Wieso, weshalb, warum

Darkei Schalom

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

Aktualisiert am 17.06.2016, 12:13 – von Noemi BergerNoemi Berger

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Darkei Schalom« heißt auf Deutsch »Wege des Friedens«. Dieser Begriff ist in erster Linie ein juristischer Ausdruck und hat seinen Ursprung in der Mischna (Gittin 5,8). Dort finden wir eine Erweiterung des Begriffs: »Mipnei Darkei Schalom« – »um der Wege des Friedens willen«.

In dem Mischnaabschnitt werden verschiedene rechtliche Auslegungen (Halachot) aufgelistet, die dazu beitragem sollen, Streitigkeiten und Auseinandersetzungen innerhalb der Familie, aber auch mit anderen Mitmenschen in unserer Umgebung zu vermeiden. So verlangt die Mischna, dass »um des Friedens willen« auf Feldern jüdischer Bauern auch nichtjüdische Unbemittelte die Nachlese einsammeln dürfen. Der Talmud führt aus: »Wir verpflegen gleichermaßen nichtjüdische und jüdische Bedürftige, besuchen ebenso ihre Kranken wie die jüdischen Kranken (...) um der Wege des Friedens willen«.

Frieden Im Talmud finden wir auch den Terminus »Mischum Ejwa« – »wegen der Feindseligkeiten«. Einige aschkenasische Kommentatoren meinen, dass dieser Begriff in etwa das Gleiche bedeutet wie Mipnei Darkei Schalom. Demnach solle »Mischum Ejwa« so interpretiert werden, dass es zu einem positiven Streben nach Frieden und guten Beziehungen führt.

So gesehen, meint der Talmud: Wenn wir nichtjüdische Arme nicht ebenso versorgen und verpflegen wie die jüdischen, dann ziehen wir den Groll und die Verachtung der Andersgläubigen auf uns und werden sogar von ihnen bestraft.

Rabbiner David Zwi Hoffman (1843–1921), der Rektor des Rabbinerseminars zu Berlin, legte allerdings überzeugend dar, dass Mipnei Darkei Schalom generell bedeutet, man solle den Frieden in der Welt als ein positives Ideal fördern. Er bezieht sich auf Maimonides, unseren maßgeblichen mittelalterlichen Kommentator Rambam (1135–1204), der diese Forderung unter anderem mit einem Vers aus den Sprüchen Salomons erläutert: »Ihre Wege (die Wege der Tora) sind liebliche Wege, und alle ihre Pfade sind Frieden« (3,17).

Was aber ist der Sinn von Darkei Schalom genau? Werden wir nur aufgefordert, pragmatisch zu sein und gute, zivilisierte, anständige Beziehungen zu anderen zu pflegen, oder ist Darkei Schalom eine bestimmte Verhaltensweise?

Haschem Der Rambam versteht Darkei Schalom offenbar als eine Art von Verhalten, das vom jüdischen Volk erwartet wird, denn er zitiert auch: »Haschem, G’tt, ist gütig und barmherzig gegenüber all Seinen Geschöpfen« (Tehillim 145,9).

Da sich der Rambam mit seiner Forderung von Darkei Schalom auch auf diese Verse stützt, wird offensichtlich: Mit unseren Mitmenschen und Nachbarn in Frieden zu leben, ist kein pragmatischer Akt der Selbsterhaltung, sondern ein solches Verhalten wird von toratreuen Juden erwartet.

Angesichts dessen, dass der Rambam und seine Familie tyrannischen Fanatikern ausgesetzt waren, ist es umso bemerkenswerter, dass er in der Lage war, Terror und Exil mit einer Haltung der Tora zu erwidern – einer Einstellung pro Frieden und Wohlwollen.

Der Rambam kodifiziert in seinem Werk Jesodei Hatora (5,11) das zwischenmenschliche Verhalten, das die Tora von uns verlangt: »Ein Weiser redet mit anderen wertschätzend, verhält sich sozial, empfängt sie zuvorkommend, auch wenn er von ihnen gedemütigt wird (...). Ein solcher Mensch heiligt (...) den Namen G’ttes. Über ihn heißt es: ›Du bist Mein Knecht, Jisrael, durch den Ich verherrlicht werde‹« (Jeschajahu 49,3).

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