Kernkraft

Atomstrom, ja bitte!

von Wladimir Struminski

Normalerweise ist Benjamin Ben‐Elieser kein mitreißender Orator. Auf der jüngsten Herzlija‐Konferenz für nationale Sicherheit genoss der bullige Infrastrukturminister jedoch die ungeteilte Aufmerk‐
samkeit des Publikums und der Medien. Um seine Energieversorgung auf eine stabile Basis zu stellen, erklärte der Ressortinhaber, müsse sich der jüdische Staat die Option auf nicht konventionelle Stromgewinnung offen halten. Im Klartext: auf Atomkraft. In politischer Hinsicht war Ben‐Eliesers Vorstoß überaus brisant: In Sachen Atom wird das weltweit als Nuklearmacht geltende Israel misstrauisch beäugt. Dennoch stellte sich alsbald heraus, dass Ben‐Elieser mit seiner Meinung nicht allein steht. In der vergangenen Woche teilte der Generaldirektor der Elektrizitätsgesellschaft IEC, Uri Bin‐Nun, mit, dass die staatliche Kommission für Atomenergie die Errichtung eines Kernkraftwerkes erwäge. Das stritten die direkt Ministerpräsident Ehud Olmert unterstehenden Atommanager auch nicht ab. Zwar stehe eine Entscheidung nicht in unmittelbarer Zukunft bevor, ließ die für den Betrieb der beiden israelischen Kernreaktoren in Dimona und Nachal Sorek verantwortliche Behörde wissen, fügte aber hinzu: „Es ist nur natürlich, dass wir uns für das Thema interessiert haben und weiterhin interessieren“.
Das Interesse lässt sich nachvollziehen. Der Strombedarf steigt rapide, die Reservekapazitäten werden immer knapper. Dennoch erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass Israel in absehbarer Zukunft Kernkraftwerke bauen wird. „Unter normalen Bedingungen hätte Israel längst Kernkraftwerke gebaut“, meint Michael Beenstok, Wirtschaftsprofessor an der Hebräischen Universität in Jerusalem und Energieexperte. „In den meisten Industrieländern sind Kernkraftwerke Teil der Energieversorgung.“ Allerdings lebt der jüdische Staat nicht unter normalen Bedingungen. „Es besteht ein Risiko, dass israelische Kernkraftwerke im Falle einer militärischen Auseinandersetzung vom Gegner gezielt angegriffen würden“, warnt Beenstok. Die Folge wäre eine Katastrophe von unvorstellbaren Ausmaßen. Deshalb, so Fachmann Beenstok, ist die Idee vom Kernkraftbau in der heutigen geopolitischen Lage „ein Rohrkrepierer“.
Auch die Bürger haben Angst vor der Atomkraft. Im Sommer 2004 löste eine Ankündigung der israelischen Regierung, Strahlungsschutzpillen an rund einhunderttausend Bewohner im Umkreis der Reaktoren von Dimona und Nachal Sorek verteilen zu wollen, Panik aus. Während die Behörden von einer reinen Präventivmaßnahme sprachen, fragten sich besorgte Bürger, was die Regierung ihnen wohl verheimliche.
Wenn’s denn ein Trost ist: Als Nichtunterzeichnerstaat des Atomsperrvertrages hätte Israel kaum eine Möglichkeit, ein Kernkraftwerk im Ausland zu kaufen. Eine Anlage der Marke Eigenbau wäre wiederum nicht rentabel. Ebenso wenig, glaubt Beenstok, wäre der Bau eines unterirdischen Atommeilers praktikabel.
Die Entscheidungslage würde sich allenfalls nach einer dauerhaften Befriedung des Nahen Ostens ändern. Darauf kann verantwortungsvolle Planung freilich nicht bauen. Auch alternative Energie wird in der nächsten Generation keine ausreichende Energieversorgung ermöglichen. So muss sich Israel wohl bis auf Weiteres mit fossilen Energieträgern begnügen, der damit einhergehenden Umweltbelastung unbeschadet. Neben anhaltender Erdölnutzung kommen vor allem Steinkohleeinfuhren oder aber eine breit angelegte Nutzung der einheimischen Ölschiefervorkommen als Lösung in Frage. Nach Schätzung des Infrastrukturministeriums könnten allein die Schiefer Israels Bedürfnisse mehrere Jahrzehnte lang
decken. Weshalb aber beharrt die Regierung so sehr auf der Atomoption? Ist es nur typisch israelisches Gerede oder hält Jerusalem eine Überraschung parat? Auf die Antwort sind viele gespannt.

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