Bremen

Von der Ausplünderung der Juden profitierten viele

Henning Bleyl (l.) und Evin Oettingshausen stehen im März 2023 an der Baustelle des »Arisierungs«-Mahnmals. Foto: picture alliance/dpa

Bremen

Von der Ausplünderung der Juden profitierten viele

Ein »Arisierungs«-Mahnmal soll an dieses dunkle Kapitel der Geschichte erinnern

von Dieter Sell  08.09.2023 17:39 Uhr

Ein neues »Arisierungs«-Mahnmal in Bremen will nach den Worten seines Initiators Henning Bleyl an ein dunkles Kapitel der nationalsozialistischen Geschichte erinnern, in das weite Teile der deutschen Bevölkerung verstrickt waren und wohl noch immer sind.

Es gehe um die systematische und massenhafte Ausplünderung der Juden durch das NS-Regime, sagte der Journalist und Kulturwissenschaftler dem Evangelischen Pressedienst (epd). »Fast 80 Jahre nach dem Holocaust gibt es immer noch große Mengen an jüdischem Besitz in deutschen, nicht-jüdischen Häusern - und die wenigsten Familien haben sich damit auseinandergesetzt«, sagte Bleyl.

Leerstelle in der Erinnerungslandschaft Das Mahnmal soll an diesem Sonntag an den Weser-Arkaden nahe der Altstadt eingeweiht werden. Es ist Bleyl zufolge in dieser Form einzigartig »und füllt deshalb eine Leerstelle in der Erinnerungslandschaft«.

Bei der sogenannten »Aktion M« sollte möglichst viel von den Möbeln und dem Hausrat der jüdischen Bevölkerung, die entweder geflohen war, ausgewandert war oder deportiert wurde, nach Deutschland geschafft und »arisiert« werden. In Auktionen oder Massenverkäufen seien die Sachen günstig an die »Volksgemeinschaft« abgegeben worden, erläuterte Bleyl.

»Das galt im NS-Jargon als ’siegwichtig‘, denn im Reich waren ja mittlerweile viele Leute ausgebombt.« Beteiligt gewesen seien viele, Behörden genauso wie Unternehmen und eben Bürgerinnen und Bürger.
»Das war eine Beutegemeinschaft«, sagte Bleyl. Bremen als Hafen- und Logistikstadt habe einen besonderen Anteil an der Ausplünderung gehabt, die dem Holocaust vorausgegangen sei.

Zentrale Rolle »Das lief flächendeckend, nicht nur in Deutschland in jeder Ortschaft und in jedem Gemeinwesen, sondern in allen Ländern, die die Wehrmacht besetzt hatte.« Dabei hätten Spediteure wie Kühne & Nagel mit ihrer Firmenzentrale in Bremen als Dienstleister eine zentrale Rolle gespielt. »Kühne & Nagel hatte fast ein Monopol darauf, die Streckentransporte zu machen. Das war ein Riesengeschäft.«

Beim Firmenjubiläum 2015 habe das überhaupt keine Rolle gespielt, erinnerte sich Bleyl. Daraufhin kam die Idee zu dem Mahnmal, das nach einem Entwurf von Evin Oettingshausen verwirklicht worden sei.
Finanziert wurde das etwa 550.000 Euro teure Projekt den Angaben zufolge durch öffentliche Mittel, Bremer Speditionsunternehmen und private Spenden. Bleyl betonte, in der Beschäftigung mit dem Thema sei das Bauwerk »kein Schlusspunkt, sondern ein Doppelpunkt«.

Nahost

Stopp in letzter Minute

Medienberichte: US-Präsident Trump hielt Premier Netanjahu von größerem Iran-Angriff ab

 09.06.2026

Bremerhaven

Synagoge im Visier: Jahrelange Haft und Psychiatrie für Anschlagspläne

Ein perfider Plan, gefährliche Stoffe und eine Sprengstoffweste: Wie Ermittler zufällig auf brisante Chats stießen - und welche Konsequenzen die Vorbereitung eines Anschlags für die Angeklagten hat

 08.06.2026

Nahost

EU verschärft Sanktionen gegen Iran

Wegen Behinderungen des Schiffsverkehrs verschärft die EU ihre Maßnahmen gegen den Iran. Betroffen sind auch Verantwortliche, denen Drohungen vorgeworfen werden

 08.06.2026

Moringen

AfD-Kreisverband will Parteitag neben KZ-Gedenkstätte abhalten

In der Kleinstadt Moringen richteten die Nationalsozialisten drei Konzentrationslager ein. Eine Gedenkstätte erinnert an die damaligen Gräuel. In unmittelbarer Nähe davon plant ein AfD-Kreisverband seinen Parteitag. Ein Bündnis kündigt Proteste an

 08.06.2026

Interessenvertretung

Jüdische Lehrkräfte gründen eigenen Verband

Jüdische Perspektiven im Bildungswesen sichtbarer machen: Ein neuer Bundesverband vernetzt Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte und unterstützt sie im Umgang mit Antisemitismus

von Christoph Schmidt  08.06.2026

Handelsbeziehungen

Auch Großbritannien erwägt Importverbot für Siedlerwaren

140 Abgeordnete der regierenden Labour Party haben Außenministerin Yvette Cooper aufgefordert, die Einfuhr von Produkten aus israelischen Siedlungen im Westjordanland nach Großbritannien zu verbieten

von Michael Thaidigsmann  08.06.2026

Washington D.C.

Global Forum des AJC: Das Paradox der jüdischen Geschichte

2000 Juden aus 70 Ländern kamen in die US-Hauptstadt, um bei der jährlichen Tagung des American Jewish Comittee dabei zu sein

von Sebastian Engelbrecht  08.06.2026

Aue-Bad Schlema (Sachsen)

CDU-Kandidat gewinnt OB-Wahl in Aue gegen Rechtsextremen

Mit dem Wahlsieg von Marcus Hoffmann bleibt Aue-Bad Schlema in CDU-Hand. Der Kandidat der rechtsextremen »Freien Sachsen« scheitert an der Wahlurne

 08.06.2026

Daniel Jositsch, Zürcher SP-Ständerat, am letzten Donnerstag, dem Tag seines Austritts aus der Partei

Meinung

Daniel Jositsch und der Preis der Klarheit

Daniel Jositsch verlässt nach seiner Nichtnomination in den Ständerat die SP. Der Fall zeigt, wie eng der Raum für sozialliberale und proisraelische Stimmen in der Linken geworden ist, nicht nur in der Schweiz

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.06.2026