Prag

Bildung, bitte!

von Bára Procházková

Daß am Ende eines Schuljahres Schulzeugnisse verteilt werden, ist normal. Daß jedoch gleichzeitig die Hälfte der Lehrerschaft ihren Job kündigt, ist außergewöhn‐ lich. Passiert ist dies an der einzigen jüdischen Schule in Tschechien, der Ronald‐ Lauder‐Schule in Prag. Unter einem Dach befinden sich hier eine Grundschule und ein Gymnasium – insgesamt 130 Schüler und jede Menge Schwierigkeiten.
Bereits vor zwei Jahren haben 80 Prozent der Lehrer die Schule schlagartig verlassen. Nun scheint sich die Geschichte mit umgekehrten Vorzeichen zu wiederholen. 2004 wechselte der damals neugewählte Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Prag, Tomáš Jelínek, nach einem Streit innerhalb der Gemeinde ohne Ausschreibung die Leitung der jüdischen Schule aus. Mit der damaligen Direktorin Katerina Dejmalová verließen fast alle Lehrer sowie Dutzende Kinder die Schule.
Der unabhängige Schulrat der Lauder‐Schule holte nun nach zwei Jahren die Ehemalige Dejmalová zurück. Seit sechs Wochen leitet sie wieder die Geschicke der Schule. Grund dafür sei der Niedergang der Schule. Es habe Unklarheiten im Haushalt, Verschwendung von Finanzmitteln und Schwächen in der Ausbildung gegeben, überdies sei das Schulgebäude sanierungsbedürftig, kritisiert der Schulrat. „Jetzt werden endlich alle Probleme gelöst, die in der Schule seit zwei Jahren vorhanden waren“, hofft Jana Kohnová, Vorsitzende des Schulrates. „Frau Dejmalová ist gut qualifiziert und hat das reguläre Bewerbungsverfahren gewonnen.“
Die neue Direktorin will mit eisernem Besen kehren: „Wir wollen eine konkurrenzfähige Schule schaffen, die allen Standards entsprechen wird“, erklärte Dejmalová im Gespräch mit der Jüdischen Allge‐ meinen. „In den vergangenen zwei Jahren ist viel falsch gelaufen. Die Probleme in der Gemeinde wurden stellvertretend über die Schule ausgetragen“, sagt die Schulrats‐Vorsitzende Kohnová. Deshalb sei vor einem Jahr auch der Schulrat gegründet worden, um den direkten Einfluß der jüdischen Gemeinde auf die Schulleitung zu mindern.
„Wir wollten unsere Fehler nicht wiederholen“, sagt auch der Sekretär der Prager jüdischen Gemeinde, Michal Borges. Die Gemeinde überläßt nun alle Entscheidungen dem Schulrat und möchte sich nach den Worten von Borges in die Angelegenheiten der Schule nicht mehr einmischen. Die Gemeinde finanziert weiterhin zwei Drittel des Schulhaushaltes, die Ronald‐Lauder‐Stiftung den Rest.
Die Kosten senken und die Effizienz der Schule erhöhen – das sind die Hauptaufgaben, die der Schulrat der alt‐neuen Schulleitung auf den Weg gegeben hat. „Wir hoffen, daß die Direktorin es schafft, die Schule auf das Niveau von zwei Jahren zu bringen“, sagt David Kostka, der Vorsitzende des Elternrates der Schule. Doch unter den neuen Bedingungen wollen viele Lehrer nicht mehr weiterarbeiten, weshalb es zu der Kündigungswelle kam.
Die ehemalige Englischlehrerin Kristina Haylettová spricht von Terror gegenüber den Lehrern. Die neue Direktorin habe sie unter Druck gesetzt, die Schule zu verlassen. „Sie mag uns nicht, weil wir von der vorherigen Schulleitung angestellt worden sind“, sagt sie.
Die meisten Lehrer seien für Vollzeitstellen bezahlt worden, hätten jedoch nur Teilzeit gearbeitet, sagt die neue Direktorin. Dies solle sich ändern. „Viele waren nicht mit der neuen Zahlungsweise einverstanden und haben deshalb gekündigt“, bestätigt die stellvertretende Schulleiterin Lucie Soklová. An der Schule seien in der Vergangenheit auch Lehrer mit ungenügender Qualifikation beschäftigt worden. Auch damit solle nun Schluß sein, sagt Dejmalová. Sie habe bereits sieben neue Stellen ausgeschrieben.
Die Schulratsvorsitzende Jana Kohnová hofft, daß sich nun die erhitzten Gemüter auf allen Seiten wieder abkühlen. Auch die Eltern der Schüler begrüßen die Änderungen: „Unsere Kinder sollen von Leuten unterrichtet werden, die auch dafür qualifiziert sind“, sagt David Kostka, dessen 18jährige Tochter die Lauder‐Schule besucht.
Die Schule hat nach Auffassung der Eltern gleich mehrere Besonderheiten. Dazu gehöre zum Beispiel die Zusammensetzung der Schüler – ein Drittel sind jüdisch, ein Drittel von jüdischer Abstammung, und ein Drittel hat einen anderen Religionshintergrund. Die Schule muß sich jetzt nach Überzeugung der Eltern erholen, denn jahrelang habe sie im Zentrum eines Streits um Geld und um Einfluß in der jüdischen Gemeinde gestandem. „Nun soll endlich die Bildung in den Mittelpunkt rücken“, hofft Kostka.

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