Cynthia Barcomi

Bohnen, Bagels, Bücher

von Christine Schmitt

Geht nicht, gibt’s nicht. Was sie will, das schafft Cynthia Barcomi auch. »Ich kann es nicht leiden, wenn jemand nur davon spricht, irgendwann mal eine Idee oder einen Traum umsetzen zu wollen«, sagt die 44‐jährige Amerikanerin. Das Prinzip, zu schaffen, was sie sich vorgenommen hat, habe sie bereits als Schülerin im Internat verinnerlicht. Und ihre eiserne Disziplin habe sie beim Ballett gelernt. Tänzerin wollte sie mit 13 Jahren werden. Es kam anders. Mittlerweile ist sie als Kaffeerösterin und Bäckerin eine erfolgreiche Geschäftsfrau mit zwei Cafés und 30 Angestellten und seit Kurzem auch noch Autorin eines Back‐
buches, das zum Bestseller wurde.
Bereits mit drei Jahren hat sie die Cookie‐Rezepte ihrer Mutter nachgebacken. »Zugegeben, meine Mutter hat etwas ge‐
holfen«, gesteht sie. Die ersten Kekse wa‐
ren Ergebnis einer wahren Leidenschaft: Backen. Das herstellen zu können, was sie essen möchte, habe ihr Leben bestimmt. »Es geht mir um den Duft, den Geschmack und das Erlebnis beim Essen.« Sie unterteilt deshalb ihre Rezepte in Lebensabschnitte. »Bei manchen Düften erwachen meine schönsten Kindheitserinnerungen«, sagt sie. Aber sie hat auch Visionen. Es können drei oder 20 Versuche nötig sein, bis ein Rezept, das bis dahin lediglich in ihrem Kopf herumgarte, perfekt verwirklicht ist. Ihr wichtigster Kritiker: Ehemann Harvey Friedman. »Ich bin angekommen, wenn er mir mit verklärtem Gesichtsausdruck sagt, dass ich es nie wieder anders machen dürfe.« Heute ist die Mutter von vier Kindern – ihre jüngste Tochter ist ein Jahr alt – allerdings beunruhigt. Denn ihr Mann hat ihr neues Pessachgericht nur mit einem »nicht schlecht« bewertet. »Ich muss gleich wieder los und die Zutaten einkaufen und es noch mal machen«, sagt Cynthia Barcomi. Eigentlich hat sie dafür aber gar keine Zeit.
Zeit ist überhaupt etwas Kostbares in ihrem Leben geworden – denn so ziemlich jede Minute ist verplant. »Mein Fehler ist, dass ich immer zu viel auf einmal mache.« Derzeit arbeitet sie an dem Kochbuch über Festtagsessen, darunter Rezepte für Pessach. Jeden Abend sitzt sie daran. Morgens muss sie sich dann schon überwinden, aufzustehen und loszulegen. Ohne Frühstück verlässt sie das Haus, um kurz nach sieben Uhr im Fitnessstudio zu sein. »Ich brauche das Auspowern, sonst werde ich ein Monster«, sagt sie. Danach geht es in eines der beiden Cafés.
Cynthia Barcomi kam 1985 von Seattle/USA nach Berlin. Zuvor hatte sie in New York Theaterwissenschaften und Phi‐
losophie studiert und nebenbei Ballett, Modern Dance und Step getanzt. In Berlin lernte sie ihren ersten Mann Harald kennen, wurde schwanger. Sie hatte immer Heißhunger auf Bagels und träumte von amerikanischen Café‐Restaurants. Also be‐
schloss sie, selbst eine Kaffeerösterei aufzumachen und amerikanische Spezialitäten mit eigenen Rezepten, viele von ihrer Mutter, zu backen. »Doch keiner wollte mir einen Kredit geben. Ich war Ausländerin, Mutter von zwei kleinen Kindern und hatte keine Ahnung vom Geschäft.« Nicht gerade die besten Voraussetzungen. Dennoch ließ sich eine Bank überzeugen. 1994 fand sie in der Kreuzberger Bergmannstraße auch geeignete Räume. Dort saß sie dann zu Anfang, röstete Bohnen, buk ihre Bagels – doch Kunden blieben aus. »Ich dachte immer, wenn ich so etwas aufmache, kommen alle«, sagt sie heute. Mit der Zeit ließen sich immer mehr Menschen von dem Kaffee‐ und Zimtduft anlocken, der Laden lief. Vor zehn Jahren eröffnete sie dann das zweite Café »Barcomi’s Deli«, in der Sophienstraße in Berlin‐Mitte. Auch die Feinschmeckerzeitungen wurden auf sie aufmerksam, das KaDeWe bat sie, die Lebensmitteletage mit Bagels zu beliefern. Inzwischen war sie auch schon Gast in verschiedenen TV‐Kochshows. Dennoch hebt sie nicht ab. In ihren Cafés bleibt alles selbst gebacken, auch wenn sie es nicht mehr selber schafft, sondern nun ihre Mitarbeiter am Ofen stehen. Trotz Anfragen will sie nicht expandieren. »Kettenläden sind nichts für mich.«
Zeit, um in Ruhe Kaffee zu trinken, hat sie kaum. »Mein Arbeitstag hat oft 18 Stunden. Ich kann nur selten gemütlich im Café sitzen oder am Wochenende faulenzen.« Heilig seien ihr die gemeinsamen Abendessen mit ihrer Familie. Sie säßen immer lange zusammen und unterhielten sich. »Ohne diese Stunden wäre ich nur ein Arbeitssklave.« Eine Unterbrechung in der Hektik der Woche ist auch der Schabbat. Wenn sie es schafft, besucht sie gerne die Gottesdienste in der Synagoge Hüttenweg.
Kaum hat sie zu Ende gesprochen, kehrt sie zurück an ihren Schreibtisch. Wenn sie mit ihrem Kochbuch über »Festlichkeiten« fertig ist, sagt sie noch, dann könne sie sich erst einmal zurücklehnen und zu sich selber sagen: »Wieder einmal ein Lebensrezept geschafft.«

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