Diplomatie

Verrechnet

Eine vermeintliche Ehrenrettung hat zu einem politischen Eklat in den israelisch-türkischen Beziehungen geführt. Wie konnte es dazu kommen?

21.01.2010 – von Sabine BrandesSabine Brandes


Zwei machten sich auf, die Ehre Israels zu retten. Außenminister Avigdor Lieberman und sein Vize Danny Ayalon. Man müsse die Türkei, die so auf dem jüdischen Staat herumtrampele, einmal ordentlich zurechtweisen. Doch das Duo hatte die Rechung ohne diejenigen gemacht, denen ihre Mission Ehrenrettung galt – und sich auf ganzer Linie verrechnet. Einmal mehr steht Israel nun als maßloser Missetäter im grellen Licht der Öffentlichkeit, Ayalon musste sich bei den Türken entschuldigen. Lieberman ist mittlerweile berüchtigt für seine Fehltritte auf dem außenpolitischen Parkett. Mit der inszenierten Beleidigung des türkischen Botschafters Anfang vergangener Woche (vgl. Jüd. Allg. v. 14. Januar) aber schaffte er den diplomatischen Super-Gau.

Der Film zur antisemitisch angehauchten Serie »Tal der Wölfe« hatte das Fass für Israels obersten Diplomaten zum Überlaufen gebracht. Zuerst wurden im türkischen Fernsehen Soldaten der IDF als Mörder palästinensischer Kinder dargestellt, im Film nun waren als Mossadagenten aufgemachte Schauspieler unterwegs, um Babys zu entführen. Zuvor hatte der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan Israel wiederholt mit ungewohnt scharfen Worten angegriffen und einseitig dessen Politik im Gasastreifen verurteilt. Wobei er Kritik an palästinensischen Bomben und Terrorismus schuldig blieb.

Stühle Auch der jüdische Staat bildet diplomatisches Personal aus, das sich genauso an die internationalen Gepflogenheiten zu halten hat wie jedes andere Land. Mit einem solchen Chef aber sei das bisweilen schwierig, war jüngst aus der Schule für Diplomaten zu hören. »Der Außenminister macht alle möglichen Kommentare«, sagte ein Kadett unter der Bedingung, anonym zu bleiben, bei einem anderen Vorfall. »So ist er halt, er will provozieren. Glücklicherweise aber gibt es in unserem Land Gesetze, sodass eine Person nicht einfach die ganze Welt mit einem Spruch ändern kann.«

Dass Lieberman seinen Stellvertreter anwies, den türkischen Gesandten auf einen niedrigen Stuhl zu setzen und auf den Tisch lediglich eine israelische Fahne zu stellen, passt zu ihm. Tönte er doch kurz darauf: »Wenn die Türkei unsere Ehre nicht wahrt, müssen wir das auch nicht.« Dass Ayalon diese Show mitmachte, wundert Insider jedoch. Ist er doch ein eingefleischter Diplomat, der lange für Israel in den USA war und die Regeln aus dem Effeff beherrschen müsste. Will man einen Diplomaten wegen einer Angelegenheit einbestellen, die das Gastland verärgert, wird das meist zwischen dem stellvertretenden Botschafter und dem Generaldirektor im Außenministerium ausgemacht. Das Wichtigste: Die Gespräche werden privat abgehalten und sicher nicht, wie in diesem Fall, mit extra geordertem Fernsehteam.



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