Kulturtage

Auf eigene Faust

von Jan Popp‐Sewing

Die jüdischen Gemeinden in Nordrhein haben sich viel vorgenommen: Jüdische Kulturtage mit 270 Veranstaltungen in 14 Städten, zu denen mehr als 10.000 Besucher erwartet werden. Am 4. März – pünktlich zu Purim – startet die bislang größte jüdische Kulturveranstaltung im Land Nordrhein‐Westfalen. Der Titel: „neue töne – jüdisches (er)leben“. Es gehe darum, zu zeigen, wie lebendig die jüdische Kultur im Rheinland ist, sagt NRW‐Kulturstaatssekretär Hans‐Heinrich Grosse‐Brockhoff bei der Vorstellung des Programms.
Das Großprojekt soll keine innerjüdische Veranstaltung werden. Im Gegenteil: Die Veranstalter vom Landesverband der jüdischen Gemeinden Nordrhein wollen das immense Potenzial jüdischer Musiker, Tänzer, Kabarettisten, Autoren und Künstler knapp einen Monat lang einem möglichst breiten Publikum vorstellen. „Die jüdische Kultur in allen ihren Facetten zu zeigen“, ist das Ziel von Esra Cohn, dem Vorsitzenden des Landesverbands, und seinem Geschäftsführer Herbert Rubinstein, der beim Landesverband für das Projekt verantwortlich ist.
Nach 1998 und 2002 sind es inzwischen die dritten Kulturtage. Erstmals liegt die Federführung nicht mehr bei Land und Städten, sondern beim jüdischen Landesverband Nordrhein selbst. Eine Akzentverschiebung, die deutlich macht, wie viel die Gemeinden in den vergangenen Jahren an gestalterischer Kraft und organisatorischen Fähigkeiten hinzugewonnen haben.
Projektkoordinatorin Regina Plaßwilm kann sich auf Städtekoordinatoren, einen Arbeitskreis und viele lokale Helfer stützen. Der Etat der Kulturtage liegt bei rund 500.000 Euro. Knapp ein Viertel davon kommt vom Land NRW, der Rest verteilt sich auf die Städte und jüdischen Gemeinden im Land sowie auf Stiftungen und lokale Sponsoren.
Dieses Geld ermöglicht es den Veranstaltern, die Eintrittspreise niedrig zu halten – oder ganz auf sie zu verzichten. Die Besucher wird’s freuen. Die Schirmherrschaft haben NRW‐Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch. Veranstaltungen gibt es in Aachen, Bedburg‐Hau, Bonn, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Köln, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Nettetal, Neuss, Ratingen und Wuppertal.
Das Programm stecke voller Höhepunkte, sagen die Veranstalter. Mit seiner Tanz‐Performance „Exile Within“ eröffnet am 3. März der israelische Choreograf Itzik Galili das Programm in Düsseldorf, und das Leon‐Gurvitch‐Jazz‐Project kommt am 6. März mit „Klezmer meets Jazz“ nach Leverkusen. Sandra Kreisler singt am 19. März im Düsseldorfer Steinway‐Haus „unbekannte Lieder“ ihres Vaters Georg Kreisler. In Düsseldorf, Aachen und Wuppertal (26., 27. und 28. März) liest die australisch‐amerikanische Schriftstellerin Lily Brett aus ihrem jüngsten Roman „Chuzpe“. Neben den kulturellen Darbietungen soll es auch viele Begegnungsveranstaltungen geben, bei denen die Zuschauer die Möglichkeit haben, miteinander und mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen.
Und wie geht es weiter, wenn die Kulturtage am 1. April vorüber sind? Hans‐Heinrich Grosse‐Brockhoff, der nordrhein‐westfälische Kulturstaatssekretär, sagte, er sei sehr dafür, bis zu den nächsten Kulturtagen nicht wieder vier oder fünf Jahre zu warten.

www.juedische-kulturtage-rheinland.de

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