Jakobsplatz

Brücke in die Zukunft

von Miryam Gümbel

Spätes Tageslicht fiel durch das filigrane Zeltdach der Synagoge Ohel Jakob, in der sich die Teilnehmer der Eröffnungsfeierlichkeiten von der Raumwirkung begeistern ließen. Architektin Rena Wandel‐Hoefer hat in dem neuen Gotteshaus die Elemente Tempel und Stiftszelt in einer eindrucksvollen und modernen Architektursprache verbunden.
Als dann Klänge wie aus einem Schofar zu vernehmen waren, wurde es mucksmäuschenstill. Die Töne wandelten sich zu der Melodie von Schalom Chawerim, gespielt vom Klarinettisten Giora Feidman. Mit diesem Lied holte er die Ehrengäste und Gemeindepräsidentin Charlotte Knobloch vom Tor der Synagoge ab und führte sie in einem feierlichen Zug in den Raum.
Was vor dem Tor geschehen war, erzählte die Präsidentin in ihrer Begrüßungsansprache: Oberbürgermeister Christian Ude hatte ihr den Schlüssel für das neue Gemeindezentrum überreicht. Für die gebürtige Münchnerin, die als Sechsjährige mit ihrem Vaters die Zerstörung jüdischen Lebens nach der Nacht des 9. November 1938 hatte erleben müssen, war es weit mehr als ein symbolischer Akt: Es war eine Brücke zum Heute und in die Zukunft. Damals, so Charlotte Knobloch, habe sie nichts und dennoch alles verstanden.
Mit dem neuen Gemeindezentrum ist für sie ein Traum in Erfüllung gegangen, an dem sie Jahrzehnte gearbeitet hat. Wichtig war es für sie von Anfang an, daß die Eröffnung an einem 9. November stattfinde, „weil wir heute aller Welt zeigen können, daß es Hitler nicht gelungen ist, uns zu vernichten“. Damit war für Charlotte Knobloch eine Brücke geschlagen zu der Zeit vor 1938. Symbolisch dafür gab sie den Schlüssel, den ihr der Oberbürgermeister überreicht hatte, weiter an ein Kind, das etwa so alt war wie sie damals: ein Wunsch, eine Hoffnung und eine Verpflichtung an die nachfolgenden Generationen.
Um Brücken ging es an diesem Tag aber auch zur nichtjüdischen Gesellschaft. Charlotte Knobloch begrüßte die zahlreichen Ehrengäste, unter ihnen Politiker aus
Bund, Freistaat und Stadt und Vertreter der verschiedenen Religionen einschließlich der Muslime. Sie bedankte sich bei den Geldgebern, Unterstützern und Sponsoren. Ihr Gruß galt darüber hinaus der gesamten Bevölkerung, die im Fernsehen das große Ereignis mitfeiern konnte. „Schalom Chawerim“ – dieser Gruß galt allen.
Charlotte Knobloch erinnerte an den früheren Bundespräsidenten Johannes Rau, der sich bei der Grundsteinlegung 2003 gewünscht hatte, daß das neue Jüdische Zentrum ein Ort des Dialogs werde.
Diesen Wunsch unterstrich auch Bundespräsident Horst Köhler: Die neue Synagoge solle ganz selbstverständlich zu München gehören und, wie jede Synagoge in Deutschland, „ein Teil unserer Zukunft“ sein. Im Gegensatz zum 9. November 1938 seien „wir heute Demokraten und stehen füreinander ein“. Normalität und Selbstverständlichkeit jüdischen Lebens in Deutschland, so Köhler, seien heute noch Begriffe, an denen sich die Geister schieden. Daß dies eines Tages nicht mehr so sein möge, daran müsse gearbeitet werden. „Wir müssen dafür sorgen, daß junge Menschen im Alltag erleben, welch hohes Gut Toleranz, Demokratie und Menschenrechte sind.“
Einzutreten für Demokratie und gegen Extremismus forderte auch der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber. Mit einem Zitat von Golo Mann verwies er auf die Bedeutung von Religion: „Humanität ohne Glaube ist wie eine Blume, der die Wurzeln fehlen.“ Stoiber richtete den Blick auf die Zukunft und bezeichnete die Synagoge Ohel Jakob als ein Symbol der Heimkehr und des Neubeginns.
Diesen Neubeginn begrüßte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude: „Daß diese Stadt jüdischen Menschen wieder zur Heimat werden könnte, erschien lange Zeit unvorstellbar.“ Umso mehr dankte er „unserer Münchner Ehrenbürgerin Charlotte Knobloch, die die Kraft und die Ausdauer hatte, einen verwegenen, ja utopisch anmutenden Traum für ihre Heimatstadt mit unglaublicher Beharrlichkeit in die Tat umzusetzen“. Sein Wunsch: Das Zentrum „möge ein Haus des Friedens werden, ein Haus, dem Frieden vergönnt ist … und von dem Frieden ausgeht, weil es ein Forum des Dialogs und der Verständigung ist“.
Wie Verständigung stattfinden kann, zeigte sich schon beim abschließenden Empfang im Hubert‐Burda‐Saal des künftigen Gemeindehauses. Hier sprachen Harald Strötgen, Vorsitzender des Kuratoriums für den Bau des Jüdischen Kultur‐ und Gemeindezentrums am Jakobsplatz, und Verleger Hubert Burda. Das Orchester Jakobsplatz spielte chassidische Lieder und Tänze von György Ligeti.
Zuvor fand der liturgische Höhepunkt statt: die Einweihung des Hauses mit dem Einheben der Tora‐Rollen. In feierlichem Zug wurden diese durch die Synagoge bis zum Schrein getragen. Unter den Gesängen des Chores der Großen Synagoge Jerusalem mit den Kantoren Yitzak‐Meir Helfgott und Joseph Malovany erlebten die Gäste den Beginn einer neuen Ära für die Israelitische Kultusgemeinde München mit.
Rabbiner Israel Diskin hatte zuvor das Ner Tamid, das Ewige Licht, entzündet – an der Flamme, die aus der Synagoge an der Reichenbachstraße hierher getragen worden war. Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Edgar M. Bronfman, entzündete das Licht für die beiden sechsarmigen Menorot. Der Vorsitzende des Rates des Jüdischen Weltkongresses, Israel Singer, wünschte den Anwesenden, die Chance der Begegnung, die das neue Zentrum bringe, zu nutzen. Tel Avivs Oberrabbiner Israel Meir Lau sprach den Dankessegen.
„Nun liegt es an uns“, so Gemeinderabbiner Steven Langnas, „das neue Gebäude mit Leben zu füllen, diesen Reichtum an Schönheit zu beleben und zu beleuchten.“

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