Wieso Weshalb Warum

Fleisch und Milch

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

30.05.2014 – von Noemi BergerNoemi Berger

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Manche Festtage verbinden wir mit einem bestimmten Geschmack. In Bezug auf Schawuot sind es zweifelsohne Milchspeisen. Die volkstümliche Erklärung, warum wir an Schawuot Milchiges essen, hängt mit der Offenbarung am Berg Sinai zusammen: Unsere Vorfahren erhielten mit der Tora auch die Speisevorschriften.

Sie hatten verstanden, dass ab jetzt Tiere halachisch korrekt zu schlachten sind und das Fleisch danach koscher gemacht werden muss. Das war kompliziert. Also entschied sich das Volk, an jenem Tag der Toraübergabe milchige Speisen zu essen. Wir wiederholen das bis heute, indem wir Jahr für Jahr diesen Brauch pflegen.

Halacha Die Vorschrift, Fleisch und Milch nicht miteinander zu vermischen, geht zurück auf den Toravers »Du sollst nicht kochen das Böcklein in der Milch seiner Mutter« (2. Buch Mose 23,19 und 34,26 sowie 5. Buch Mose 14,21). Weil dieser Satz in der Tora dreimal vorkommt, wurde er von den Rabbinen so ausgelegt: Fleisch und Milch dürfen nicht zusammen gegessen, nicht zusammen gekocht und nicht zusammen aufbewahrt werden.

Nach dem Genuss von Fleisch muss man, je nach örtlichem Brauch, mindestens drei bis sechs Stunden warten, bis man Milchiges zu sich nehmen darf. Umgekehrt muss, wer Milchspeisen gegessen hat, ein bis drei Stunden warten, bis er Fleisch essen kann.

Die Vorschrift, Fleisch und Milch zu trennen, erstreckt sich sogar auf das gemeinsame Essen bei Tisch: Wenn zwei Personen unterschiedliche Speisen zu sich nehmen – die eine milchig, die andere fleischig –, ist das gemeinsame Essen dann erlaubt, wenn man eine Art Trennlinie zwischen ihnen platziert. Dies gilt jedoch nur, wenn diese Menschen einander kennen.

Geschirr Zum Kochen von Fleisch und Milch verwenden wir getrennte Koch- und Geschirrutensilien: Jeder koschere Haushalt besitzt also einen Satz für Milch- und einen für Fleischprodukte und sogar einen für parve, also neutrale Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Eier und koschere Fische. Milchiges und fleischiges Geschirr müssen voneinander getrennt aufbewahrt werden.

Fleisch und Fisch sollen nicht zusammen gegessen werden. Doch kann Fisch entweder in einem milchigen oder einem fleischigen Topf zubereitet und mit dem Besteck verzehrt werden, das dem »Status« des Topfes entspricht, in dem der Fisch gekocht wurde. Nach einer Meinung im Talmud kann der gleichzeitige Verzehr von Fleisch und Fisch körperliche Beschwerden verursachen. Deshalb solle man etwas dazwischen essen oder trinken.

Während also Fleisch und Fisch innerhalb einer Mahlzeit gegessen werden dürfen, werden sie dennoch in getrennten Gängen serviert. Für den Fischgang gibt es frische Teller und Besteck. Tatsächlich mag dies die Quelle für einen der angenehmsten jüdischen Bräuche sein: ein L’Chaim auf ein wenig Schnaps zu sagen, den man während der Schabbatmahlzeit zwischen dem Fisch und dem Fleisch genießt.

Spüle Ein koscherer Haushalt sollte eine Spüle für Milch- und eine für Fleischgeschirr besitzen. Ist nur ein Spülbecken vorhanden, kommt eine Kunststoffwanne zum Einsatz. Geschirrspüler dürfen nach dem maßgeblichen Dezisor Raw Mosche Feinstein sowohl für milchige als auch für fleischige Utensilien verwendet werden.

Allerdings ist der Abfluss vor dem Einschalten zu reinigen, und es sind getrennte Schubladen für das Geschirr nötig. Es wird empfohlen, zwischen dem Spülen von milchigem und fleischigem Geschirr die Spülmaschine unter Verwendung eines Reinigers leer durchlaufen zu lassen.

Kühl- und Gefrierschrank können sowohl für Milch- als auch für Fleischprodukte verwendet werden. Doch muss man darauf achten, dass nichts Milchiges auf die Fleischprodukte tropft und umgekehrt.

Die Speisegebote sind zwar hygienisch begründbar, aber die Rabbiner betonen, dass ihr eigentlicher Grund die Erfüllung von G’ttes Willen ist.

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