Porträt der Woche

Ganz der Musik verschrieben

Diana Goldberg brachte kürzlich ihre Debüt-Single heraus und gibt Instagram-Konzerte

von Katrin Diehl  26.02.2021 15:19 Uhr

»Mit meinem Song bin ich für die German Songwriting Awards in der Kategorie Pop nominiert worden«: Diana Goldberg (25) lebt in München. Foto: Christian Rudnik

Diana Goldberg brachte kürzlich ihre Debüt-Single heraus und gibt Instagram-Konzerte

von Katrin Diehl  26.02.2021 15:19 Uhr

Für alles, was passiert, gibt es einen Grund. Davon bin ich überzeugt. Und genauso überzeugt bin ich davon, dass es deutlich mehr Sinn ergibt, mit einem positiven Blick auf die Welt zu schauen, als immer genau dem Vorrang einzuräumen, was gerade nicht so gut läuft. Uns bleibt doch trotz alledem noch so viel! Es gibt so viele Möglichkeiten, dies oder jenes zu tun.

Dieses Corona-Jahr, das nicht wenige dazu gezwungen hat, einen Gang zurückzuschalten – ich denke einfach, die Menschheit hat das irgendwie gebraucht. Zum Runterkommen. Um sich eine Pause zu gönnen. Auch, um darüber nachzudenken, was man im Leben wirklich erreichen will, welche Ziele und Träume man umsetzen möchte. Das sind Fragen, die ich mir durchaus auch selbst gestellt habe, schon Anfang des vergangenen Jahres. Und das hatte erst einmal gar nichts mit Corona zu tun.

Ende 2019 habe ich hier an der Münchner TU meinen Masterabschluss in Health Science gemacht. Und dann habe ich einfach entschieden: Jetzt ist die Musik an der Reihe. Ihr gehören jetzt meine Energie, meine Kreativität, meine Zeit, meine Ideen. Nicht, dass ich nicht schon immer Musik gemacht hätte. Die Musik ist ein Teil von mir, seit ich denken kann.

Wie toll es ist, auf der Bühne zu stehen, habe ich zum ersten Mal bei der Jewrovision erlebt.

Geboren wurde ich 1995 in Stuttgart. Meine Familie ist dann aber sehr bald – da war ich gerade einmal drei Jahre alt – nach München umgezogen. Mit dem Klavierspielen angefangen habe ich mit fünf Jahren. Zwei Jahre später machte ich zum ersten Mal beim Wettbewerb »Jugend musiziert« mit – und dann alle zwei Jahre wieder. Ich nahm auch an anderen Wettbewerben teil, wie zum Beispiel dem »Steinway Wettbewerb«. Ich war also voll drin. Und, na klar, ich bin auch in der Gemeinde immer wieder aufgetreten, auch zusammen mit meinen Geschwistern – ich habe ja noch zwei ältere Brüder –, und wir haben dann vierhändig gespielt.

Meine Musikbegeisterung von klein auf hat sicher auch mit meiner Familie, meinen Eltern zu tun. Die sind beide promovierte Ingenieure, aber meine Mom hat sehr lange und sehr gut Klavier gespielt. Meine Oma war Schauspielerin und Sängerin, und dann habe ich noch einen Uronkel, der in der ehemaligen Sowjet-union eine richtige Geiger-Größe war.

FAMILIE Nach Deutschland sind meine Eltern in den 70er-Jahren ausgewandert. Ursprünglich stammt mein Dad aus Lettland. Dass er nach Deutschland gegangen ist, hatte damit zu tun, dass seine Familie eigentlich von hier stammte, meine Ururgroßeltern aber kurz vor dem Ersten Weltkrieg nach Lettland ausgewandert sind.

Meine Mom, die eigentlich aus Sankt Petersburg kommt, hat meinen Dad in Israel kennengelernt, und der hat sie dann sozusagen zu sich nach Deutschland mitgenommen. Und am Ende ist es eben München geworden.
Hier bin ich aufgewachsen. Hier wohne ich bis heute. In einer kleinen Wohnung, nicht weit von meinen Eltern entfernt. Und dann gibt es noch die Gemeinde, die sich für mich fast wie ein zweites Zuhause anfühlt. Schon als kleinstes Mädchen bin ich dorthin gegangen.

Irgendwann habe ich mich eingebracht, habe mich im Jugendzentrum engagiert, auch weil ich es richtig finde, dass man von dem, was man bekommen hat, auch wieder etwas zurückgeben sollte. Na klar war ich Madricha. Und mir hat das auch so richtig Spaß gemacht, für die Kinder sonntags ein Programm zusammenzustellen, sie zu motivieren, zu inspirieren, ihnen zu zeigen, dass es wichtig ist, an sich und seine Träume zu glauben, sie wahr werden zu lassen.

JEWROVISION Und all diese Jewrovisions! Dass es toll sein kann, auf der Bühne zu stehen und zu singen, hatte ich zum ersten Mal erfahren, da war ich so elf, zwölf. Da gab es in der Gemeinde einen Purim-Talentwettbewerb. Bei dem hatte ich mich zusammen mit meinem Bruder angemeldet. Oh mein Gott, war ich vor dem Auftritt aufgeregt! Denn da draußen saßen ja immerhin 200 Leute, und die wollten von diesem kleinen schüchternen Mädchen im Micky-Maus-Kostüm Leonard Cohens »Halleluja« hören.

Zusammen mit meinem Bruder hatte ich mich als Zwölfjährige bei einem Purim-Talentwettbewerb angemeldet.

Am Ende haben mein Bruder und ich tatsächlich gewonnen! Ich habe erfahren, welchen Spaß es machen kann, vor Publikum zu singen, aber auch, welchen Spaß es diesem Publikum machte, mir zuzuhören. Und das hat sich bei der Jewrovi-sion fortgesetzt und übrigens auch in der Band, die ich inzwischen zusammen mit meinem Bruder gegründet hatte. Durch die Jewrovision hatte ich die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche aus anderen Gemeinden, die wie ich gerne Musik machten, kennenzulernen. Musik hat uns verbunden.

AUSGLEICH Zum ersten Mal an einer Jewrovision teilgenommen habe ich 2011. »Follow your Dreams« hieß damals das Motto, und wir Münchner wurden Zweite, das Jahr darauf dann sogar Erste. Und 2018 in Dresden hatte man mich dann schon für den »Act« eingeladen.

Wer bei meinen diversen Machanot und Jewrovisions immer wieder meinen Weg gekreuzt hat, das war Joseph Feinstein. Joseph war für die Berliner sozusagen das, was ich für die Münchner war. Er war die Stimme für Berlin, ich die für München. Und unsere Jugendzentren führten ja ein paar Jahre lang auch so etwas wie eine Art »kleinen Battle«: Wer wird dieses Mal Erster? Wer Zweiter? Berlin? München? 2012 haben wir, Joseph und ich, dann auch zusammen im Eröffnungs-Act gesungen. Und es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass wir beide Musik »koproduziert« haben.

Mit Musik ging es weiter. Eigentlich heißt es ja immer, dass man sich für etwas entscheiden müsse, um wirklich voll konzentriert bei der Sache sein und Leistungen bringen zu können.

Bei mir war das irgendwie anders. Bei mir war diese Entscheidung nicht wirklich nötig. Uni und Musik gingen immer gut zusammen. Ich habe es als perfekten Ausgleich gesehen, nach der Uni noch in irgendwelche Jam-Sessions zu gehen und loszulegen. Und ich habe das auch während meiner Auslandssemester in Israel und England so durchgezogen.

Ich habe es als perfekten Ausgleich gesehen, nach der Uni noch in irgendwelche Jam-Sessions zu gehen und loszulegen.

Gerade in Israel während meines Studiums am Technion in Haifa – ich habe da meine Bachelor-Arbeit geschrieben – habe ich unglaublich viele tolle Musiker kennengelernt, und wir haben zusammen gute Musik gemacht, und viele von denen haben mir gesagt: »Wow, du hast so viel Talent, du musst das machen!« Und jetzt mache ich das.

Ich mache Musik voll fokussiert. 24 Stunden gehören der Musik. Na ja. Nicht ganz. Ab und zu muss man ja schließlich auch schlafen. Ich habe mich dem Gesang verschrieben. Und im Dezember kam sie heraus: meine Debüt-Single »Occupy Your Mind«.

NARZISSMUS Inhaltlich geht es darin um Narzissmus. Der Song ist aus der Sicht einer Narzisstin geschrieben. Solche Menschen werden ja schnell in eine Schublade gesteckt. Man sagt, okay, die sind halt meschugge.
Mein Song soll eine andere Sicht zeigen. Soll zeigen, dass sich hinter dem Narzissmus ein Mensch verbirgt. Ein Mensch, der wie jeder Mensch geliebt, wertgeschätzt werden will, der diese Liebe vielleicht nicht bekommt und deshalb überreagiert. Was meinen Musikstil anbelangt, ich würde ihn als eine Mischung aus Elektro-Pop und Soul mit rhythmischen Elementen beschreiben.

Diese Nominierung, und dass ich mich jetzt selbst im Radio hören kann, das sind absolute Highlights.

Mit »Occupy Your Mind«, meiner Debüt-Single, bin ich jedenfalls für die German Songwriting Awards in der Kategorie Pop nominiert worden, und für die »Süddeutsche Zeitung« gehörte ich zur »Band des Jahres«!
Und wer war wohl der Produzent und Co-Writer meiner ersten Single? Joseph Feinstein aus Berlin! Joseph hat inzwischen Musikproduktion studiert. Das heißt, er ist, genau wie ich, immer bei der Musik geblieben.

Diese Nominierung, und dass ich mich jetzt selbst im Radio hören kann, das sind absolute Highlights. Das ist sehr, sehr cool, und ich werde dieses Jahr auf jeden Fall noch mehr Singles veröffentlichen. Leute! Es wird dieses Jahr noch sehr viel Musik von mir zu hören geben, und mit meinen Live-Konzerten über Instagram wird es auch weitergehen.

IDEEN Ich habe noch so viele Ideen. In mir stecken noch so viele Texte. Wenn mich etwas berührt und ich fühle, das ist etwas, was auch andere berühren könnte, dann möchte ich darüber schreiben. Und sollte es auch nur für einen einzigen Menschen sein. Ja. Auch das gibt es. Manchmal schreibe ich einen Song nur für einen einzigen Menschen.

Aufgezeichnet von Katrin Diehl

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