Al Jolsons „Jazzsänger“

Das hat die Welt noch nicht gehört

von Jörg Taszman

Berühmt geworden ist Der Jazzsänger von 1927 als erster abendfüllender Tonfilm, der das Ende der Stummfilmära einläutete. In die Filmgeschichte eingegangen ist auch das Bild von Hauptdarsteller Al Jolson, der in einer »Negerrrolle« sein Gesicht schwarz schminkt. Fast in Vergessenheit geriet darüber der eigentliche Plot um den Juden Jakie Rabinowitz, Sohn eines Kantors, der von seinem Vater verstoßen wird, weil er, statt Chasan zu werden, sich für Jazz begeistert. Wenige Hollywoodfilme haben der jüdischen Frage nach Assimilation versus Bewahrung der Tradition je so viel Platz eingeräumt.
Die Filmgeschichte weist Parallelen mit der Biografie ihres Stars auf. 1886 in Litauen als Asa Yoelson geboren, Sohn eines jüdischen Kantors, war Jolson ein äußerst populärer Sänger in den USA, der erste Entertainer, der mehr als 10 Millionen Schallplatten verkaufte. Für seine Filmrolle erhielt er die damals fürstliche Gage von 75 000 Dollar. Seine Lebensgeschichte verfilmte Hollywood 1946 in The Al Jolson Story mit Larry Parks in der Titelrolle.
Der Jazzsänger war eine Mischform aus Stumm- und Tonfilm. Dialoge gab es noch nicht, dafür einen durchgehenden Musiksoundtrack, der aber nicht, wie bis dahin üblich von einem Filmorchester oder Pianisten live eingespielt wurde, sondern von einer Schallplatte lief. Nur wenn Al Jolson sang, und kurz davor oder danach ein paar Worte sagte, hörte man seine Stimme. Aber das allein war schon eine Revolution. Jolsons erste, synchron gesprochenen Textzeilen »You ain’t heard nothing yet!« – sinngemäß »Das hat die Welt noch nicht gehört« – schrieben Filmgeschichte.
Sieht man sich den Film heute an, stellt man erstaunt fest, dass die Geschichte, die er erzählt, immer noch fesselt. Als Jakie nach New York geht, um dort zum ersten Mal am Broadway zu spielen, trifft er endlich auch seine Eltern wieder. Der Vater, der ihn einst verstieß, liegt im Sterben. Im Finale des Films ist es Jom Kippur und Jakie muss sich entscheiden: Singt er in der Synagoge für den sterbenden Vater und für sein jüdisches Volk oder gibt er der Showkarriere den Vorzug? Das wirkt auch 80 Jahre nach der Premiere immer noch herzzerreißend.
Neben dem Film enthalten die zwei DVDs Bonusmaterial mit sehenswerten Dokumentationen, die sich mit den filmhistorischen Aspekten dieses ersten Tonfilms auseinandersetzen, das jüdische Thema des Films leider jedoch nicht weiter vertiefen. Trotz dieses kleinen Mankos lohnt sich die Anschaffung der DVD, die einen historischen Film in neuem Glanz erstrahlen und erklingen lässt.

der jazzsänger
2 DVDs, 85 min, Ton: Englisch, Deutsch, Audiokommentar, Dokumentationen, Kurzfilm, Trailer
Warner Home Video - DVD

Zahl der Woche

28 Prozent

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