Heidelberg

Wegen Hitlergruß-Foto suspendiert

Die deutschnationale Heidelberger Burschenschaft ist seit Langem bekannt für ihre Verbindungen in die rechtsextreme Szene. Foto: imago

Markus Prien, Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft des Mannheimer Energieunternehmens MVV-Regioplan, ist am Montag vom Dienst suspendiert worden. Das berichtete die »Rhein-Neckar-Zeitung«.

Auslöser war ein Foto, das einen Mann mit Hitlergruß zeigt und auf dem offenbar Prien mit Burschenschaftsband auf der Brust und Bierglas in der Hand zu sehen ist, wie er ebenfalls den Arm nach oben reckt. Der dritte Mann auf dem Bild trägt einen Soldatenhelm.

UMTRIEBE Das linke Nachrichtenportal »Indymedia« hatte das Foto am Freitag vergangener Woche veröffentlicht. Es wurde offenbar im Haus der Heidelberger Burschenschaft Normannia aufgenommen. Allerdings ist unklar, von wann genau das Bild stammt.

Die schlagende Verbindung war vor Kurzem wegen eines offenbar antisemitischen Angriffs in die Debatte geraten. Das Mitglied einer befreundeten Heidelberger Burschenschaft war bei einer Feier im Verbindungshaus der Normannia beleidigt und mit Gürteln geschlagen worden, nachdem er angeben hatte, dass sich unter seinen Vorfahren auch Juden befänden.

Der Altherrenverein der deutschnationalen Burschenschaft löste daraufhin die Aktivitas der Normannia auf und distanzierte sich von jeglicher Form des Antisemitismus. Allerdings hat die Normannia bereits in der Vergangenheit immer wieder wegen rechtsradikaler Umtriebe Schlagzeilen gemacht.

ERKLÄRUNG Das börsennotierte Unternehmen MVV Energie, das rund 6000 Beschäftigte hat und aus den Stadtwerken Mannheim hervorgegangen ist, erklärte am Montag, der Geschäftsführer der MVV Regioplan werde mit sofortiger Wirkung und bis zu einer Klärung des fraglichen Vorgangs freigestellt. Man dulde keine Nähe zu rechtsradikalen Positionen. Der Angestellte werde sich zu dem Vorfall erklären müssen, sagte ein Sprecher des Unternehmens der »Rhein-Neckar-Zeitung«.

Dass es sich bei dem Mann im grünen Hemd um Prien handele, sei zweifelsfrei, so der Sprecher gegenüber der Zeitung. Laut »Indymedia« sitzt Prien im Vorstand des Normannia-Altherrenvereins und gilt dort als Vertreter des »äußersten rechten Flügels«.

Er soll demnach auch gute Kontakte zur rechtsextremistischen Identitären Bewegung haben. Unter den Alten Herren der Normannia befinden sich unter anderem auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Christian Wirth.

ERMITTLUNGEN Bereits im vergangenen Jahr hatte die Heidelberger Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Zeigen des Hitlergrußes durch ein Normannia-Mitglied ermittelt. Das Verfahren wurde laut eines Sprechers der Behörde aber wegen hinreichenden Tatverdachts eingestellt. Die Ermittlungen hätten »keine Beweislage erbracht«, angesichts derer die Verurteilung des Betreffenden zu erwarten gewesen wäre.

In dem laufenden Ermittlungsverfahren zu dem Vorfall im Normannia-Haus in der Nacht zum 29. August sei das Ende der Ermittlungen absehbar, so der Sprecher.

»Der derzeitige Tatverdacht lautet auf gefährliche Körperverletzung und (die antisemitische) Beleidigung. Ob und ggf. gegen welche der Beschuldigten dieser Tatverdacht in einem die Erhebung der öffentlichen Klage ermöglichenden Maße erhärtet ist, konnte aufgrund der noch laufenden Ermittlungen noch nicht abschließend geprüft werden«, sagte er dieser Zeitung. mth

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