Lea Stein ist ein wenig unwohl in der Seilbahn, die hoch auf den Berg geht. Auch hat sie ihre Tabletten genommen, die gegen Depressionen, die gegen Herpes-Viren. Sie hat einen Plan: Wo sie als Autorin zu wenig verdient, um für sich und ihren Sohn demnächst als Alleinerziehende ein halbwegs gutes Leben zu führen, will sie bei einer Literaturagentur als Allrounderin anheuern.
Erwin Groß heißt folglich ihr Gegenüber, die Agentur gehört ihm, er hat Lea zu einem viertägigen Bewerbungsgespräch im Hotel eingeladen. »For free« natürlich, nur die Getränke muss Lea extra zahlen, was sich läppert. Wie ist ihr Kontostand?
So trifft man sich immer wieder neu zum guten Essen, von Freitag bis Montag. Man tastet sich ab, man sucht nach Schwächen. Erwin etwa liegt nachts pünktlich um drei Uhr schlaflos in seinem Bett, dabei müsste es ihm gut gehen: Als Ein-Mann-Unternehmen hat er seine Agentur gestartet, hat anfangs sein Büro gar selbst geputzt. Jetzt, Jahre später, hat er drei Eigentumswohnungen, die Titel seiner Autoren und Autorinnen werden oftmals preisgekrönt.
Um die mögliche Mitarbeit weiter anzubahnen, könnte man auf eine Lesung gehen, ja, hier im Hotel; einer seiner Autoren ist vor Ort, er müsste sogleich in der gut bestückten Bibliothek erscheinen. Nur wird daraus nichts werden, in einem weißen Bademantel liegt er in seinem Zimmer, in seinem bereits angetrockneten Blut: »Der Autor ist tot!« Dieser postmoderne Slogan hallt durch die Hotelhalle, über die Flure, durch die Küche, und die Lesung muss diesmal ausfallen.
Gespräche mit den Putzkräften zweier Hotels
All das wird begleitet wie kontrastiert von den Stimmen der Frauen, die in den Zimmern die Betten aufschütteln, die Laken wieder stramm ziehen und schauen, ob irgendwo ein wenig Trinkgeld liegt oder oft auch nicht – Slata Roschal greift dabei auf Gespräche mit den Putzkräften zweier Hotels zurück, die sie während der Arbeit an diesem Stoff geführt hat.
Doch es würde entschieden zu kurz greifen, wenn man ihren dritten Roman allein als allegorische Abrechnung mit dem Literaturbetrieb und seinem oftmaligen Ungleichgewicht zwischen den Schaffenden und den davon Profitierenden abheftet. Ist er doch viel mehr: das vielschichtige Porträt einer Frau, die an ihrem unbändigen Wunsch, mehr zu erreichen, als man ihr zubilligt, zu zerbrechen droht.
Und nicht zuletzt ist da wieder dieser betörende Slata-Roschal-Sound: Kaum ist man auf der letzten Seite angekommen, fängt man erneut an zu lesen.