alternative Energien

Auf der Sonnenseite

von Ralf Balke und
Wladimir Struminski

Freundliche Worte für Israel seitens einer Nicht‐Regierungs‐Organisation (NGO) gibt es nicht jeden Tag. Grund genug aufzuhorchen, wenn dies doch einmal passiert: So lobte Greenpeace kürzlich den Beschluss des Ministeriums für Infrastruktur, in Eschalim im Negev ein Solar‐Kraftwerk zu errichten. Im Gespräch ist dieses Projekt schon seit 2001, nun aber gab es endgültig grünes Licht. Bereits 2005 hatte Greenpeace der israelischen Regierung eine Studie vorgelegt, derzufolge der jüdische Staat zum Gelobten Land der alternativen Energien werden könnte. Von Solar‐Kraftwerken als Exportschlagern war darin die Rede, deren Errichtung der Branche einen Jahresumsatz von 204 Millionen Dollar bescheren, 5.000 neue Jobs mit sich bringen und Israel weltweit eine Marktführerschaft bei der Stromgewinnung aus Sonnenstrahlen bescheren könnte. „Israel hat immenses Potenzial, einen lukrativen Exportmarkt für erneuerbare Energien zu schaffen und sich selbst aus der Abhängigkeit von Öl und Kohle zu befreien“, erklärt Nili Grossman von Greenpeace Mediterranean mit Sitz auf Malta.
Die klimatischen Voraussetzungen sind günstig. Israel gehört zu den Ländern mit der intensivsten Sonneneinstrahlung. In Beer Schewa etwa werden im Jahresdurchschnitt 19,4 Megajoule pro Qua‐ dratmeter und Tag gemessen. Dieser Wert wird nur an wenigen Standorten der Welt übertroffen. Die jährliche Zahl der Sonnenstunden liegt bei rund 3.200, also knapp neun Stunden Sonne pro Tag. Insgesamt bekommt Israel rund doppelt so viel Sonnenstrahlung ab wie Deutschland.
Israel hat auf dem Gebiet der Solarenergie auch bereits einiges vorzuweisen: Wer das Land kennt, hat sicher schon einmal die vielen Sonnenkollektoren auf den Häuserdächern bemerkt, die optisch zwar nicht gerade eine Bereicherung darstellen, aber immerhin die Warmwasserversorgung in 95 Prozent aller Haushalte übernehmen und damit rund zwei bis drei Prozent des in Israel verbrauchten Stroms produzieren. Die Technik ist simpel und stammt teilweise aus den 50er‐Jahren.
Dieser Tage leitet Infrastrukturminister Benjamin Ben‐Elieser ein Pilotprojekt für fotovoltaische Heimanlagen zur Stromerzeugung in die Wege. Geht alles wie geplant, können schon bald 25.000 israelische Haushalte eigene Fotovoltaikanlagen auf dem Dach oder im Garten anbringen. Insgesamt ist der Aufbau einer Leistungsfähigkeit von 50 Megawatt vorgesehen. Das entspricht knapp 0,5 Prozent der landesweiten Stromerzeugungskapazität. Wie in anderen Ländern, muss Sonnenstrom auch in Israel subventioniert werden. Zu diesem Zweck will der Staat den Haushalten ihre Elektrizität abkaufen. Das wird vor allem tagsüber relevant sein, wenn die Familien aus dem Haus sind und die Haushalte kaum Strom verbrauchen. Just dann melden Industrie und Handel Spitzenbedarf an. So können die fotovoltaischen Anlagen ihre Leistung bis zum Nachmittag ins landesweite Netz speisen. Umgekehrt können Programmteilnehmer Strom aus dem Netz zukaufen, wenn die fotovoltaische Eigenleistung am Abend oder am Wochenende nicht ausreicht. Die Möglichkeit weitgehender Ei‐ genversorgung und der beim Stromverkauf erzielte Gewinn sollen den Haushalten die hohen Einstandskosten der Sonnenkraftwerke (zwischen 8.000 und 20.000 Dollar) schmackhaft machen. Wegen des hohen Platzbedarfs kommen vor allem Einfamilienhäuser als Einsatzort in Frage.
Doch auch Projekte von größerem Umfang sind geplant. Bereits in den 80er‐Jahren baute das israelische Unternehmen Luz neun Solarkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 350 Megawatt. Aber nicht in Israel, sondern in der Mojave‐Wüste im fernen Kalifornien. Als die Rohölpreise zu Beginn der 90er‐Jahre wieder in den Keller rutschten, interessierte sich niemand mehr für teuren Strom aus Solarzellen. Luz ging 1991 pleite.
Aber angesichts der Debatte um die Reduzierung von CO2‐Emissionen und Rohölpreisen, die sich bedrohlich der 80‐Dollar‐Marke pro Barrel nähern, rückt auch die Solarenergie wieder stärker ins Blickfeld. Luz’ Nachfolger heißt Solel Solar Systems damit beschäftigt, die alten Luz‐Anlagen in den USA zu modernisieren und deren Effizienzgrad um bis zu 50 Prozent zu steigern. „Wir haben die Technik von Luz übernommen und so weit verbessert, dass wir heute Solarenergie zu einem wettbewerbsfähigen Preis herstellen können“, sagt Solels Chefentwickler Eli Mandelberg. Ein Deal für die Lieferung von Technologie für drei Solarkraftwerke in Spanien in einem Umfang von 500 Millionen Dollar konnte im November 2006 unter Dach und Fach gebracht werden. Und das Unternehmen hat großes Interesse, bei dem Projekt in Eschalim ebenfalls mit von der Partie zu sein. Schließlich geht es um eine Anlage, die rund 250 Megawatt produzieren soll mit der Perspektive, die Kapazitäten auf 500 Megawatt auszubauen. Die Kosten dafür belaufen sich auf eine Milliarde Dollar.
Damit ist das zentrale Problem aller Vorhaben angesprochen: die Finanzierung. „Wüste, Sonne und Know‐how gibt es in Israel schließlich genug“, meint Professor David Faiman vom National Solar Energy Center, das dem Jacob Blaustein Institute for Desert Research der Ben‐Gurion‐Universität angeschlossen ist. Das geplante Solarkraftwerk im Negev soll deshalb von einem Privatunternehmen oder einem Konsortium errichtet werden. Der Staat stellt das Land zur Verfügung, das Ganze läuft unter dem Stichwort Public Private Partnership. Zwecks Anschubfinanzierung von Firmengründungen im Bereich regenerativer Energien legte das Infrastrukturministerium jüngst einen Fonds in Höhe von 3,5 Millionen Schekel (knapp 700.000 Euro) mit dem Namen „Startergy“ auf. Bis zu 500.000 Schekel (knapp 100.000 Euro) sind dabei für ein Unternehmen drin. Viel zu wenig, sagen Kritiker. Das Wirtschaftsministerium fördere schließlich Start‐ups im Hightech‐Bereich mit bis zu 400.000 Euro pro Projekt. Immerhin, zusätzliche Gelder gibt es auch im Rahmen des US‐Israel Energy Cooperation Act, der im Herbst vergangenen Jahres vom US‐Repräsentantenhaus verabschiedet wurde. 20 Millionen Dollar jährlich sollen in gemeinsame Projekte zur Erforschung alternativer Verfahren zur Energiegewinnung fließen – vielleicht entdeckt ein findiger Kopf in Israel noch einen Weg, aus dem alten Fett einer Falafel‐Friteuse Flugbenzin herzustellen. Man darf also gespannt sein, ob die vollmundige Ankündigung von Infrastrukturminister Ben‐Eliezer, dass bis 2017 rund zehn Prozent des israelischen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien stammen soll, Wirklichkeit wird.

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