Hollywood

Moses mit Flinte: Vor 100 Jahren wurde Charlton Heston geboren

Charlton Heston is neiner wohl bekanntesten Rolle als Judah Ben-Hur Foto: imago images/Prod.DB

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Moses mit Flinte: Vor 100 Jahren wurde Charlton Heston geboren

»Die zehn Gebote«, »Ben Hur« oder »Planet der Affen« machten Charlton Heston zum Superstar

von Konrad Ege  05.10.2023 10:08 Uhr

Der US-Schauspieler Charlton Heston kam aus einer anderen Ära. Aus der guten alten Zeit hätte der Hollywood-Star selbst vielleicht gesagt. Er wurde vor 100 Jahren in Evanston im US-Bundesstaat Illinois geboren, am 4. Oktober 1923. Besonders im Gedächtnis bleibt der politische Heston. Aus einem, der mit Martin Luther King für Bürgerrechte demonstrierte, wurde ein wortgewaltiger Streiter für das Recht auf Schusswaffenbesitz und ein Kulturkrieger gegen »woke«, lange bevor es das Wort gab.

Etwa 1,90 Meter groß, athletisch, mit markantem Gesicht, war der 2008 verstorbene Heston der urtypische, starke Mann. Er wurde zum Superstar in den Monumentalfilmen »Die Zehn Gebote« (1956), wo er als vollbärtiger Moses das Rote Meer spaltet und die Israeliten ins Gelobte Land führt. In »Ben Hur« (1959) spielt Heston unter der Regie des im Elsass geborenen William Wyler einen jüdischen Widerständler gegen die römischen Besatzer.  

Wagenrennen »Ben Hur« sei ein außerordentlicher Spielfilm mit nie dagewesener Größenordnung, schrieb das Magazin »Hollywood Reporter« damals. Dreieinhalb Stunden lang ist das Werk, mit tausenden Mitwirkenden. Heston gehe auf in seiner »inspirierenden Rolle als Judah Ben-Hur«, der »in seinem Triumph den Sinn des Lebens findet«. Der Triumph war der Sieg bei einem Wagenrennen gegen Ben Hurs römischen Widersacher.

Heston selbst lenkte seinen mit vier Pferden bespannten Kampfwagen. Er erhielt den Oscar als bester Hauptdarsteller.

Der Star pflegte angeblich eine gewisse Bescheidenheit. Beim Film entscheide der Regisseur, sagte Heston 1970 im Fernsehsender ABC. Er habe bei Drehs oft und laut seine Meinung gesagt, doch immer akzeptiert, dass der Regisseur der Kapitän ist. Heston spielte laut Internet-Filmdatenbank »imdb.com« in rund 100 Filmen mit, unter anderem im Ritterspektakel »El Cid« (1961, mit Sophia Loren), in »Michelangelo« (1965), in »Planet der Affen« (1968) als verschollener Astronaut, in »Ruf der Wildnis« (1972) und »Der letzte der harten Männer« (1976).

Freiheit Hestons wohl bekannteste Szene geschah nicht auf der Leinwand, sondern beim Schusswaffenverband National Rifle Association. Von 1998 bis 2003 war er deren Präsident. Die Politik wolle Amerikanern ihre Freiheit rauben, warnte Heston bei der Jahresversammlung 2000, hob sein Gewehr über den Kopf: Ihm werde man die Waffe nur »aus meinen kalten, toten Händen« reißen. Dass ein gewöhnlicher Amerikaner so ein mächtiges Instrument besitzen könne, symbolisiere das »volle Maß von Menschenwürde und Freiheit«.

In Hollywood kam das nicht besonders gut an. Heston war früher politisch anders eingestellt. Er stand lange der Demokratischen Partei nahe. Im August 1963 war er auf der Großkundgebung für Jobs und Freiheit, bei der Martin Luther King von seinem Traum sprach, seine vier Kinder würden einmal ohne Diskriminierung leben. In einem Fernsehinterview am Tag der Kundgebung - zusammen mit Harry Belafonte, Sidney Poitier und Marlon Brando - bedauerte Heston, dass er in der Vergangenheit nur bei Cocktailpartys über Bürgerrechte gesprochen habe.

In seinen Erinnerungen »In the Arena« (1995) beschrieb Heston seinen Weg von der Bürgerrechtsbewegung zur Schusswaffen-Lobby. Wie sein Kollege und Gesinnungsgenosse Ronald Reagan machte er geltend, nicht er habe sich verändert, sondern die Demokratische Partei. Heston und Reagan blieben noch in Verbindung, als Reagan im Weißen Haus saß. Er kommt mehrmals in Reagans Tagebuch vor, vermerkt wurde unter anderem »Dinner mit den Charlton Hestons«.

Diskurs Der Schauspieler Heston wollte gesellschaftliche Veränderungen offenbar nicht akzeptieren. Er kritisierte Rap-Musik und »political correctness«, die den politischen Diskurs in den USA »zerstört« habe.

In »In the Arena« klagte er über Kritik an seinem Kommentar, die USA müssten »zu den Werten und Gedanken der toten weißen Männer zurückkehren, die dieses Land erfunden haben«. Er sei als Rassist beschimpft worden. Dabei sei Amerika ein Vorbild für die Welt. »Er war ein Mann mit Charakter und Integrität«, würdigte der frühere Präsident George W. Bush Heston nach seinem Tod im Alter von 84 Jahren.

Sein Biograf Marc Eliot hat den Anfang vom Ende beschrieben: Eines Morgens habe Heston den kurzen Weg zu den Paramount-Studios nicht mehr gefunden. Am 12. August 2002 machte Heston bekannt: Seine Ärzte hätten ihm gesagt, dass er an einer neurologischen Störung leide, deren »Symptome zur Alzheimer-Krankheit passen«. Mehrere Jahre später habe selbst Hestons Ehefrau Lydia Clarke ihren Mann wegen der fortgeschrittenen Demenz kaum mehr erreichen können.

Zur Trauerfeier kamen Hollywood-Prominente, von Arnold Schwarzenegger bis Oliver Stone. Auch Nancy Reagan war da, deren Ehemann vier Jahre zuvor mit Alzheimer gestorben war.

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