Neuerscheinung

Albert Speer als Meister der Inszenierung

Albert Speer war ein Meister der Inszenierung, der Blendung und der Lüge – lange, bevor es den Begriff »Fake News« gab. Foto: picture alliance / SZ Photo

Aus der ganzen grobschlächtigen Entourage Adolf Hitlers stach Albert Speer als vermeintlich feinsinniger Intellektueller und Künstlertyp hervor. Das ist zumindest der Eindruck, den er beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess hinterließ. 

Als einziger der angeklagten NS-Verbrecher bekannte sich Hitlers Architekt und Rüstungsminister mitverantwortlich für die Gräuel des Regimes, eine persönliche Schuld allerdings lehnte auch er ab. Der französische Autor Jean-Noël Orengo setzt in seinem Roman »Der Architekt und der Führer« bei diesem Mythos Speers als »guter« Nazi an, den dieser selbst in seinen in der Haft geschriebenen Memoiren in die Welt setzte. 

Mythos Speers als »guter« Nazi

In reportageartigen, szenischen Bildern präsentiert Orengo den jungen Speer als Künstlerfreund des Führers. Zwei Männer, verbunden in der fantastischen Vision eines größenwahnsinnig umgestalteten Berlins als künftige nationalsozialistische Hauptstadt »Germania«. 

Wie leicht verschwand hinter diesen geschönten Bildern Speers sinistre Rolle als fanatischer Reichsrüstungsminister, der den Krieg mit aller Macht am Laufen hielt und damit Hunderttausende von Zwangsarbeitern in den Tod schickte. Orengo aber lässt Speer dies nicht durchgehen. Er zeigt den nach seiner Entlassung umjubelten Alt-Nazi als das, was er war: ein Meister der Inszenierung, der Blendung und der Lüge – und das lange, bevor es den Begriff »Fake News« gab.

Jean-Noël Orengo: Der Architekt und sein Führer, Rowohlt Verlag, Hamburg, 272 Seiten, 24,00 Euro

Berlin

733 Tage, 2 Stunden und 35 Minuten

Eine Ausstellung im Paul-Löbe-Haus erzählt von Verlust, Hoffnung und bleibenden Folgen in der Zeit zwischen dem 7. Oktober und dem Abkommen zur Freilassung der Geiseln

von Pascal Beck  09.10.2026

München

Simon Rattle bleibt bis 2033 Chef des BR-Symphonieorchesters

»Symphonischer Hoagascht« oder »Singen mit Sir Simon« hießen Projekte, die Sir Simon Rattle eingeführt hat. Die Arbeit mit dem Symphonieorchester des BR und seinem Chor sagt dem Chefdirigenten zu. Er hat nun verlängert

von Barbara Just  08.10.2026

Adania Shibli

Plattitüden in Romanform

Auch das zweite auf Deutsch erschienene Buch der palästinensischen Autorin weist einen holzschnittartigen Charakter auf

von Enno Stahl  08.10.2026

Prag

Spätes Debüt

Der Schriftsteller Eli Beneš gilt als bekannteste literarische Stimme der Juden in Tschechien. Sein Roman über einen Schoa-Überlebenden machte ihn zum preisgekrönten Autor. Eine Begegnung

von Kilian Kirchgeßner  08.10.2026

Literatur

»Es gibt zwei Seiten«

Zur Frankfurter Buchmesse ruft die israelische Autorin Orna Landau gegen den Boykott von Büchern auf: »Entscheidet euch für Wissen«

von Ayala Goldmann  08.10.2026

Literatur

Geistige Freiheit

Tschechien ist Ehrengast der Buchmesse. Unser Autor erinnert an die Zeit nach dem Prager Frühling, als Bücher in seiner Heimat als »Samisdat« im Untergrund erschienen

von Jan Faktor  08.10.2026

Nahost

Die Geschichte eines Krieges

Shahrzad Eden Osterer und Richard C. Schneider analysieren den Konflikt zwischen Israel und Iran – und die Rolle der involvierten Proxy-Armeen

von Eva M. Grünewald  08.10.2026

7. Oktober

Maxim Biller und die Barbaren

In »Schwarze Samstage« kämpft der Schriftsteller mit den Folgen des Massakers in Israel – und zieht eine harte Linie zwischen Juden und »Gojim«

von Tobias Kühn  07.10.2026

TV-Tipp

»Phoenix« - herausragender Film über eine Holocaust-Überlebende

Christian Petzolds grandiose Parabel auf Deutschland im »Jahre Null«

von Felicitas Kleiner  07.10.2026