Literatur

Beckmann: Katholische Kirche hat zu Nazi-Zeit versagt

Reinhold Beckmann Foto: picture alliance/dpa

Die katholische Kirche hat nach Ansicht des Journalisten und Musikers Reinhold Beckmann in der Nazi-Zeit versagt. Angesichts ihrer damaligen großen gesellschaftlichen Bedeutung hätte sie eine Chance gehabt, dem Nationalsozialismus zu widerstehen und den Leuten in den Gemeinden mehr Schutz zu geben, sagte Beckmann in einem Interview der Nachrichten-Agentur kna. »Aber stattdessen versuchte sie mehr und mehr, den Nazis zu gefallen.«

Die Kirchenoberen hätten gemeint, den gemeinsamen Klassenfeind bekämpfen zu müssen, »den gottlosen Bolschewismus«. Beckmann, selbst Katholik, befand: »Wie sich der Bischof von Osnabrück, Wilhelm Berning, in den Schoß der Nazis gelegt und sich bis zu seinem Tod nie davon distanziert hat, ist eine große Enttäuschung.«

Neues Buch Am Donnerstag erscheint Beckmanns Buch »Aenne und ihre Brüder«. Darin erzählt er vom Leben seiner Mutter Aenne (1921-2019), deren vier Brüder im Zweiten Weltkrieg starben. Die Mutter wuchs in einem katholisch geprägten Dorf im Osnabrücker Land auf und war ihrem Sohn zufolge sehr gläubig. Entsprechend setzt er sich auch mit der Rolle der Kirche in der damaligen Gesellschaft und ihrem Verhältnis zum nationalsozialistischen Regime auseinander.

Zur aktuellen Situation sagte Beckmann: »Heute hege ich an der Institution Kirche große Zweifel, unter anderem weil sie nicht bereit ist, die widerlichen Übergriffe auf Kinder und Jugendliche aufzuarbeiten.« Die Führungs- und Organisationsstrukturen im Vatikan seien eine Katastrophe. »Aber ich bin weiterhin Mitglied der katholischen Kirche. Und ich glaube nach wie vor daran, dass es da oben eine besondere Kraft und Energie gibt«, so der 67-Jährige, der als Kind Messdiener war.

Um die Glaubwürdigkeit der Institution wiederherzustellen, braucht es nach Ansicht Beckmanns eine konsequente Bereitschaft, wirklich aufzuräumen. Zudem sollte die Kirche vor allem dort sein, wo es den Menschen nicht gut geht. »Immerhin ist Papst Franziskus jemand, der betont, die Kirche müsse auf der Seite der Schwachen stehen. Und darauf kommt es an.« kna

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026