Wieso, weshalb, warum

Bikur Cholim

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

25.07.2013 – von Noemi BergerNoemi Berger

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Der hebräische Begriff Bikur Cholim bedeutet, »die Kranken zu besuchen«. Er umfasst eine breite Palette von Aktivitäten einzelner Personen oder einer Gruppe. Dabei geht es darum, Menschen, die krankheits- oder altersbedingt, vielleicht auch aufgrund körperlicher oder seelischer Behinderungen, in Bedrängnis oder Not und damit oft sozialer Isolation ausgesetzt sind, Trost und Unterstützung zu spenden.

Alle Tätigkeiten, die im Zusammenhang mit Bikur Cholim stehen, sind eine Mizwa, eine moralische und spirituelle Verpflichtung für alle Juden. Die Tora sagt, dass der Mensch nach dem Ebenbild G’ttes erschaffen wurde, und weist uns an, deshalb nach G’ttes Wegen zu trachten. Gemäß dem Midrasch besuchte G’tt Awraham, während er sich nach seiner Beschneidung erholte (1. Buch Mose 18,1). Der Talmud lehrt uns: »So wie Er (G’tt) die Kranken besuchte, so müssen auch wir Kranke besuchen.«

Tugend Bikur Cholim ist ein wesentlicher Bestandteil der zwischenmenschlichen Beziehungen. Er spiegelt die primäre biblische Tugend: »Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Buch Mose 19,18). Durch die Erfüllung dieser Mizwa bereichern wir unser Leben und das Leben derer, die wir besuchen, zutiefst, denn wir erreichen eine spirituelle Dimension, die weit über einen einfachen persönlichen Ausdruck der Fürsorge hinausgeht. Sie verbindet uns mit den vergangenen Generationen und denen der Gegenwart und Zukunft. In der Tat sind wir in unserem Bestreben, g’ttliche Attribute des Mitgefühls und der Gnade anzustreben, nicht nur mit dem gesamten jüdischen Volk, sondern mit der ganzen Menschheit verbunden.

Die örtliche Bikur-Cholim-Gesellschaft war eine der wichtigsten Institutionen, die jüdische Gemeinden etabliert hatten. Die Gründung einer ersten solchen Einrichtung ist uns aus der Zeit des Mittelalters bekannt. Bikur Cholim ist wichtig, weil Menschen, wenn sie krank oder ans Haus gefesselt sind, das Gefühl brauchen, mit der Gemeinschaft verbunden zu sein. Besuche heben die Stimmung derer, die glaubten, vergessen worden zu sein.

Hoffnung Oft sieht der Kranke nur die Ausweglosigkeit und keine Zukunft, auf die er sich in seinem Leben freuen kann. Indem wir die Patienten ermutigen, geben wir ihnen in ihrem Kummer die Hoffnung auf einen neuen, helleren Morgen. Studien haben gezeigt, dass soziale Kontakte und Unterstützung diejenigen positiv beeinflussen, die krank und schwach sind und Trost brauchen. Aber Bikur Cholim hilft auch beim Aufbau der Gemeinschaft und festigt sie.

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten und Gesten der Fürsorge. Man kann einen Patienten im Krankenhaus, Pflegeheim oder zu Hause besuchen, ältere oder kranke Menschen insbesondere vor Schabbat anrufen, einer Familie mit einem neugeborenen Baby Essen bringen, Besorgungen verrichten, jemanden zu einem Arzttermin fahren, einem Kind, dessen Eltern im Krankenhaus sind, bei den Hausaufgaben helfen, Psalmen rezitieren oder dies auch mit dem Kranken gemeinsam tun – und vor allem: ein guter Zuhörer sein.

Bikur Cholim erfordert Geschick im Umgang mit den Kranken. Im Kitzur Schulchan Aruch werden Richtlinien für die wirksame und fürsorgliche Kommunikation und den Umgang mit Kranken angeführt. In einem chassidischen Werk finden wir folgende Aussage: »Wenn wir keinerlei Taten vollbringen, haben wir kein Verständnis. Je größer unsere guten Taten, desto größer ist unser Verständnis.« Unsere Generation, wie auch jene vor und nach uns, wird danach beurteilt werden, wie wir den Kranken und Verletzten zuhören, und danach, wie wir uns um sie kümmern.

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