Meinung

Wehrhahn: Freispruch und viele Zweifel

Ein dringend tatverdächtiger, nur nicht hinreichend überführter Mann ist in Düsseldorf freigesprochen worden. Es geht um den Anschlag an der S‐Bahnstation Wehrhahn im Juli 2000, und Ralf S., einem zumindest damals der Neonaziszene zugehörigen Militariahändler, wurde die Tat nicht nachgewiesen, also Freispruch. Dagegen ist nichts zu sagen, und Richterschelte gehört sich nicht.

Doch so wie Zweifel an der Täterschaft des nun freigesprochenen Mannes erlaubt sind, so müssen auch Zweifel an Gericht und Ermittlern möglich sein. Vor 18 Jahren fand der Anschlag statt, es wurden zehn Menschen zum Teil schwer verletzt, eine Frau verlor ihr ungeborenes Baby, als ein in einer Plastiktüte abgelegter Sprengsatz detonierte. Sechs der Opfer waren jüdische Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion, die von ihrem Sprachunterricht kamen.

mafia Was damals sofort vermutet wurde, ein rechtsextrem und antisemitisch motivierter Anschlag, geriet im Laufe der Ermittlungen immer mehr in Vergessenheit. Bald wurde von der »Russenmafia« spekuliert, der Düsseldorfer OB wurde gar zitiert, ihm liege die Mafiatheorie »gefühlsmäßig am nächsten«, und 2009 wurden die Ermittlungen abgeschlossen. Ohne Ergebnis.

Nach unglaublichen Pirouetten – sogar in der Moskauer U‐Bahn wurden Phantombilder aufgehängt – waren es Zufälle, die die Spur wieder zu Ralf S. führten. Doch abgesprungene Zeugen und ein Gericht, das im Täter lieber einen Hochstapler sehen will, haben jetzt, 2018, für den Freispruch gesorgt.

Richtig, man darf niemanden verurteilen, der nicht zweifelsfrei überführt wurde. Aber wurde wirklich 18 Jahre lang ernsthaft ermittelt? Diese Zweifel bleiben.

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