Erfurt

Erfolg mit Beigeschmack

A-cappella: die »Maccabeats« in Erfurt Foto: Hendrik Krumbein / Achava

»Es war ein großartiges Konzert!«, schwärmt eine Besucherin. Die hippe jüdische A‐cappella‐Band »Maccabeats« aus den USA war zu Gast – gewiss einer der Höhepunkte der diesjährigen Achava‐Festspiele. »Wir sind angekommen!«, bilanziert Intendant Martin Kranz.

16.000 Besucher im vierten Jahr der Festspiele – das sei ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Podien, Schüler‐Panels, Eigenproduktionen mit großen Künstlern, Konzerte und eine Architekturausstellung zur Moderne in Erfurt und Haifa – ein breites Publikum fühlte sich angesprochen.

bildungsarbeit »An manchen Produktionen haben wir anderthalb Jahre gearbeitet«, erzählt Kranz. »Ich bin deshalb froh, dass es funktioniert hat.« Auch in diesem Jahr habe sich gezeigt, dass vor allem die Bildungsarbeit eine wichtige Aufgabe des Festivals ist: Juden, Christen, Muslime, Atheisten miteinander ins Gespräch zu bringen. Schülern den Landtag für diese Debatten über Toleranz, Verständigung und Respekt zu öffnen, genau das sei wichtig aus Sicht der Gäste und eben auch der Initiatoren.

Alles in allem – ein Erfolg. Und dennoch bleibt ein etwas herber Beigeschmack. Die Unterstützung der Stadt Erfurt hätte besser sein können, heißt es von einigen Seiten. Selbst die CDU‐Fraktion der Stadt verschickte eine kritische Pressemitteilung auch an die Adresse des Oberbürgermeisters Andreas Bausewein (SPD). Es sei eine Blamage, heißt es, »Erfurt verprellt die Achava‐Festspiele«.

Was war geschehen? Die Stadt investiert keinerlei Geld in das Festival, kooperiert dafür mit den Organisatoren. Schließlich profitieren beide Seiten von glücklichen Gästen, auch von jenen aus der israelischen Partnerstadt Haifa, die extra anreisen. »Es ist nicht das fehlende Geld, was stört«, formuliert es eine Künstlerin, die nicht genannt werden möchte. »Die Stadt könnte uns einfach in vielerlei Dingen etwas mehr unter die Arme greifen.«

Verstimmungen Aus Sicht der Kritiker ist es schade, wenn kleine Hilfen erst auf die lange Bank geschoben, dann doch verweigert und zum Schluss in Rechnung gestellt werden. Das Resultat: Verstimmungen, die eigentlich nicht sein müssten. Genau das bedauert jetzt auch der Oberbürgermeister der Stadt. »Sicherlich treffen nicht alle in der Verwaltung immer die richtigen Entscheidungen«, räumt Bausewein ein. »Das müssen wir besser machen.«

Die Achava‐Festspiele werden im kommenden Jahr vor allem in Eisenach und Weimar ihren Mittelpunkt haben. Es ist keine Absage an Erfurt, sondern ein Weggang auf Zeit. Der diesjährige Festivalort, die Peterskirche, wird bis 2021 umgebaut und saniert. Es braucht also Alternativen. Zeit für die Landeshauptstadt, nachzudenken – darüber, wie man Kultur in Zeiten, in denen die Demokratie auf eine harte Probe gestellt wird, noch besser und auch auf andere Art stärken kann.

Zu wünschen ist auch, dass man bei dieser Gelegenheit überlegt, was beim nächsten Dauerregen mit den Kostbarkeiten, dem jüdischen Schatz in der Alten Synagoge passiert. Zwei Podien fanden in nassen Räumen statt, weil das Regenwasser durch die Wände sickerte. Kein schöner Anblick, auch angesichts der Tatsache, dass man mit dem jüdischen Kulturgut gerne UNESCO‐Welterbe werden möchte. »Wir kennen das Problem«, sagte verzweifelt eine Mitarbeiterin des Hauses und machte doch einen ratlosen Eindruck.

Impulse Trotz allem: Es überwiegt das Positive, das Gelungene und die Menge an klugen, wichtigen und umfassenden Impulsen der jüdischen und nichtjüdischen Welt – dank der Musiker, Schauspieler und Journalisten wie Helmut Eisel, Andreas Scholl, Jasmin Tabatabai, Igal Avidan und vieler anderer, die am Fest der Brüderlichkeit (Achava) teilnahmen.

»Es geht um Wertschätzung und ehrliche Empathie, gerade wenn wir uns hier für den Dialog zwischen Kulturen und Religionen starkmachen und gegen Antisemitismus ein Zeichen setzen wollen«, so
Kranz.

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