archäologische Zeugnisse

Boden‐Schätze

von Wladimir Struminski

Die israelischen Ausgrabungen am Fuße – nicht unterhalb – des Tempelbergs sind im Januar 2007 angelaufen und sollen im April abgeschlossen sein. Nach offizieller Terminologie handelt es sich um »Rettungsausgrabungen«. Damit wird die Sicherstellung archäologischer Schätze bezeichnet, die sich an Baustellen befinden oder dort vermutet werden. Solche Notaktionen sind in Israel gang und gäbe. Bevor die Bulldozer auffahren dürfen, suchen Archäologen der Antiquitätenbehörde nach wichtigen Funden aus der Vergangenheit. Danach verschwindet die historische Stätte unter einer Schicht von Beton oder Asphalt.
Laut Gesetz darf die Antiquitätenbehörde Ausgrabungen an historisch bedeutenden Stätten verfügen. Die Jerusalemer Altstadt ist allemal historisch bedeutend. Im vorliegenden Fall machten die Altertumshüter ihr Recht geltend, nachdem die Stadt Jerusalem Pläne für den Bau eines Aufgangs zum Tempelberg vorgelegt hatte. Dabei soll eine Brücke zu dem über der Westmauer gelegenen Mughrabi‐Tor errichtet werden. Über diese betreten nicht‐moslemische Besucher den Tempelberg. Gegenwärtig ist der Mughrabi‐Eingang vom Vorplatz der Westmauer über einen provisorischen Steg erreichbar, nachdem der alte Aufgang vor drei Jahren wegen akuter Baufälligkeit entfernt wurde. Nach dem Willen der Stadtverwaltung soll das Provisorium durch eine mehrere hundert Meter lange, mächtige Brücke ersetzt werden. Diese soll sich auf Betonpfeiler stützen und Besucher über den Köpfen der Beter an der Westmauer vom Südwesten her direkt zum Tempelberg führen. Laut den Plänen wird ein Teil der Pfeiler an derjenigen Stelle in den Boden gerammt, an der der sogenannte archäologische Garten liegt – eine Stätte von weltweiter Bedeutung, die Relikte aus der Jerusalemer Geschichte enthält.
Deshalb wurde der Bauplan von zahlreichen israelischen Archäologen noch vor den moslemischen Tempelberg‐Unruhen kritisiert. Am Sonntag dieser Woche gab die Stadtverwaltung bekannt, den Bau aufschieben zu wollen – auch um zu einem Einvernehmen mit der moslemischen Moscheenverwaltung zu finden. Die Ausgrabungen gingen aber vorerst weiter, in der Hoffnung, dass weitere moslemische Proteste ausbleiben. Die Projektleiter hoffen, auf Funde aus drei Jahrtausenden zu stoßen. »Die Zeitspanne, mit der wir rechnen, reicht von der Zeit des Ersten Tempels bis ins 17. und 18. Jahrhundert«, erklärt der Jerusalemer Bezirksarchäologe Yuval Baruch. Die Ausgrabungsstelle war während der Tempelzeit von Juden besiedelt. Danach war sie Teil der von den Römern in Aelia Capitolina umbenannten Stadt. In dem Wohnviertel befand sich das größte byzantinische Badehaus Jerusalems. Später verlor die Gegend an Ansehen, war mehrere Jahrhunderte lang nicht oder kaum bewohnt, doch nahmen die Mamluken die Bautätigkeit südlich des Tempelbergs wieder auf. Nach den dort angesiedelten Zuwanderern aus dem Maghreb wurde das Mughrabi‐Tor benannt.
Eine von Israels Gegnern behauptete Gefährdung der Al‐Aksa‐Moschee geht von den Ausgrabungen nicht aus. Die Arbeiten werden in einer Entfernung von mehreren Dutzend Metern von der südlichen Tempelbergmauer durchgeführt und reichen, so Baruch, allenfalls zehn Meter an diese heran. Das, betonen israelische Experten, war der moslemischen Tempelbergverwaltung im Voraus bekannt, hat die Proteste jedoch nicht verhindert.
Es ist nicht das erste Mal, dass Ausgrabungen in der Jerusalemer Altstadt zu Spannungen führen. Vor elf Jahren öffnete Israel in der Nähe der Westmauer einen alten Hasmonäertunnel. Obwohl der Tunnel nicht unterhalb des Tempelbergs verläuft, sondern die Westmauer mit der Via Dolorosa verbindet, nutzte die Palästinensische Nationalbehörde unter Jassir Arafat den Vorfall, um Israel der Gefährdung heiliger moslemischer Stätten anzuklagen. In der Folge kam es zu bewaffneten Zusammenstößen zwischen den israelischen Sicherheitskräften und palästinensischen Truppen. Als Motiv des palästinensischen Widerstands gegen israelische Ausgrabungen gilt die Befürchtung der palästinensischen und der moslemischen Führung, die Archäologen könnten hieb‐ und stichfeste Beweise für die Existenz des Tempels finden. Das aber widerspräche der palästinensischen Propaganda, die den Tempelberg ausschließlich für die palästinensi‐ sche Seite zu beanspruchen sucht.

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