Berlin

Jüdische Kulturtage müssen Hauptausstellung absagen

Die Jüdischen Kulturtage locken viele Besucher an. (Archivbild) Foto: Omer Messinger

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin muss die Hauptausstellung der diesjährigen Jüdischen Kulturtage absagen. Für die Schau »Super Hero. Was macht einen Menschen zum Helden?« fehlen 150.000 Euro, nachdem beantragte Fördermittel aus dem Antisemitismus-Präventionsfonds nicht bewilligt wurden. Die Kulturtage selbst sollen vom 12. bis 22. November wie geplant stattfinden.

Die Gemeinde hatte die Mittel für die Eröffnungsveranstaltung und das koschere Streetfood-Festival beantragt. Nach Angaben des Gemeindesprechers gegenüber der Jüdischen Allgemeinen erfuhr die Gemeinde am 10. August von der Ende Juli getroffenen Entscheidung, dass die Förderung abgelehnt worden war. Die Senatskulturverwaltung verwies damals auf begrenzte Mittel im Aktionsfonds Antisemitismus sowie auf Förderungen für 33 andere Projekte in den Jahren 2026 und 2027.

In der Folge habe die Gemeinde intensiv nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten gesucht und unter anderem bei der Kulturverwaltung nachgefragt, so der Sprecher. Auch ein Appell an den Regierenden Bürgermeister von Berlin habe nicht dazu geführt, dass die fehlende Summe zugesagt wurde. Schließlich habe die Ausstellung aus dem Programm genommen werden müssen.

Im »Tagesspiegel« nannte eine Sprecherin der Kultursenatsverwaltung als einen Grund für die Entscheidung begrenzte Haushaltsmittel. Zudem verwies sie darauf, dass das nächste Streetfood-Festival der Gemeinde erst 2027 stattfinde, die beantragten Mittel aber für 2026 vorgesehen seien.

290.650 Euro sind bewilligt

Die Kulturverwaltung fördert die Jüdischen Kulturtage in diesem Jahr nach eigenen Angaben mit 290.650 Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Gemeinde zudem eine einmalige Förderung von 150.000 Euro aus dem Antisemitismus-Präventionsfonds erhalten.

Der Sprecher der Jüdischen Gemeinde Berlin sagte, für ihn sei die Absage der Förderung nicht nachvollziehbar. Drei Viertel der beantragten Summe seien für die Eröffnung und die Ausstellung vorgesehen gewesen, die im November 2026 stattfinden sollte. Eine inhaltliche oder qualitative Begründung der Fachjury für die Ablehnung habe die Gemeinde nicht erhalten. Die kurzfristig nicht zu schließende Finanzierungslücke habe schließlich die Streichung der Ausstellung erforderlich gemacht.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, kritisierte die Entscheidung scharf: »Jüdisches Leben wird politisch beschworen – und in der Realität fehlt das Geld dafür. Wenn jüdische Kultur ausgerechnet in diesen Zeiten gestrichen werden muss, ist das mehr als ein finanzielles Versagen: Es ist ein fatales politisches Signal.« ja

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