Die jüdische Café-Bäckerei Babka & Krantz ist laut ihren Besitzern endgültig geschlossen. Erst vor dreieinhalb Jahren war das Geschäft eröffnet worden. Qualitativ hochwertige Bagels, Challa-Brot in verschiedenen Variationen, Sabich-Sandwiches, Babka-Hefekuchen und Krantz-Gebäck gehörten zum Angebot.
In Friedenau, in der Atmosphäre einer der ruhigsten Ecken Berlins, konnten Gäste des Cafés ihr Gebäck mit Kaffee oder Tee gleich vor Ort konsumieren oder mitnehmen. Wer sonntags Challa für den heimischen Frühstückstisch erwerben wollte, musste das Brot vorbestellen, um eines abzubekommen. Die Produkte gingen weg wie warme Semmeln.
Das Babka & Krantz war lokalen Medien zufolge der einzige jüdische Meisterbetrieb in Berlin. Dass dieser nun schließen musste, hat mehrere Gründe. Einer der Besitzer erwähnte gegenüber der Jüdischen Allgemeinen Drohungen gegen ihn und seinen Partner, deren Anzahl seit dem 7. Oktober 2023 konstant anstiegen sei.
In einem von vielen Fällen soll ein Unbekannter mit der Hand eine Pistole simuliert und gegen seinen Kopf gehalten haben, um zu zeigen, was er mit den jüdischen Eigentümern machen wolle. Zu einem anderen Vorfall kam es, als ein Mann in das Geschäft kam, den rechten Arm zum Hitler-Gruß erhob, um dann plötzlich höhnisch zu grinsen und seine Hand zu einem Victory-Zeichen zu formen, während er rief: »Free Palestine!«. Auch wurde der Bäckerei mehr als einmal vorgeworfen, arabische Backwaren zu kopieren und zu »stehlen«.
Immer wieder musste dem Co-Besitzer zufolge die Polizei gerufen werden, was Nachbarn missfallen haben soll. Viele der Anwohner hätten genug gehabt von den andauernden Polizeieinsätzen und wenig bis keine Solidarität gezeigt. Auch habe er Angst um die Sicherheit seiner 16-jährigen Tochter gehabt.
Hinzu kam eine Baustelle mitten auf der kleinen Kreuzung vor der Bäckerei. Diese habe bereits 14 Monate bestanden, sei aber kaum vorangekommen und habe Kunden den Zugang erschwert, so der Co-Gründer.
Am vorvergangenen Wochenende waren Freunde und Kunden zu einem kleinen Abschieds-Event mit Sekt und Challa eingeladen. Dann wurden die Türen zum letzten Mal geschlossen.