Gastarbeiterkinder

Abschiebung aufgeschoben

Eigentlich hätten sie im August abgeschoben werden sollen. Die Kinder der illegalen Arbeiter in Israel. Nachdem Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ob dieser Entscheidung aber unter heftigen öffentlichen Beschuss geraten war, gab er nun bekannt, dass die Familien mit den Kindern weitere drei Monate im Land bleiben dürfen, bis eine endgültige Entscheidung getroffen worden ist. Zudem kündigte Innenminister Eli Yishai die sogenannte Gedera‐Hadera‐Richtlinie auf, die afrikanischen Flüchtlingen das Versprechen abrang, nicht im Zentrum, sondern lediglich im Süden oder Nor‐
den des Landes zu wohnen und arbeiten, obwohl sich die größte Gemeinde von ih‐
nen in und um Tel Aviv befindet.
Vor der Kabinettsitzung am vergangenen Sonntag zogen etwa 50 Jungs und Mädchen mit ihren Eltern vor dem Jerusalemer Büro des Premiers auf, um ihn zu bitten, den Status derjenigen zu legalisieren, die hier geboren sind. »Hebt die De‐
portation auf, verschiebt sie nicht«, stand auf Hebräisch auf den Plakaten geschrieben. Insgesamt leben einige hundert Kinder von illegalen Arbeitern in Israel, die im Land geboren sind. Sie gehen hier in die Schulen, sprechen Hebräisch und haben nie eine andere Heimat kennengelernt.
In den vergangenen Wochen hatte die Polizei auf Geheiß der Finanz‐ und Innenminister Yuval Steinitz und Eli Yishai immer wieder illegale Einwanderer festgenommen und in Abschiebehaft gesteckt. Ziel der massiven Operation mit dem Namen »Oz« ist es, die geschätzten 150.000 bis 200.000 Arbeiter, die unerlaubt hier sind, auszuweisen. In der Bevölkerung ist diese Aktion heftig umstritten, vergangenes Wochenende demonstrierten wieder Hunderte Menschen dagegen in Tel Aviv.
Nachdem bekannt wurde, dass es auch die Kinder treffen sollte, schaltete sich so‐
gar Staatspräsident Schimon Peres ein. In einem Brief an den Innenminister drängte er ihn, die Mädchen und Jungs nicht wegzuschicken. »Wer, wenn nicht ein Volk, das selbst die Bitterkeit im Exil erlitten hat, kann sensibel gegenüber den Menschen sein, die mit ihm leben?« Peres schrieb, dass er das Schicksal der Kinder nicht gleichgültig hinnehmen könne. Vor Kurzem habe er die Bialik‐Rogozin‐Schule im Süden Tel Avivs besucht und dabei viele dieser Kinder getroffen. »Ich habe gefühlt, dass sie Israel, wo sie geboren sind, anerkennen. Ich habe ihre Liebe für das Land gespürt, ihren Wunsch hier zu leben, in der Armee zu dienen und zu helfen, es zu stärken.« Sabine Brandes

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