Makkabi

»Und da hat er sein Messer herausgeholt«

Herr Schnabel, am 26. September wollten Sie mit dem Tennisteam von Makkabi Frankfurt um den Aufstieg in die nächsthöhere Liga spielen. Am Ende sind Sie vom gegnerischen Trainer mit dem Messer bedroht worden. Was ist passiert?
Tobias Schnabel: Es war ein Aufstiegsspiel, daher hatte es ein bisschen mehr Brisanz als normale Ligaspiele. Aber in den vier Einzelspielen war nichts Erwähnenswertes passiert. Der Trainer des Höchster THC, Javad Arasteh, hatte auf der Bank Platz genommen, was völlig okay ist. Er hat sich allerdings immer wieder ins Spiel eingemischt. Das ist unangenehm aufgefallen.

In anderen Sportarten sind brüllende Trainer normal.
Tobias Schnabel: Mag sein. Aber Herr Arasteh hat sich auch in das Geschehen auf anderen Plätzen eingemischt. Ich spielte mit meinem Doppelpartner auf Platz zwei, Arasteh saß auf der Bank auf Platz eins, und als es in unserem Spiel eine kleine Debatte über einen Ballabdruck gab – raus oder Linie –, da rief er schon rüber: »Immer das Gleiche mit euch.« Ich hatte dann zurückgerufen, er solle sich doch raushalten.

Wie kam es dann zur Messersituation?
Tobias Schnabel: Arasteh hatte sich von seiner Bank wegbegeben und auf eine Treppe vor der Vereinsgaststätte gestellt und dort auf uns gewartet. Es hatte angefangen zu regnen, da unterbrachen wir das Spiel und wollten uns vor dem Klubhaus unterstellen. Wir mussten also die Treppe hoch gehen, auf der Arasteh stand. Da hat er mich mit seinen Blicken quasi verfolgt, es war ein wirklich scharfer Blick. Ich hatte ihn gefragt, warum er mich anschaut, als ob er mich verprügeln wolle. Wir standen uns dann gegenüber, Gesicht zu Gesicht – und da hat er sein Messer herausgeholt.

Und Sie damit bedroht?
Tobias Schnabel: Ich hatte das Messer nicht gesehen. Mein Doppelpartner hatte es gesehen. Das ist einer, der auch von der Statur was hermacht, und er ist gleich dazwischen gegangen und hat Arasteh angebrüllt.

Was für ein Messer war es?
Tobias Schnabel: Ein Klappmesser, das nicht aufgeklappt war. Aber ich habe mir nachträglich erklären lassen, dass so ein Messer mit entsprechender Bewegung schnell aufklappt.

Und weiter?
Tobias Schnabel: Er hat das Messer in die Hose gesteckt und ist zurückgegangen. Es bestand keine akute Gefahr.

Waren keine Zeugen da?
Tobias Schnabel: Doch, ganz viele. Es waren etwa 50 bis 60 Zuschauer da. Einige haben das Messer auch gesehen – nicht nur Zuschauer von Makkabi, auch welche von Höchst. Es haben einige das Messer gesehen. Aber er hat behauptet, er habe kein Messer. Wir haben ihn lautstark aufgefordert, seine Taschen zu leeren. Er holte sein Handy heraus und sagte, mehr habe er nicht. Dann ist er ganz schnell weggelaufen.
Alon Meyer: Dass er weggelaufen ist, stellt doch eine Art Schuldanerkenntnis dar.

Sie haben mittlerweile Strafanzeige gestellt?
Tobias Schnabel: Ja, es hat auch schon eine Befragung stattgefunden – mit Zeugen auf beiden Seiten.

Wie erklären Sie sich den Hass?
Tobias Schnabel: Ich kannte den Mann vorher nicht, es kann nichts Persönliches sein. Auf die Vermutung, dass hier jemand seinen Antisemitismus ausgelebt hat, hat mich die Polizei gebracht. Auf Arastehs Facebook-Seite finden sich viele anti-israelische Einträge, welche er inzwischen gelöscht hat. Sie liegen uns noch vor. Einmal hat er dort auch die Entscheidung eines iranischen Ringers, nicht gegen Israelis antreten zu wollen, gelobt. Die Strafanzeige ist jetzt auch an den Staatsschutz weitergegeben worden.

Und Sie, Herr Meyer?
Alon Meyer: Ich versuche, es mir zu erklären, aber ich kann es nicht. Nachdem wir die Social-Media-Einträge von Herrn Arasteh gesehen haben, liegt die Vermutung nahe, dass hier wieder einmal der Konflikt des Nahen Ostens importiert wurde und wir in die Gesamthaftung des einzigen jüdischen Staates weltweit genommen wurden.

Im Fußball geschehen solche Angriffe gegen Makkabi häufiger. Hat es das im Tennis schon einmal gegeben?
Alon Meyer: Nein, in einem solchen Ausmaß gab es das noch nie. Ich bin wirklich schockiert und fassungslos.

Arasteh war vorher nicht aufgefallen?
Tobias Schnabel: Mir gegenüber nicht. Aber wir haben ja mittlerweile viele Gespräche geführt. Und alle, die ich sprach, die ihn kannten, sagten, dass sie nicht wirklich verwundert waren. Das betrifft nicht einen eventuellen Antisemitismus, aber seine Art, mit jugendlichen Tennisspielern zu arbeiten.

Hat sich der Höchster THC bei Ihnen gemeldet?
Tobias Schnabel: Ich hatte unmittelbar danach ein Gespräch mit dem Präsidenten des THC, und zwei Tage später trafen wir uns: mein Vater und ich, der Präsident und eine Rechtsanwältin, die auch zum Präsidium gehört. Da hatten sie gesagt, dass sie uns verstehen, und kündigten Konsequenzen an. Viel ist aber nicht passiert.
Alon Meyer: An einem Sonntag passierte der Vorfall. Erst drei Tage später wurde ich vom Präsidenten des Höchster THC per E-Mail und am Tag drauf telefonisch kontaktiert, und er entschuldigte sich später dann auch schriftlich für die »Vorkommnisse«, aber ohne die Tat als solche, nämlich eine Messerbedrohung, doch beim Namen zu nennen.

Und der Verband?
Alon Meyer: Unser Einspruch wurde abgelehnt, die Berufung wurde abgelehnt, und der Höchster THC ist somit aufgestiegen. Der Höchster THC wird Herrn Arasteh im Winter weiterhin erlauben, auf deren Anlage zu trainieren, und will sich erst im Sommer nächsten Jahres von ihm trennen. Unsere Forderung nach einem Disziplinarverfahren gegen den Höchster Trainer wurde vom Verband abgelehnt, weil die Messerbedrohung in einer Spielunterbrechung (Regenpause) stattfand. So etwas ist inakzeptabel und setzt ein falsches Zeichen seitens des Hessischen Tennisverbandes.

Haben Sie das schon einmal erlebt?
Alon Meyer: Nein, nicht vom Verband. Dass ein Spieler uneinsichtig ist, dass ein Verein uneinsichtig ist, das gab es schon. Aber dass der Verband eine Messerbedrohung nicht verfolgen will, das hätte ich nicht für möglich gehalten.

Und was war mit den Spielen, die wegen Regen unterbrochen wurden?
Tobias Schnabel: Die wurden neu angesetzt, obwohl wir vor dem Regen geführt hatten. Der TuS Makkabi Frankfurt ist aber zu dieser Fortsetzung nicht angereist. Ich konnte da nicht spielen, ich hätte mich extrem unwohl gefühlt.

Wie geht es jetzt weiter?
Alon Meyer:
Wir wenden uns jetzt an den Deutschen Tennis-Bund, denn eine andere Wahl haben wir wohl nicht, um solch eine Tat nicht folgenlos geschehen zu lassen. Solch eine Messerbedrohung gehört nicht in unsere Gesellschaft und schon gar nicht von einem Vereinstrainer auf einen Tennisplatz!

Mit dem Tennisspieler Tobias Schnabel und dem Präsidenten von TuS Makkabi Frankfurt, Alon Meyer, sprach Martin Krauß.

Nachtrag:

Der im Text des Interviews erwähnte Trainer des Höchster THC, Javad Arasteh, hat unsere Redaktion darüber in Kenntnis gesetzt, dass die beschriebene »Messerattacke« nicht nachweislich stattgefunden habe, er dies vielmehr bestreite. Auch sei der durch das Interview erweckte Eindruck, dass der »Täter« bereits überführt sei, falsch.

Wir veröffentlichen diesen Nachtrag freiwillig und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht.

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