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Schidduch

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

24.07.2014 – von Noemi BergerNoemi Berger

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Unter einem Schidduch stellen sich Außenstehende oftmals eine arrangierte, von vornherein von anderen aufgezwungene Ehe im Judentum vor. Aber das ist nicht der Fall, solche Verbindungen sind im Judentum nicht erlaubt. Im Gegensatz zu manchen Meinungen und Vorurteilen wird auf keinen der Beteiligten ein Druck zu einer Heirat ausgeübt.

Schidduch ist ein hebräisches Wort und bedeutet »Vorstellen«, »Einführen«, »Verhandeln«. Es ist ein Arrangement, bei dem zwei Juden einander vorgestellt werden, mit der Erwartung, dass sie ein »kompatibles« Paar bilden und nach dem Prinzip der Tora »Seid fruchtbar und mehret euch« (1. Buch Mose. 9,7) heiraten und glücklich miteinander leben könnten.

Mizwot Junge, gesetzestreue Männer und Frauen beginnen über eine gemeinsame Zukunft häufig schon im Alter von 17 oder 18 Jahren nachzudenken. Zu heiraten, Kinder zu bekommen und sie zu erziehen, sind zwei der wichtigsten Mizwot im Judentum. Allerdings gibt es bei orthodoxen Juden nicht viele Möglichkeiten für eine Interaktion zwischen den Geschlechtern. Mädchen und Jungen werden üblicherweise in den jeweiligen Schulen der gesetzestreuen Einrichtungen voneinander getrennt unterrichtet und haben auch in der Synagoge getrennte Plätze.

Deshalb verlassen sie sich in der Regel auf jemand anderen, der ihnen hilft, die notwendigen Arrangements zu treffen, damit sie die Liebe ihres Lebens so schnell wie möglich finden. Oft sind es Elternpaare, die einander kennen und Kinder im etwa gleichen Alter mit ähnlichen Hintergründen, Interessen und Einstellungen haben, die den Schidduch arrangieren. Allerdings hat sich auch im Laufe der Zeit eine mehr formelle und professionelle Herangehensweise entwickelt.

So manche Menschen in der jüdischen Gemeinde widmen ihr Leben mit großer Leidenschaft dem ehrenamtlichen oder auch professionellen »Matchmaking«. Der hebräische Begriff dafür ist Schadchan, »Ehe-Anbahner«. In der Regel sind es Frauen, aber auch einige Männer sehen ihre Lebensaufgabe im »Schadchenen«. Junge Männer und Frauen, die gerne jemandem Geeigneten vorgestellt werden möchten, suchen einen Schadchan auf. Sie erläutern ihm ihren familiären und sonstigen Hintergrund, ihre Interessen, ihre Perspektiven und beschreiben die Art von Person, mit der sie den Rest ihres Lebens teilen möchten.

Anwärter Der Schadchan oder Schadchen führt eine Liste von jungen Männern und Frauen samt grundlegenden Informationen über sie. Sie oder er wird aufgrund der Informationen jemand Geeigneten suchen und den Kontakt zu dem potenziellen Mann oder der Frau herstellen. Wenn die Familie und die beteiligten »Anwärter« mit den Ergebnissen zufrieden sind, wird ein Treffen arrangiert. Üblicherweise findet dies in der Wohnung eines Elternteils statt, gelegentlich werden auch öffentliche Orte wie ein Café gewählt.

Je nach den Informationen des Schadchens wird erwartet, dass die Entscheidung der Männer und Frauen, ob sie die Richtigen füreinander sein könnten, ziemlich schnell getroffen wird. Diese Treffen und Gespräche können drei oder vier Mal stattfinden, bevor schließlich eine Verlobung ins Haus steht. Für Kinder sehr religiöser Rabbiner kann es auch nur ein einziges Treffen sein. Andererseits gibt es Paare, die sich zehn- oder 20-mal treffen werden.

Dabei spielt aber auch die körperliche Anziehung eine durchaus wichtige Rolle. Wenn die Frau oder der Mann denken, dass ihr Treffen keine langfristige Perspektive in Aussicht stellt, so müssen sie dies nicht einmal der anderen Person mitteilen, sondern sie können den Schadchen einfach darüber informieren, und dieser wird dann ein nächstes Treffen mit einem nächsten infrage kommenden Partner arrangieren. Wenn jedoch das Paar aneinander Gefallen gefunden hat, wird der Schadchen über den Erfolg informiert – einer Chuppa steht dann nichts mehr im Wege.

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