Ernst Ludwig Ehrlich Haus

Treffpunkt für Begabte

Kaum angekommen und schon volles Programm. Dabei ist es gerade einmal ein paar Monate her, dass die 16 Mitarbeiter des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (ELES) die frisch renovierten Büros sowie den Veranstaltungsraum im Ernst Ludwig Ehrlich Haus im Berliner Ortsteil Moabit beziehen konnten. Es riecht nach frischer Farbe, durch die großen Fenster fällt helles Sommerlicht.

Und obwohl nur wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, strahlen die Räume eine Atmosphäre der Ruhe aus. Denn das Gebäude befindet sich in einem parkähnlichen Gelände mit vielen alten Bäumen. »Für uns hat der Einzug in das Ernst Ludwig Ehrlich Haus eine ganz klare Signalwirkung«, erklärt Jo Frank, Geschäftsführer von ELES. »Und zwar sowohl nach innen als auch nach außen.«

Schließlich manifestiert sich dadurch der Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte des 2009 ins Leben gerufenen Studienwerks, das seit seiner Gründung mehr als 580 jüdischen Studierenden und Promovierenden mit seinen Förderangeboten unter die Arme gegriffen hat. »Die Phase des Aufbaus dürfte nun endgültig abgeschlossen sein«, ist Frank sicher. »Jetzt beginnt die Zeit der Konsolidierung.«

Auch für ihn persönlich ist das ein sehr emotionaler Moment. »Ein eigenes Haus stand schon eine ganze Weile oben auf unserer Agenda«, betont Frank. »Schließlich waren wir längst aus den alten Räumlichkeiten am Savignyplatz herausgewachsen.« Und von Anfang an war mehr als nur ein bloßer Sitz für die Verwaltung des Begabtenförderungswerks geplant. »Zum einen sollte architektonisch der Anspruch von ELES widergespiegelt werden, gesamtgesellschaftlich agieren zu wollen.«

Selbstbewusstsein Damit möchte man zugleich das gewachsene Selbstbewusstsein des Begabtenförderungswerks zum Ausdruck bringen. »Zum anderen können wir nun unseren Studierenden einen Ort der Begegnung anbieten, an dem Konferenzen stattfinden und wo man sich vernetzen kann«, sagt Frank. »Oder einfach nur informelle Treffen.«

Insbesondere die Diskussionsformate planen die Organisatoren weiter auszubauen. »Aktuell beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema jüdische Kunst.« Derzeit finden bis September zahlreiche Veranstaltungen im Rahmen der Reihe »Hashtag Babel 21 – Migration und jüdische Gemeinschaft« statt. Sogar für Schabbatonim gibt es im Haus reichlich Platz.

Zur Verfügung stehen außerdem eine koschere sowie eine nichtkoschere Küche. Und auch der Bereich »Dialogperspektiven: Religionen und Weltanschauungen im Gespräch«, ein Programm von ELES zur Etablierung innovativer Formen des interreligiösen und weltanschaulichen Dialogs, das sich an alle 13 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten Begabtenförderungswerke richtet, soll weiter ausgebaut werden. Dafür sind die Räume nicht nur optimal geschaffen, sondern stehen geradezu symbolisch für das Selbstverständnis von ELES.

Schinkel Das Areal, auf dem sich das Ernst Ludwig Ehrlich Haus befindet, ist mehr als nur ein architektonisches Kleinod. Kern des Gebäudeensembles ist die von Karl Friedrich Schinkel entworfene und 1835 fertiggestellte Johanniskirche, ein schlichter Backsteinbau in Alt‐Moabit.

Hinzu gesellten sich im Laufe der Jahre eine Gemeindeschule, der knapp 48 Meter hohe frei stehende Glockenturm sowie eine Vorhalle mit Arkadengang, was dem Ganzen einen italienischen Touch verleiht. In den 1860er‐Jahren kam das Pfarrhaus hinzu. »Darin befand sich zuletzt eine Anwaltskanzlei«, erklärt Lina‐Mareike Dedert, Verwaltungsleiterin von ELES.

»Dann suchte der Evangelische Kirchenkreis Berlin Stadtmitte nach neuen Nutzern, die zu seiner Ausrichtung passen«, denn aufgrund der veränderten demografischen Struktur des Bezirks wollte man die Gemeinde interreligiös aufstellen.

Dialog So kam ELES ins Gespräch. »Durch all das bieten sich wunderbare Möglichkeiten, vor Ort und im Austausch mit anderen den interreligiösen Dialog aktiv mitzugestalten«, bringt es Frank auf den Punkt. Und das könnte spannend werden. Denn in einem Nebengebäude von St. Johannis hat die Ibn‐Rushd‐Goethe‐Moschee der Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates kürzlich ihre Tore eröffnet. »Wir verstehen uns als integraler Bestandteil unserer gesamten Umgebung«, erklärt Frank. »ELES selbst ist dabei immer offen und stellt sich für andere Gruppen als Plattform zur Verfügung.«

Dass sich das Ernst Ludwig Ehrlich Haus mitten in Berlin befindet, ist wichtig. »Die Stadt ist vor allem für jüdische Studenten unglaublich attraktiv geworden. Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland wird im gesamteuropäischen Kontext mittlerweile als sehr dynamisch und innovativ wahrgenommen.« Einen Ort, an dem alle zusammenkommen, hat sie nun gefunden: mitten in Moabit.

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