Purim

Alkohol zum Fest?

Daniel, 17, hat sich an seiner Schule umgehört

von Daniel Yakubovich  10.03.2014 17:16 Uhr

Purim-Illustration von Daniel Yakubovich

Daniel, 17, hat sich an seiner Schule umgehört

von Daniel Yakubovich  10.03.2014 17:16 Uhr

Das Gebot an Purim heißt: Man soll trinken, bis man Mordechai und Haman nicht mehr unterscheiden kann. In diesem Sinn feiern wir Purim: Die Tradition gebietet, wenigstens einmal im Jahr bei einem Freudenfest Trübsal und Entbehrung zu vergessen – und verkleidet wie maskiert Glücksgefühle zu zelebrieren. Aber was heißt das für uns Schüler unter 18 – die weder an Purim noch bei anderen Gelegenheiten Alkohol trinken dürfen?

Eine 16-jährige Mitschülerin am Jüdischen Gymnasium, die Purim im Freundes- und Familienkreis mit mehrgängigen »Themenmahlzeiten« begeht, erzählt, dass dabei getrunken und gefeiert wird, mit Gläserklirren und Gitarrenzupfen, Reden und später am Abend auch mit lauter Musik.

Die meisten Schüler, die ich gefragt habe, sagen aber, dass sie solche an Purim arrangierten Feten nicht kennen. Diejenigen, die davon erzählen, kommen zumeist wie die befragte Schülerin aus traditionsbewussten Familien und identifizieren sich stark mit dem Judentum und seinen Festen. Entsprechend bedachtsam wird mit Alkohol umgegangen.

Partys Anders dagegen verhält es sich bei Bat- und Barmizwa-Partys, wenn Jugendliche unter sich sind und fernab von den Eltern eigenständig Erfahrungen mit Alkohol machen. In aller Regel werden Kinder in der Familie zum ersten Mal mit Alkohol vertraut gemacht, wenn zum Wiegenfest der Großmutter mit Erlaubnis der Eltern das erste Mal ein Schluck Schaumwein probiert werden darf.

Beginnend ab Klasse 9 ist man bei Feten, die bei uns Jugendlichen bekanntermaßen reichlich gefeiert werden, unter sich, trinkt aber gelegentlich nicht nur zur Auflockerung der Stimmung, wie Schüler des zweiten Semesters sagten, sondern auch, weil Alkohol angeblich »einen Schritt in das Erwachsenenalter darstellt«, aus Neugier – oder um Eintönigkeit, Druck und Zweifel in Bier, Sekt oder wahlweise in Spirituosen zu ertränken.

Dabei muss es nicht einmal schmecken, aber man beweise »Reife vor sich und seinen Freunden«, wie ein 15-Jähriger glaubt. Auch gibt er zu, dass man nicht trinke, um »bloß einen netten Abend miteinander zu verbringen«, sondern man missbrauche Alkohol bei Trinkspielen, um gezielt die Selbstbeherrschung zu verlieren und dabei entstandene Fotos auf sozialen Netzwerken wie Facebook hochzuladen.

Selbstüberschätzung
Unter Gleichaltrigen kann das Selbstüberschätzung zur Folge haben – bis man buchstäblich Gut und Böse nicht mehr zu unterscheiden weiß. Das aber ist nur an Purim erlaubt – und nur für Erwachsene: Schließlich ist ein Sieg über Haman errungen worden, ein Grund zur Freude und Ausgelassenheit.

Der Autor ist 17 Jahre alt und Schüler des Moses Mendelssohn Gymnasiums in Berlin.

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