Chanukka

Alles ist erleuchtet

von Miryam Gümbel und
Marina Maisel

Was feiern wir an Chanukka? Das erfuhren Kinder und Jugendliche bei einem Workshop, zu dem verschiedene Gruppen die Kinder der Gemeinde eingeladen hatten. Unter ihnen die Verantwortlichen für die Jugendarbeit der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Neshama, die Abteilung für religiöse Erziehung, die zionistische Jugend Deutschlands (ZJD) und der Sportbund Maccabi. In fünf nach Alter gegliederten Gruppen wurden die Mädchen und Jungen auf sechs unterschiedlichen Stationen mit religiösem Wissen und den Traditionen rund um das Fest vertraut gemacht.
Religionslehrerin Michaela Rychla zum Beispiel erzählte auf ihrer Station die Ge‐ schichte aus dem 4. Makkabäer Buch. Die Neshama‐ und ZJD‐Madrichim sangen und spielten mit den Kindern. Eine besonders verlockende Station wartete in der Küche des Robert‐Wagner‐Jugendzentrums auf die Kinder. Hier wurden unter Leitung von Lilia Udler gemeinsam Latkes gebacken.
Auch der Sportverein Maccabi hatte im Vorfeld zu einer kleinen Chanukkafeier eingeladen. Rabbiner Israel Diskin verteilte hier nicht nur Dreidel, sondern erklärteauch einiges zum Lichterfest. Dass es an diesen Tagen traditionell Krapfen und Lattkes gibt, hänge damit zusammen, dass diese in Öl herausgebacken werden. Das Wunder von Chanukka habe sich an dem reinen Öl manifestiert, das entgegen aller Erfahrungen für acht Tage reichte.
Außerdem erklärte Raw Yeckiel Brunner von Tora Mizion, dass das Chanukka‐ Fest zeige, welche Kraft in einem selbst stecke. Yeckiel Brunner leitete einen Schiur für Jugendliche im Gemeindezentrum. Eine wichtige Voraussetzung für die Kraft sei, so sagte Brunner: „Du musst seriös sein. Du musst dich intensiv mit der Tora verbinden, damit du diese potenzielle Kraft in dir richtig ausnutzen kannst.“ Ein erster Schritt dazu war dann die Teilnahme am Gebet in der großen Ohel‐Jakob‐Synagoge. Dort entzündete Kantor Sascha van Rawenswalde das erste Licht am Chanukka‐Leuchter.
Ein Höhepunkt des Tages war nach der Ansprache von Gemeinderabbiner Steven Langnas das Chanukka‐Konzert, zu dem das Rabbinat gemeinsam mit dem Jugend‐ und Kulturzentrum der IKG eingeladen hatte. Der Kinderchor Hasamir, ein Quartett des Orchesters Jakobsplatz sowie der Synagogenchor Schma Kaulenu sorgten für festliche Stimmung. Nach dem gemeinsam gesungenen Mi J’malél ging es dann hinaus auf den Jakobsplatz zum öffentlichen Lichterzünden an der großen Chanukkia.
Das kalte und feuchte Winterwetter hatte die Münchner nicht davon abgehalten, zum Platz vor der Synagoge zu kommen. IKG‐Präsidentin Charlotte Knobloch konnte unter den mehreren hundert Menschen Erzpriester Apostolos Malamoussis von der Griechisch‐Orthodoxen Metropolie von Deutschland und Schwestern des benachbarten Anger‐Klosters begrüßen. Mit dabei war Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, der auch in diesem Jahr wieder gemeinsam mit Rabbiner Israel Diskin von Chabad Lubawitsch das Chanukka‐Licht entzündete.
Nur eines war diesmal neu: Unter den Kindern und Jugendlichen wurde ausgelost, wer im Feuerwehrkorb mit hinauf zu den Blütenfassungen der weltweit zweithöchsten Chanukkia fahren durfte, um das Licht erstrahlen zu lassen. Auch der Künstler des Leuchters, Gershom von Schwarze, war unter den Anwesenden.
Das Miteinander jüdischer und nichtjüdischer Münchner war für Charlotte Knobloch ein sichtbares Zeichen für den Wandel im Verhältnis zueinander. „Ich sehe, wie Betroffenheit gegen Aufgeschlossenheit ausgetauscht wird und wie Unwissenheit der Erkenntnis Platz macht, dass jüdische Bürger gar nicht anders und fremd sind“, sagte die Präsidentin in ihrer Ansprache mit sichtbarer Freude. Vor 70 Jahren verfolgt, „stehen wir heute hier vor unserer neuen Synagoge im Herzen der Stadt“. Einmal mehr sprach sie dafür Christian Ude den Dank der Kultusgemeinde aus.
Ude zollte den Anwesenden Anerkennung, dass sie trotz Nieselregens in so großer Zahl gekommen waren. An die jüdische Bevölkerung Münchens gewandt, deutete der Oberbürgermeister das öffentliche Fest als ein Zeichen, dass die Gemeinde sich nun in München zu Hause fühle. Er hoffe, dass dieses Bewusstsein von Jahr zu Jahr stärker werde.
Das Miteinander, so Christian Ude im Rückblick auf den 850. Stadtgeburtstag, sei besonders deutlich in dem Nachbarschaftsfest am Jakobsplatz geworden. Dieses war das viertgrößte im Rahmen der Feierlichkeiten gewesen. Ude schloss sich in seiner Rede aber auch den Befürchtungen und Forderungen von Charlotte Knobloch hinsichtlich der rechtsextremen Be‐ drohungen an. Mit Blick auf die jüngsten Ereignisse in Passau unterstütze er die Be‐ mühungen um ein NPD‐Verbot.
Gemeinderabbiner Steven Langnas gab in seiner kurzen Ansprache der Hoffnung Ausdruck, dass die Lichter von Chanukka den Mut zu einem friedlichen Miteinander verstärkten. Unter den Klängen von Chanukka‐Liedern wurde das erste Licht entzündet. Bei Glühwein, Kaffee und den zum Fest traditionellen Krapfen blieben viele der Menschen noch einige Zeit bei angeregten Gesprächen zusammen. Einige schlossen sich zu einem privaten Chanukka‐Korso durch die Innenstdt und Schwabing zusammen – mit einer Chanukkia auf den jeweiligen Autodächern.

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