Ehud Barak

Der Altneue

von Wladimir Struminski

Der nächste Vorsitzende der Arbeitspartei heißt Ehud Barak. Am Dienstag setzte sich der Ex-Premier in der Stichwahl mit 51,3 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen den Knesset-Abgeordneten Ami Ajalon (47,7 Prozent) durch. Barak, der bereits von 1999 bis 2001 Parteichef war, löst den bisherigen Vorsitzenden Amir Peretz ab. Dieser war bereits in der Vorrunde ausgeschieden. Mit seinem Sieg hat Barak ein Comeback in die große Politik geschafft. Allerdings weiß auch er, dass er auf einen Schleudersitz gehievt worden ist: In den vergangenen sieben Jahren hat die Partei fünf Vorsitzende verschlissen, inklusive Barak. Keiner der Spitzengenossen hatte es geschafft, die Partei zu nachhaltigem Erfolg zu führen. In der Knesset verfügt die einstmals staatstragende Politformation über ganze 19 der 120 Sitze.
Seinen Erfolg verdankt Barak vor allem seinem Amtsbonus als Ex-Generalstabschef, Ex-Premier und Ex-Verteidigungsminister. Zwar hat er während seiner früheren Amtszeit auch Fehler gemacht. Entgegen der Meinung vieler Experten war er als Regierungschef im Sommer 2000 überzeugt, Frieden mit den Palästinensern schließen zu können. Dann brach die »zweite Intifada« aus. Auch der von Barak beschlossene hastige Rückzug aus dem Südlibanon gilt vielen Israelis inzwischen als Fehler. Dennoch war Barak in den Augen der Genossen unterm Strich zuverlässiger als Ajalon. In militärischer Hinsicht kann Ajalon – ehemaliger Befehlshaber der Kriegsmarine und Ex-Präsident des Inlandssicherheitsdienstes Schabak – ebenfalls lupenreine Referenzen vorweisen. Allerdings hat er bisher kein Regie- rungsamt bekleidet. Zudem gilt er vielen Parteifreunden als zu links: Vor vier Jahren hatte er mit dem Palästinenser Sari Nusseibeh eine Friedensinitiative gegründet.
Somit war Barak schlicht das kleinere Übel. Deshalb sah eine knappe Mehrheit des Parteivolkes auch über Baraks andere Sünden hinweg, darunter seine notorische Arroganz und seinen durch und durch unsozialistischen Lebensstil: Seit 2001 stieg Barak zum Multimillionär auf und ist heute Teil des israelischen Business-Jet-Sets. In der Arbeitspartei ist das noch immer ein Makel. Um den Neid der Genossen in Grenzen zu halten, weigerte sich der Ex-Kibbutznik während des Wahlkampfes, die Höhe seiner laufenden Einnahmen und seines Privatvermögens zu veröffentlichen. Jetzt muss sich zeigen, wohin der altneue Chef die Arbeitspartei führen wird. Nach dem Sieg versprach Barak, die Partei zu einer »neuen Alternative« als führende politische Kraft zu machen. Seine erste Bewährungsprobe wird die Fortführung der Regierungskoalition sein. Grundsätzlich setzt sich Barak für eine Fortsetzung der Koalition mit der Kadima-Partei ein – aber ohne Ehud Olmert. Kurz vor der Stichwahl bekräftigte er seine Forderung nach dessen Rücktritt und drohte mit einer Regierungskrise. Indessen sind nicht alle überzeugt, dass er diese Drohung auch wahr macht. Schließlich möchte er Verteidigungsminister werden. In der Opposition geht das nun Mal schlecht.

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026