Kurzmeldungen
Mail aus Jerusalem
Eminenz, Enthusiasten und Ermüdung
08.09.2010 – von Wladimir Struminski
Eminenz
Brigitte Bardot hat zwar nicht mehr ihre jugendliche Schönheit, wohl aber noch immer einen klangvollen Namen. Kürzlich wandte sich die Ex-Schauspielerin und heutige Tierschützerin an Israels Industrie- und Handelsminister Benjamin Ben-Elieser mit dem Appell, seinen Widerstand gegen das kurz vor der letzten Lesung stehende Gesetz zum Verbot des Pelzhandels aufzugeben. Ben-Elieser war besorgt, ein Einfuhrstopp könnte gegen Israels bestehende Handelsverträge mit Pelzexportländern verstoßen. Ob nun wegen Bardots Brief oder aus anderen Erwägungen, der Minister zog seinen Einspruch gegen das Gesetz zurück. Inwieweit die heute 76-jährige Bardot dem um zwei Jahre jüngeren Ex-General aus der Zeit ihrer Leinwandkarriere erinnerlich ist, wurde nicht überliefert.
Exemplar
Vor Rosch Haschana herrscht in der Abuhav-Synagoge in Zefat stets besondere Aufregung. Dann nämlich wird die alte Torarolle, die das Gotteshaus sein Eigen nennt, für die Lesung hervorgeholt. Die Rolle wurde vor rund 650 Jahren in Spanien vom bekannten Rabbiner und Kabbalisten Jitzchak Abuhav geschrieben. Zwar gibt es in der Welt auch ältere Exemplare, doch ist die Abuhav-Rolle, wie sie genannt wird, die älteste noch im Gottesdienst verwendete Sefer Tora auf dem Globus, in der alle Buchstaben gut lesbar sind. Sie wird nur drei Mal im Jahr geöffnet: zu Rosch Haschana, Jom Kippur und Schawuot. Den Rest des Jahres verbringt sie in einem mit modernster Elektronik vor Dieben geschützten Schrein.
Enthusiasten
Sie sind eine kleine, bedrängte und oft in Lebensgefahr schwebende Minderheit, vom Staat in Stich gelassen. Die Rede ist von Israels Radfahrern, denen keine eigenen Pfade zur Verfügung stehen, und die von vielen Autofahrern auf den Straßem rücksichtslos an den Rand gedrängt, mitunter verletzt, manchmal auch getötet werden. Jetzt zeichnet sich wenigstens eine kleine Verbesserung ab. Die Radfahrer-Lobby in der Knesset hat sich mit der Verkehrspolizei im Prinzip darauf geeinigt, dass bestimmte Straßen am Schabbat – dem Hauptradeltag der Woche – für den Kfz-Verkehr gesperrt werden. Damit die Velo-Enthusiasten auch mal ohne Angst im Nacken sich auf dem Zweirad fortbewegen.
Erfahrung
Neugier ohne gesunden Menschenverstand kann leicht ins Verderben führen. Diese Erfahrung mussten zwei ultraorthodoxe 14-Jährige machen, die nachts am lauen Ufer des Kinneret-Sees spazieren gingen. Weil sie wissen wollten, wie eine Yacht von ihnen aussieht, stahlen sich die beiden an Bord eines der am Steg anliegenden Wasserfahrzeuge, betraten die Brücke und fingen an, verschiedene Knöpfe auszuprobieren. Prompt sprang der Motor an, und die Yacht begann eine unkontrollierte Fahrt. Glücklicherweise ging der Motor bereits in Ufernähe aus, doch geriet eines der Mädchen so sehr in Panik, dass es voll bekleidet ins Wasser sprang, um das Boot wieder Richtung rettendes Land zu schieben – ohne Erfolg, wie man sich vorstellen kann. Erst die von Spaziergängern alarmierte Polizei befreite die Mädchen aus ihrer Seenot.
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