchen, die Menschen mehr dazu zu bringen, sich beide Seiten anzusehen.

Mit dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden sprach Christian Böhme.

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