Farmer

Bauernmarkt am Mittelmeer

von Sabine Brandes

Grüner Spargel ist heute der Renner. Aus den klaren Tüten der Kunden lugen die zarten Stangen hervor, bereit, das Schabbatessen am Abend mit ihrem nussigen Geschmack zu verfeinern. An diesem sonnigen Freitagmorgen ist Markttag. Unter den bunt gestreiften Markisen bieten die Bauern und Produzenten ihre duftenden Käse, die letzten Himbeeren der Saison, knackige Salatköpfe, selbst gebrautes Bier, organische Kräuter und andere Köstlichkeiten an, während nebenan die Wellen sanft an die Kaimauer schlagen. Tel Avivs Bauernmarkt am neuen Hafen ist der erste seiner Art in ganz Israel.
„Wir wollten das wundervolle Flair der europäischen Märkte hierherholen“, sagt Shir Halpern, die den Markt vor drei Monaten gemeinsam mit ihrer Partnerin Michal Ansky ins Leben gerufen hat. „Nette Menschen, die hervorragende, frische Waren von lokalen Bauern auf dem Wochenmarkt kaufen und diese dann in den Körben ihres Fahrrades transportieren, war ungefähr das Bild, das wir im Kopf hatten“, erklärt die 26‐Jährige lachend. Ganz fern der Realität ist das nicht mehr: Zwar fährt an diesem Morgen nur eine Kundin tatsächlich auf einem Rad samt Körbchen vor, doch die anderen Kunden packen die Produkte in ihre durchsichtigen, biologisch‐abbaubaren Tüten mit dem Logo des Marktes, freuen sich über die erstandenen Schmankerl. Ge‐
nauso könnte es in Berlin, Amsterdam oder Paris aussehen.
Genau da kommt Halpern her. Sie studierte in der französischen Hauptstadt an der internationalen Kochschule „Cordon Bleu“, war dort regelmäßige Kundin der lokalen Märkte. Anschließend arbeitete sie in den USA und lernte die Tradition der Farmer’s Markets kennen, auf denen einmal wöchentlich Bauern aus der Umgebung ihre Produkte anbieten. „Ich habe mich in diese Art des Einkaufens verliebt und wollte gar nicht mehr ohne sein. Als ich zurück nach Israel kam, wusste ich, dass es so etwas unbedingt auch hier ge‐
ben muss. Ich wollte diese Qualität für mich haben und gleichzeitig den Menschen dieses Konzept vorstellen.“
Also fuhren sie und Ansky in einem kleinen, alten Auto durchs ganze Land, um Produzenten zu finden und nahmen den Kampf mit der Bürokratie auf. „Nicht einfach“, gibt sie zu, es habe zuvor überhaupt kein System für einen Wochenmarkt gegeben, die Behörden wussten nicht, wie sie die Sicherheits‐ und Hygienevorgaben an‐
wenden sollten, die lediglich für feste Märkte gelten. „Viele Hürden, aber wir ha‐
ben es ja geschafft, sagt die Initiatorin und zeigt voller Stolz auf die Menschen, die unter den Schatten spendenden Markisen spazieren. 35 Stände gibt es derzeit am Na‐
mal, wie der neue Hafen Tel Avivs genannt wird. 50 sollen es bald werden, darunter einige, an denen eine Kaffeepause eingelegt werden kann.
Wochenmärkte waren bis vor Kurzem hier noch gänzlich unbekannt. Zwar gibt es große Märkte, wie etwa den berühmten Carmelmarkt im Süden Tel Avivs, doch diese sind allesamt feste Institutionen, täglich geöffnet und keine Produzenten‐, sondern Verkäufermärkte. Die Leute an den Ständen bekommen die Waren morgens angeliefert und bieten sie feil, mit Anbau oder Produktion haben sie nichts zu tun.
Der Bauernmarkt setzt auf ein anderes Konzept: Das des „Slow Food“. Die weltweite Initiative unter demselben Namen propagiert die Verbindung von Essen und Umwelt. „Gut, sauber und fair“ sollen die Produkte sein. Außerdem gehe es um die Bedeutung des lokalen und saisonalen Essens. „Der Kunde soll mit seinem Bauern in Kontakt treten, ihn und die Produkte kennenlernen, statt im Winter eingeflogene Erdbeeren von der anderen Seite des Globus zu kaufen“, erläutert Halpern.
Ein weiterer Pluspunkt sind die Preise. 200 Gramm organisch angebaute Himbeeren werden für 15 Schekel (drei Euro) an‐
geboten, im Supermarkt kosten sie das Doppelte, einen Salatkopf gibt es für um‐
gerechnet 90 Cent. Der Verzicht auf Zwi‐
schenhändler hält die Preise niedrig.
Ende Oktober sind die beiden jungen Frauen samt zwei Produzenten auf der Essensmesse im italienischen Turin mit ihrem Markt dabei und schon jetzt ge‐
spannt auf die Reaktionen der internationalen Besucher.
Die Atmosphäre ist es, was ihn herzieht. Seit vier Wochen kommt Aviv Levy jeden Freitag um acht Uhr, um die frischsten Produkte zu bekommen. „Die Waren sind einzigartig, die Stimmung ist großartig, alles zusammen ergibt ein wirklich tolles Flair, das es in Israel so bisher nicht gab“, findet er. „Es ist pure Sinnenfreude, hier einzukaufen.“
Nach nur drei Monaten gibt es bereits eine eingeschworene Liebhabergemeinde. Andere Kommunen fragen ständig an, wollen auch einen Markt in ihrer Umgebung haben. Halpern weiß, dass heute viele Restaurantchefs kommen, um für ihre Menüs zu shoppen. Einer der Gründe dürfte sein, dass der Bauernmarkt Produkte anbietet, die es sonst nirgendwo im Land gibt. Denn einige Obst‐ und Gemüsesorten werden ausschließlich für den Export an‐
gebaut, darunter solche landwirtschaftli‐
chen Besonderheiten wie orange und gelbe Cherrytomaten oder lilafarbene Kartoffeln. Lediglich ein Bruchteil bleibt im Land – und wird jetzt regelmäßig hier auf dem Bauernmarkt verkauft.

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