Wieso, weshalb, warum

Sieben

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

11.08.2016 – von Konstantin SchuchardtKonstantin Schuchardt

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Die Zahl Sieben nimmt in der jüdischen Tradition, aber auch in anderen Kulturen, eine herausragende Stellung ein. Der Anthropologe Ferdinand von Andrian (1776–1851) führt das auf astronomische Beobachtungen zurück: Den Menschen fiel auf, dass der Mondzyklus vier mal sieben Tage dauerte. Und mit bloßem Auge konnten sie sieben Himmelkörper erkennen (Sonne und Mond sowie die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn).

»Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.« Der erste Vers der Tora besteht im hebräischen Original aus sieben Wörtern. Sieben Tage nahm das Schöpfungswerk in Anspruch. Im Laufe von sechs Tagen wurde der Kosmos erschaffen, und am siebten Tag ruhte der Schöpfer von seinem Werk. Die Sieben versinnbildlicht somit gleichermaßen Abschluss wie Neubeginn eines Zeitraums.

Pessach Auch im Jahreszyklus spielt die Zahl Sieben eine maßgebliche Rolle und erinnert das jüdische Volk stetig wiederkehrend an die Meilensteine seiner Geschichte: An Pessach wird sieben Tage lang der Auszug aus Ägypten gefeiert. Im Anschluss daran folgt nach sieben Wochen Schawuot, bei dem an die Gabe der Tora gedacht wird. Pessach markiert das Ende der Knechtschaft Israels in Ägypten, Schawuot die Geburtsstunde der Juden als Volk des Buches.

Der Rückzug der Juden aus der Betriebsamkeit der sechs Tage der Woche am Schabbat ist Rückbesinnung auf die Schöpfung. So leitet sich das hebräische Wort für sieben – scheva – von dem Wort schav ab, das auf Deutsch »zurückkehren« heißt. Wie der Schabbat so erinnert auch das alle sieben Jahre wiederkehrende Schmitta-Jahr die Juden an das Schöpfungswerk. Die Äcker ruhen, und was dennoch gedeiht, kommt den Armen zugute.

Und nach dem siebten von sieben Schabbatjahren, also nach 49 Jahren, kommt es zum Jowel- oder Erlassjahr. Gemäß der Tora werden dann alle Schulden erlassen und die Sklaven befreit.
Die Zahl Sieben, symbolisiert durch den Buchstaben Sajin, steht für die Perfektion des Schöpfungswerks und der natürlichen Ordnung. Die Beschneidung des Jungen am achten Tag nach seiner Geburt kann sinnbildlich für den Bund Israels mit Gott, der über die natürliche Ordnung der Sieben hinausgeht, verstanden werden.

Sajin Das Wort Sajin – es wird genauso geschrieben wie der Buchstabe – bedeutet im biblischen Hebräisch jedoch auch Waffe. Im Bericht von der Eroberung Jerichos im Buch Jehoschua ist die Zahl Sieben mit zerstörerischer Kraft aufgeladen: Sechs Tage lang zogen die Israeliten rund um die Festungsmauern der Stadt, angeführt von sieben Priestern, ausgestattet mit jeweils einem Schofar. Am siebten Tag umrundeten die Israeliten die Festung siebenmal, und die Priester bliesen siebenmal ihr Schofar. Daraufhin stürzten die Mauern ein, und die Israeliten überfielen die Stadt.

Traditionen und Rituale in Verbindung mit der Zahl Sieben haben bis in unsere Zeit überdauert. Bei einer jüdischen Hochzeit umkreist die Braut den Bräutigam siebenmal, und dem Hochzeitsmal gehen sieben Segenssprüche voraus.
Der Zahl Sieben wird in der jüdischen Tradition unter allen Zahlen wohl die exponierteste Stellung zu Teil.

Jedoch nicht nur dort. Werden in psychologischen Experimenten die Probanden nach einer beliebigen Zahl zwischen eins und zehn gefragt, nennen sie am häufigsten die Sieben. Auch gilt sie als die am meisten verbreitete Lieblingszahl. Vielleicht ist es daher kein Zufall, dass in der Gematria, der jüdischen Zahlenlehre, das Wort »Gad« (hebräisch: Glück) den Zahlenwert sieben hat.

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